Abenteuerland DDR: Darf man einen Unrechtsstaat mögen?

Nachstehenden Beitrag hatte ich 2014 zum 25. Jahrestag des Mauerfall am 9. November 1989 geschrieben, aber ich highlighte ihn heute zum Jahrestag des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 erneut.

Ich beschäftige mich schon lange mit der Frage, ob man den ostdeutschen Unrechtsstaat mögen durfte? Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls habe ich meine Kindheitserinnerungen an das „Abenteuerland DDR“ niedergeschrieben und weiß, dass dies Diskussionsstoff birgt.

Vor dem Interhotel Newa auf der Prager Straße: Lars und Erika Friedrich. Foto: Kurt Friedrich

Vor dem Interhotel Newa auf der Prager Straße: Lars und Erika Friedrich. Foto: Kurt Friedrich

„Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…“ Der berühmte Satz, den der damalige Bundesaußenminister und Vizekanzler Hans-Dietrich Genscher am Abend des 30. September 1989 um 18.58 Uhr vom Balkon der westdeutschen Botschaft in Prag vor 4.000 ausreisewilligen DDR-Flüchtlingen sagte, verursacht mir heute noch Gänsehaut. Wenig später, am 9. November, wird die Öffnung aller Berliner Grenzübergänge erzwungen – die Mauer fällt und nur ein knappes Jahr später, am 3. Oktober 1990, tritt die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei.

Meine Mutter (rechts) und ich mit den Freunden aus Borlas auf der Terrasse von Schloss Moritzburg. Foto: Kurt Friedrich

Meine Mutter (rechts) und ich mit den Freunden aus Borlas auf der Terrasse von Schloss Moritzburg. Foto: Kurt Friedrich

Ab Mitte der 1970er Jahre fuhren meine Eltern mit mir (Jahrgang 1968) nahezu jährlich auf Einladung lieber Freunde in die DDR – zunächst mit dem Interzonenzug bis Dresden und weiter mit der Regionalbahn bis zum Bahnhof Edle Krone im Tharandter Wald, später dann mit dem eigenen Pkw über die Transitautobahn gleich bis nach Borlas. Meine kindliche Erinnerung an diese Herbsturlaube in der Nähe von Dresden ist geprägt von abenteuerlichen Dingen: an das meist nächtliche Ausräumen unseres Autos vor meist schlecht gelaunten, aber immer bewaffneten Mitglieder der DDR-Grenztruppen im gleißenden Scheinwerferlicht am innerdeutschen Grenzübergang Herleshausen/ Wartha, an das langweilige Warten am Folgetag auf dem gebohnerten Flur der Meldestelle der Volkspolizei im Dippser Schloss auf den Stempel für die Aufenthaltsgenehmigung, an das Pumpsklo bei unseren Freunden in Borlas (Ortsbild oben), an das „platziert werden“ in fast leeren Restaurants oder an das bunte Plastikgeschirr in der Dresdner HO-Gaststätte „Am Zwinger, im Volksmund Fresswürfel genannt. Und ich weiß, dass ich nach der Zeit „drüben“ immer froh war, wieder daheim in Hattingen zu sein. Weiterlesen

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Eben erst ausgelesen: „Studierst du noch oder lebst du schon?“

Ich liebe Comics, denn ich bin mit Ihnen aufgewachsen. Mit Asterix und Obelix, mit Lucky Luke und mit Isnogud. Weniger mit Micky  und Donald, denn die lustigen Taschenbücher waren damals nur auf jeder dritten und vierten Seite bunt. Heute tue ich mich bisweilen schwer mit diesen Comics für Erwachsene, die jetzt Graphic Novel heißen. Bei „Studierst du noch oder lebst du schon?“ von Tiphaine Rivière war das anders. Auch wenn ich kein Student in der Krise bin und mit 50 wohl auch nicht mehr zu Zielgruppe zähle, haben mich die 184 illustrierten Seiten der französischen Zeichnerin verzückt.

