Vor fast 60 Jahren sollte unser Ruhrtal im Stausee verschwinden

Seit dem Jahre 2014 diskutiert Hattingen die bis 2021 geplante Umsetzung einer EU-Wasserrahmenrichtlinie. Streitpunkt dabei ist die geplante Umgestaltung der Ruhr: Buchten sollen verschwinden, Wiesen zu Feuchtgebieten werden. Was heute kaum jemand mehr weiß: Vor knapp 60 Jahren sollte der Winzer Ruhrbogen schon einmal weitgehend im „Stausee Hattingen“ untergehen.

Für den Stausee Hattingen mit Kraftwerk, Wehr und Deichen wollte die Baundesbahn Gleise verlegen und die Stadt Straßen anheben. Rechts oben im Bild: der Anschluss an die verlegte Ruhr im Bereich der Henrichshütte. Repro aus der Heimat am Mittag vom 19. April 1958.

Für den Stausee Hattingen mit Kraftwerk, Wehr und Deichen wollte die Bundesbahn Gleise verlegen und die Stadt Straßen anheben. Rechts oben im Bild: der Anschluss an die verlegte Ruhr im Bereich der Henrichshütte. Repro aus der Heimat am Mittag vom 19. April 1958.

Am 19. April 1958 vermeldete die Hattinger Heimatzeitung euphorisch:“Riesenprojekt wird verwirklicht“. Gemeint waren die von der Ruhrstahl AG geplante Ruhrverlegung und der Ruhrstausee bei Hattingen. Bis 1963 sollte das „größte Bauvorhaben (…) seit Jahrzehnten im Raum des Bochumer Südens“ umgesetzt werden und „auch für die Gestaltung der Freizeit der Stadtbewohner aus dem Raum Hattingen/Welper eröffnen sich neue Perspektiven“. Der Ruhrsee bei Hattingen war schon früher diskutiert worden, doch mit der Ruhrverlegung entlang der Hütte zur Vergrößerung des Firmengeländes waren die Pläne Mitte der 1950er Jahre wieder in die Diskussion gekommen. Weiterlesen

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Abenteuerland DDR: Darf man einen Unrechtsstaat mögen?

Nachstehenden Beitrag hatte ich 2014 zum 25. Jahrestag des Mauerfall am 9. November 1989 geschrieben, aber ich highlighte ihn heute zum Jahrestag des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 erneut.

Ich beschäftige mich schon lange mit der Frage, ob man den ostdeutschen Unrechtsstaat mögen durfte? Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls habe ich meine Kindheitserinnerungen an das „Abenteuerland DDR“ niedergeschrieben und weiß, dass dies Diskussionsstoff birgt.

Vor dem Interhotel Newa auf der Prager Straße: Lars und Erika Friedrich. Foto: Kurt Friedrich

Vor dem Interhotel Newa auf der Prager Straße: Lars und Erika Friedrich. Foto: Kurt Friedrich

„Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…“ Der berühmte Satz, den der damalige Bundesaußenminister und Vizekanzler Hans-Dietrich Genscher am Abend des 30. September 1989 um 18.58 Uhr vom Balkon der westdeutschen Botschaft in Prag vor 4.000 ausreisewilligen DDR-Flüchtlingen sagte, verursacht mir heute noch Gänsehaut. Wenig später, am 9. November, wird die Öffnung aller Berliner Grenzübergänge erzwungen – die Mauer fällt und nur ein knappes Jahr später, am 3. Oktober 1990, tritt die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei.

Meine Mutter (rechts) und ich mit den Freunden aus Borlas auf der Terrasse von Schloss Moritzburg. Foto: Kurt Friedrich

Meine Mutter (rechts) und ich mit den Freunden aus Borlas auf der Terrasse von Schloss Moritzburg. Foto: Kurt Friedrich

