Stolperstein: Karmel-Schwestern beten jetzt auch für Nazi-Opfer

Mayerling in Niederösterreich. Nachdem 1889 dort Kronprinz Rudolf tot aufgefunden wurde, baute man das Schloss zu einem Kloster um. 1941 wurde hier der katholische Priester Friedrich Karas verhaftet. Bild: Sammlung Lars Friedrich / mayerling-archiv.de

Mayerling in Niederösterreich. Nachdem 1889 dort Kronprinz Rudolf tot aufgefunden wurde, baute man das Schloss zu einem Kloster um. 1941 wurde hier der katholische Priester Friedrich Karas verhaftet. Bild: Sammlung Lars Friedrich / mayerling-archiv.de

Mayerling braucht einen Stolperstein! Am 8. Juli hatte ich  hier meine Idee niedergeschrieben, dass im niederösterreichischen Mayerling nicht nur an Kronprinz Rudolf erinnert werden sollte, sondern auch an den dort 1941 verhafteten und hingerichteten Geistlichen Rektor der Karmelkirche, Friedrich Karas. Ob Gunter Demnig den Stolperstein für Karas tatsächlich 2015 verlegen wird, steht noch nicht fest. Fest steht aber: Ab sofort beten die in Mayerling klausurierten Karmel-Schwestern nicht nur für Sisis-Sohn, der dort im Januar 1889 tot aufgefunden wurde, sondern auch für Friedrich Karas!

KURIER-Bericht vom 30. Juli 2014.

KURIER-Bericht vom 30. Juli 2014.

Nachdem mich Professor Georg Markus, „Geschichte mit Pfiff“- Kolumnist der österreichischen Tageszeitung KURIER, am Montag angerufen und mir einige Fragen zu Karas stellte hatte, sprach ich gestern noch einmal selbst mit der Priorin des Karmels, Mutter Maria Regina. Natürlich, so sagte sie mir, werde auch heute in Mayerling nicht nur für Kronprinz Rudolf gebetet, wie es Kaiser Franz Joseph im Stiftungsbrief des Klosters vor 114 Jahren verfügt hatte – seit vielen Jahren werde auch Rudolfs minderjährige Geliebte, Baroness Marie von Vetsera, in die Gebete der Ordensschwestern mit eingeschlossen. Georg Markus berichtet nun in seiner KURIER-Kolumne (leider noch nicht online abrufbar), ab sofort werde in Mayerling täglich auch für das Nazi- Opfer Friedrich Karas gebetet. Was auch stimme, wie mir die ehrwürdige Mutter Oberin bestätigt: „Wir beten ja für alle Menschen!“ Ob Stolperstein- Initiator Gunter Demnig jedoch 2015 auf dem Gelände des Karmels Mayerling einen Gedenkstein verlegen könne, weiß die Ordensschwestern noch nicht. „Vielleicht sind die Menschen überfordert, wenn Sie wegen des Kronprinzen nach Mayerling kommen, dort auf Ordensschwestern treffen und dann noch an das Schicksal des Kaplans erinnert werden“, ist ihre Sorge.

Das Kolumbarium in Mayerling. Bild: Sammlung Lars Friedrich / mayerling-archiv.de

Das Kolumbarium in Mayerling. Bild: Sammlung Lars Friedrich / mayerling-archiv.de

MR Dr. Rudolf Novak, ein namhafter Rudolf Experte aus Wien, sieht in einem Brief am mich die Sache ebenfalls differenziert: „Man muss wohl den Unterschied zwischen den Opfern eines politischen Regimes sehen, und dem tragischen Tod des Kronprinzen, der vor der Ausweglosigkeit seines Lebens stand. Immerhin ist das Karmel aus christlicher Sicht und Glaubensüberzeugung ein Ort der Sühne. Die Stolpersteine sind aber Erinnerungsmale an die Opfer und an ein Unrechtsregime für die Nachlebenden, zumal diese Opfer heimlich getötet wurden und die Mitwelt sich vielfach gar nicht des Umfangs dieser Tötungsaktionen bewusst war, eben weil das nicht in das lebensfrohe Zukunftsbild gepasst hat, welches das Regime vorgegaukelt hat.“ Eine Gedenktafel an den Kaplan Karas hält Novak für angemessen, „aber es sollte nicht im Sinne einer Aktion für das Gedenken an NS-Opfer sein, wie das mit den Stolpersteinen geschieht. Denn dafür steht der Karmel in keiner Weise. Zugleich müsste man dann auch auf das Schicksal der Schwestern und des Karmel in der NS-Zeit hinweisen, was aber vom Gründungsanlass weg führt. Eine solch zeitgeistige Aktion hat nichts mit der Gründungsintention des Karmel zu tun.“

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