Jeanne Dargan, die liebreizende Antiheldin des bebilderten Romans, wurde gerade als Doktorandin akzeptiert. Zunächst enthusiastisch, dann stoisch, später verzweifelt taumelt sie zwischen ihrem charismatischen, aber wenig hilfreichen Doktorvater, der tiefenentspannten Institutssekretärin und diversen Jobs hin und her. Die Monate vergehen, und weder ihr Freund noch ihre Familie verstehen, warum diese verdammte Abschlussarbeit einfach nicht fertig wird. Noch schlimmer, permanent ist Jeanne mit der Frage konfrontiert: Und was macht man dann damit?

In Frankreich, so lese ich, war das bereits 2016 auf Deutsch im KNAUS Verlag erschienene Buch die Entdeckung des Jahres. Nachdem ich das doch recht stattliche Werk immer wieder zur Seite gelegt habe („vielleicht ist das ja was für die Kinder, wenn sie groß sind und studieren wollen“), las ich es nun an einem Sonntag durch und habe mich köstlich amüsiert – frech, witzig und ehrlich!

Laut Klappentext weiß Tiphaine Rivière, worüber sie schreibt: Nach dem dreijährigen Versuch, ihre Doktorarbeit in Literatur abzuschließen, startete sie den illustrierten Blog „Le bureau 14 de la Sorbonne“ und ihre Karriere als Comic-Zeichnerin. Mit ihrem Debüt landete sie einen Überraschungserfolg, der in mehrere Sprachen übersetzt wird. Rivière lebt in Paris.

Ich glaub, ich schlaf´ im Wald!

Ich glaub, ich schlaf´ im Wald: Mit einem Zirbenholzspänekissen durch die Nacht.

Kleines Kissen, große Wirkung: Ich fühle mich besser, seit ich auf Zirbenholzspänen schlafe. Foto: LRF/HAT

Kleines Kissen, große Wirkung: Ich fühle mich besser, seit ich auf Zirbenholzspänen schlafe. Foto: LRF/HAT

Auf dem Weihnachtsmarkt in Köln entdeckten wir just an meinem 50. Geburtstag einen Stand mit bunten Kissen, gefüllt mit Spänen der Zirbe (Pinus cembra). Der aromatische Geruch des Alpenholzes erinnerte mich an traumhafte Sommerurlaube in Südtirol – an heimelige Stuben ebenso wie an historische Burggemächer.  Zum guten Geruch, so der Standbetreiber, kämen noch positive Wirkungen auf die Gesundheit hinzu. Der Preis jedoch hielt uns erst einmal vom Kauf ab.

Kleine Späne, große Wirkung. Foto: LRF/HAT

Kleine Späne, große Wirkung. Foto: LRF/HAT

Noch auf dem Heimweg schoppte meine Frau online Zirbenholzspäne und Schafsschurwolle und am Tag danach kauften wir Stoff dazu (leider gab es keinen rot-weiß karrierten). In der Nacht dann die Bewährungsprobe fürs alpine Wunderholz: Wie würde ich auf dem Zauberkissen schlafen? Wirkt Zirbenholz wirklich positiv auf die Herzfrequenz?

Mein Resümee am Morgen danach: Das war die geruhsamste Nacht seit vielen Wochen. So gut hatte ich schon lange nicht mehr geschlafen. Woran lag es? Tatsächlich am Zirbenholz? Am angeblichen Placeboeffekt? Oder doch an ganz etwas anderem? Ich habe keine Ahnung, schlafe aber nach wie vor sehr ruhig und entspannt auf unserem selbst genähten Zirbenholzspänekissen.

Letztlich ist es ja egal, ob dieses Alpenholz wirklich eine außergewöhnlich starke antimikrobielle Wirkung hat, tatsächlich die Herzfrequenz reduziert oder medizinisch nachweisbar Schlafstörungen vorbeugt. Ich fühle mich auf meinem wohltuend duftendem Kissen sehr, sehr wohl. Und im Sommer gehe ich beim Familienurlaub auf unserem Lieblingsbauernhof in Südtirol mal auf Zirbelkiefer-Suche.

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