Mit dem A, B, C durch Hattingen: Das A wie Affenfelsen…

Mit dem ABC durch Hattingen/Ruhr – keine leichte Aufgabe, aber lösbar. Gerne greife ich die Blogparaden-Idee der Hagener Autorin Birgit Ebbert auf und stelle in loser Folge Hattingen in 26 Etappen vor. Heute: A wie Affenfelsen.

Der Name Affenfelsen geht auf einen Aprilscherz des Ruhr-Anzeigers aus dem Jahr  1970 zurück. Foto: Stadtarchiv Hattingen

Der Name Affenfelsen geht auf einen Aprilscherz des Ruhr-Anzeigers aus dem Jahr 1970 zurück. Foto: Stadtarchiv Hattingen

Als Kind liebte ich den Affenfelsen auf dem Hattinger Obermarkt heißt und innig. Eltern demonstrierten liberale Geisteshaltung, wenn sie ihren Sonnenschein im Grundschulalter beim sonntäglich „wir gehen in die Stadt“-Spaziergang auf die Betonblöcken klettern ließen, denn nicht alle Erziehungsberechtigten aus der Generation meiner Eltern konnten sich mit der kalten Ansammlung von Betonkuben anfreunden – weil nicht nur wir Kinder uns dort aufhielten, sondern auch die „Halbstarken“ die Aufenthaltsqualität des vom störenden Autoverkehr befreiten Platz zu schätzen wussten. Sie lungerten dort herum, tranken Alkoholisches und hörten moderne Musik aus gerade auf den Markt drängenden Philips-Kassettenrecordern. Wohl eben deshalb setzte die Hattinger Tageszeitung in einer Bildcollage Affen auf die Steine und Redakteur Bruno Meck prägte so am 1. April 1970 den Spitznamen „Affenfelsen“.

Bis vor ca. 30 Jahren lud der auch gerne Augstein-Gebirge genannte Affenfelsen zum verweilen ein.  Foto: Sammlung von Wilfried Ruthmann, Fotograf: unbekannt.

Bis vor ca. 30 Jahren lud der auch gerne Augstein-Gebirge genannte Affenfelsen zum verweilen ein. Foto: Sammlung von Wilfried Ruthmann, Fotograf: unbekannt.

Doch war es vor dem Affenfelsen besser? Wohl nicht: 1905 wurde dort, „einem allgemeinen Bedürfnis Rechnung tragend“, das erste öffentliche „Pissoir“ der Stadt Hattingen aufgestellt, das einen öffentlichen Brunnen verdrängte. Mit den 1960er/1970er Jahren kam dann das Zeitalter der »abstrakten Kunst in der Stadtplanung« – und mit ihr kam nach den Plänen von Martin Einsele (1928–2000) Ende der 1960er Jahre das Betongebirge in der Altstadt. Der Stadtplaner damals: „Öffentliche Schwerpunkte werden durch Sitzplastiken und Gruppen von Bänken, Vitrinen und Pflanzungen geschaffen“. Ergänzend erhielt in der Realisierung der neuen Fußgängerzone der Obermarkt eine öffentliche Uhr und eine Bodenhülse für den Weihnachtsbaum, an den ich mich auch noch gerne erinnere. Als die Hattinger Sparkasse zum 150. Firmenjubiläum der Stadt einen Brunnen schenken wollte, ergriff man gleichsam die Gelegenheit am Schopf und die Spitzhacke am Stiel, zerstörte die gegossene Sitzlandschaft und öffnete 1988 den Platz für den so genannten Treidelbrunnen, der an die Bedeutung der Ruhr als Transportweg für die Ruhrkohle erinnert.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s