Ab Mitte der 1970er Jahre fuhren meine Eltern mit mir (Jahrgang 1968) nahezu jährlich auf Einladung lieber Freunde in die DDR – zunächst mit dem Interzonenzug bis Dresden und weiter mit der Regionalbahn bis zum Bahnhof Edle Krone im Tharandter Wald, später dann mit dem eigenen Pkw über die Transitautobahn gleich bis nach Borlas. Meine kindliche Erinnerung an diese Herbsturlaube in der Nähe von Dresden ist geprägt von abenteuerlichen Dingen: an das meist nächtliche Ausräumen unseres Autos vor meist schlecht gelaunten, aber immer bewaffneten Mitglieder der DDR-Grenztruppen im gleißenden Scheinwerferlicht am innerdeutschen Grenzübergang Herleshausen/ Wartha, an das langweilige Warten am Folgetag auf dem gebohnerten Flur der Meldestelle der Volkspolizei im Dippser Schloss auf den Stempel für die Aufenthaltsgenehmigung, an das Pumpsklo bei unseren Freunden in Borlas (Ortsbild oben), an das „platziert werden“ in fast leeren Restaurants oder an das bunte Plastikgeschirr in der Dresdner HO-Gaststätte „Am Zwinger, im Volksmund Fresswürfel genannt. Und ich weiß, dass ich nach der Zeit „drüben“ immer froh war, wieder daheim in Hattingen zu sein. Weiterlesen

Warum für mich eine Fähren nach Blankenstein reiner Mumpitz ist

Bereits Karfreitag 2018 soll eine neue Ruhrfähre den Bochumer Stadtteil Stiepel mit dem Hattinger Stadtteil Blankenstein verbinden, meldete jüngst die Heimatzeitung. Zur Beurteilung der Idee möchte ich Herbert Wehner zitieren: „Das ist doch Mumpitz.“ Warum ich das so, versuche ich hier zu erläutern.

Foto: Heimatverein Blankenstein/Archiv Kl. Brüggeney

Foto: Heimatverein Blankenstein/Archiv Kl. Brüggeney

Ich fürchte, eine Wiederbelebung der Fährverbindung von Stiepel nach Blankenstein wird weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Denn: Der Höhenunterschied zwischen dem Ruhrtal und den touristischen Punkten in Blankenstein wie dem Stadtmuseum und der Burg (den Gethmannschen Garten lasse ich in seinem jetzigen Zustand mal außen vor) ist in meinen Augen der Knackpunkt. Ich fürchte, diesen Anstieg/ Abstieg werden viele Wanderer und Nutzer des Ruhrtalradweges scheuen. Allein schon aus diesem Grund kann die Idee der Stiepeler und Blankensteiner Fähr-Freunde nicht mit der Hardensteiner Ruhrtalfähre und dem fast ebenerdigen Zugang zur dortigen Burgruine verglichen werden. Wie also kommt man mit Kinderwagen, Fahrrad, Bollerwagen oder Rollator vom Fuße der Blankensteiner Berge nach oben? Entweder die 210 Stufen der historischen Treppe hoch- und wieder heruntersteigen (sorry, das geht ja gar nicht, denn die Treppe ist ja schon seit 2014 gesperrt) oder die steile Straße „Zu den sieben Hämmern“ nutzen – Esel wie zur Wartburg hinauf oder Kutschen wie an den Königsschlössern in Bayern sehe ich nicht.

Ist also ein Abstecher vom sonnenbeschienenen Ruhrtalradweg in den Schatten der Blankensteiner Berge attraktiv? Gibt es hier tatsächlich ausreichend touristisches Potential, das einen Aufstieg rechtfertigt? Eine Nachfrage bei der RuhrtalBahn, wie stark der Haltepunkt Burg Blankenstein als Aussteigepunkt genutzt wird, könnte erhellend sein. Auch wenn die Gutachter sagen, eine Fähre ist machbar und die Natürschützer letztlich meinen, sie sei auch umweltverträglich, so behebt eine Fähre allein nicht das Blankensteiner Touristik-Problem. Eine Fährverbindung von Stiepel nach Blankenstein ist der zweite vor dem ersten Schritt: Also bitte zunächst einmal in den Stadtteil investieren und z. B. den Gethmannschen Landschaftsgarten aus seinem Dornröschenschlaf erwecken ocer die Öffnungszeiten des Stadtmuseums ausweiten und dann mit diesen Pfunden wuchern.

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