Paint it colorful: Farbe fürs Fachwerk tut Hattingen gut

Nicht nur zum Morandini-Stadttor, auch zum Fachwerk der Hattinger Altstadt passt der Rolling Stones-Titel „Paint it black!“ von 1966. Die Aufforderung „Paint it colorful“ hingegen passt zum Motto des diesjährigen Tags des offenen Denkmals: Farbe. Ich finde, Farbe fürs Fachwerk tut auch Hattingen gut! Und Fachwerkhaus-Besitzerin Inge Wutzler aus dem thüringische Schmalkalden beweist seit 2011, dass Fachwerk und Farbe gut zusammen passen.

Buntes Fachwerk in Schmalkalden. Inge Wutzler: "In der Denkmalpflege muss ich auch träumen können, um meine Ziele zu erreichen." Foto: www.wutzler-immobilien.de

Buntes Fachwerk in Schmalkalden. Inge Wutzler: „In der Denkmalpflege muss ich auch träumen können, um meine Ziele zu erreichen.“ Foto: http://www.wutzler-immobilien.de

Das bunte Haus in Schmalkalden. Foto: Wutzler

Das bunte Haus in Schmalkalden. Foto: Wutzler

Früher war die Welt doch etwas bunter, als man es sich heute vorstellt (1) – ein Blick ins Süddeutsche zeigt blaue (Marktheidenfeld), grüne (Runkel an der Lahn) und ochsenblutrote Fachwerkbalken (Rotenburg ob der Tauber), aber auch farbig gestaltete Gefache in Ocker oder grau. Nord- und Westdeutschland kommen farblich eher schlicht daher – wohl aus der Überlieferung des 19. Jahrhunderts heraus, dass in protestantischen Landstrichen eher schwarz-weiß, in katholischen Gegenden jedoch farbenfroh die Fassade geschmückt wurde. Diese unbewiesene These, aber auch zwei Weltkriege und die große Renovierungsphase ab den 1950er Jahren, haben unsere Augen auf schwarz-weiße Fachwerkhäuser getrimmt. Für Hattingen oder Blankenstein nun Farbe ins Spiel zu bringen, die über einige schmückenden Balkenköpfe und Stützen hinausgeht, heißt eine kontroverse Diskussion anzuregen.

Inge Wutzler hat diese Diskussion unbeschadet hinter sich gebracht: Die Kauffrau aus Schmalkalden hat 2011 gemeinsam mit dem Farbspezialisten Brillux mit der Gestaltung ihres Fachwerkhauses aus dem Jahr 1840 beweisen, dass Denkmalschutz und ungewöhnliche Farbgestaltung zu einem harmonischen Ergebnis kommen können. Die Balken am Haus Stiller Gasse 23 sind braun, die Gefache des denkmalgeschützten Eckhauses sind farbig – aber nicht etwa in einem Ton, sondern in einem ganzen Dutzend Nuancen. „Das zwischenzeitlich preisgekrönte Fachwerkhaus zeigt alle möglichen und auch in Schmalkalden wieder findbaren oder nachweisbaren Gefache-Farbigkeiten auf und ist dabei ein eigenständiges Gesamtkunstwerk“, so das Malerblatt in seiner August-Ausgabe 2011.

Schöne Idee von Udo Kreikenbohm – er bringt in seiner Bildmanipulation Farben auf die Fassade des Bügeleisenhauses.

Schöne Idee von Udo Kreikenbohm – er bringt in seiner Bildmanipulation Farben auf die Fassade des Bügeleisenhauses.

Sollte man die Schaffung eines modernen Wahrzeichens für die Hattinger Altstadt oder den historischen Ortskern in Blankenstein anregen? Der diesjährige „Tag des offenen Denkmals“ lädt unter dem Motto „Farbe“ geradezu dazu ein, die Frage zu diskutieren: Warum gestaltet man nicht eine Hausfassade neu? Die Schmuckfassade des Hauses am Haldenplatz 1 ist seit den 1970er Jahren gewohnt bunt (was sie allerdings sicher im 20. Jahrhundert und wohl auch im 19. Jahrhundert nie war). Warum also nicht die Farbvielfalt dieses und anderer Häuser der Altstadt aufgreifen (es müssen ja nicht die poppigen Töne aus dem Mondrian´schen Farbuniversum sein, die der Dortmunder Fotograf Udo Kreikenbohm für eine Bildmontage des Bügeleisenhauses genutzt hat) und loslegen? Ich freue mich auf jede Anregung und offene Diskussion – gerne im persönlichen Gespräch am 14. September bei uns im Museum im Bügeleisenhaus. Inge Wutzler sagt mir: „Mein Lebensmotto ist einfach: Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Kämpfen.“ Derzeit realisiert sie schon wieder ein buntes Fachwerkhaus, „da erhält jedes Fenster eine andere Farbe… Bin mal gespannt.“

Der Heimatverein Hattingen/Ruhr präsentiert als Eigentümer des Bügeleisenhauses und Träger des dortigen Museums am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 14. September 2014, bei zwei offenen Führungen um 15.30 und um 17.00 Uhr den Farbenreichtum des historischen Fachwerkhauses von 1611 – vom Kellersteingrau bis zum Dachschieferrot. Und wer mag, gestaltet im Anschluss sein eigenes farbenfrohes Museumshaus in Bügeleisenhaus-Form aus Papier oder lädt hier vom Museumsblog ein Ausmalblatt herunter – alle Kreationen werden dann im Museum ausgestellt. Parallel hält der Heimatverein für alle Interessierten ein neues Faltblatt bereit, das zu einem 15-Minütigen Rundgang zum Thema „Fachwerk“ durch die Hattinger Altstadt einlädt.

Das "Blaue Haus" von 1593 in Wertheim. Die blaue Fassung des Fachwerks wurde 1999 mit "Smalte" nach Originalbefund wieder hergestellt. "Smalte" ist ein kobalthaltiges Glas, das fein gerieben als Pigment benutzt wurde. Foto: LRF

Das „Blaue Haus“ von 1593 in Wertheim. Die blaue Fassung des Fachwerks wurde 1999 mit „Smalte“ nach Originalbefund wieder hergestellt. „Smalte“ ist ein kobalthaltiges Glas, das fein gerieben als Pigment benutzt wurde. Foto: LRF

(1) Farbe am Fachwerk

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6 Gedanken zu “Paint it colorful: Farbe fürs Fachwerk tut Hattingen gut

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