Archäologiemuseum in Herne zeigt das weiße Gold der Kelten

Für die Steinzeitausstellung 2012 im Museum im Bügeleisenhaus hatte ich das Keltenmuseum auf dem hessischen Glauberg und das Naturhistorische Museum Wien besucht und meine Erinnerung an die Salzburger Landesausstellung „Die Kelten in Mitteleuropa“ 1980 im Keltenmuseum Hallein aufgefrischt. Aber nach der ausgezeichneten Landesausstellung „Die Welt der Kelten“ im Landesmuseum Württemberg 2012/2013 dachte ich, dass es so schnell keine neuen Ausstellungen über die Kelten geben würde. Weit gefehlt: Das LWL- Archäologiemuseum Herne zeigt bis mindestens 25. Januar 2015 die sehenswerte Wanderausstellung „Das weiße Gold der Kelten – Schätze aus dem Salz„.

Tragsack aus Rinderhaut, 13. Jh. v. Chr.  und Kappe aus Hallstatt. Foto: Lars Friedrich

Tragsack aus Rinderhaut, 13. Jh. v. Chr. und Kappe aus Hallstatt. Foto: Lars Friedrich

1577 sowie 1616 und 1734 wurden im Salzkammergut in den Gruben des Hallstätter Salzbergwerkes drei mumifizierte prähistorische Bergmänner gefunden. Die Geschichte vom „Mann im Salz“ faszinierte mich bereits als Kind. Da die drei mumifizierten Kelten statt in die Laboren der Wissenschaft ziemlich schnell auf den Friedhof der heute 327 Einwohner zählenden Gemeinde wanderten, konnte ich mir die Bergleute nur in meiner Fantasie vorstellen. Dank der Ausstellung in Herne, die 250 teilweise erstmals in Deutschland gezeigte Objekte aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien präsentiert (dort werden bis Frühjahr 2015 die Prähistorik-Säle renoviert und die Schauobjekte stehen zur Verfügung), kenne ich nun auch das Toilettenpapier jener Bergleute aus Oberösterreich – die Blätter der Pestwurz. Nach den sensationellen Funden aus dem Gräberfeld von Hallstatt (seit den ersten Ausgrabungen im 19. Jahrhundert sind dort 1.500 Gräber freigelegt worden, Tausende weiterer schlummern noch im Boden) erhielt diese Kulturepoche (8. bis 4. Jh. v. Chr.) übrigens den Namen „Hallstattkultur“.

Rund 200.000 Euro hat das Archäologiemuseum die Wiener Wanderausstellung "Das weiße Gold der Kelten - Schätze aus dem Salz" gekostet. Foto: LRF/HAT

Rund 200.000 Euro hat das Archäologiemuseum die Wiener Wanderausstellung „Das weiße Gold der Kelten – Schätze aus dem Salz“ gekostet. Foto: LRF/HAT

Die hölzerne Treppe, mit der die Bergleute in die Tiefe der Schächte in Hallstatt vordrangen, ist eines der ungewöhnlichsten Ausstellungsstücke in Herne. 2003 in einem Hohlraum in 100 Metern Tiefe entdeckt, musste die Stiege unter großem Zeitdruck geborgen werden, da der Druck der umgebenden Bergmassen die Kammer zu zerstören drohte. Aus technischer Sicht ist die Stiege (ihr Holz wurde Holz zwischen 1344 und 1343 v. Chr. geschlagen) eine Meisterleistung. „Sie lässt sich nach einem Baukastensystem in Einzelteile zerlegen und damit problemlos transportieren“, ist Museumsleiter Dr. Josef Mühlenbrock begeistert, der sich bei seinem Sommerurlaub in der UNESCO-Welterbestätte im Juni untertage den Originalfundort in Österreich angeschaut hatte. In Herne sind Teile der Stiege im Original und die gesamte Treppe als begehbare Rekonstruktion zu sehen.

Noch vor Herne war die Schau aus Wien  im Archäologischen Museum in Alicante (Spanien) zu sehen. Foto: LRF/Hat

Noch vor Herne war die Schau aus Wien im Archäologischen Museum in Alicante (Spanien) zu sehen. Foto: LRF/Hat

Ein winziges Barett, das in einem der sechs begehbaren Themen- „Salzblöcke“ ausgestellt ist, passt einem Säugling im Alter von drei bis sechs Monaten, wurde in über 100 Metern Tiefe gefunden und ist 2.500 bis 2.800 Jahre alt. Weitere ausgestellte Fundstücke aus den Jahrtausende alten Stollen wie abgenutzte Schuhe in Kindergrößen zeigen, dass die Bewohner von Hallstatt bereits in frühester Kindheit mit der harten Arbeit in dem Bergwerk begannen. An 29 der in Hallstatt geborgenen Kinderskelette zeigen sich deutliche Abnutzungsspuren an den Halswirbeln. Das belegt, dass bereits Achtjährige schwere Lasten am Kopf oder mit einem Stirnband tragen mussten. Mehr noch: Ein Kinderzahn aus dem Gräberfeld, der ebenfalls in der Sonderausstellung zu sehen ist, hat einen stark unterwickelten Zahnschmelz. Das deuten die Wissenschaftler als Zeichen für eine schwere Krankheit oder Unterernährung.

Die 7000-jährige Geschichte des Hochtals in den österreichischen Alpen wird nach den neuesten interdisziplinären Forschungsergebnissen dargestellt. Foto: LRF/HAT

Die 7000-jährige Geschichte des Hochtals in den österreichischen Alpen wird nach den neuesten interdisziplinären Forschungsergebnissen dargestellt. Foto: LRF/HAT

Aber auch die Erwachsenen hatten im Berg Schwerstarbeit zu leisten: Eine Studie an 215 Skeletten des Gräberfeldes belegt, dass die Knochen bei jüngeren und älteren Menschen, bei Frau und Mann hochgradig strapaziert waren. So sehr, dass die Knochen an den Muskelansatzstellen verändert und die Gelenke abgenutzt waren. Diese Spuren verraten, dass die Frauen die schweren Transportarbeiten übernahmen, während die Männer mit dem Pickel arbeiteten und den Abbau vorantrieben.

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Sechs begehbare „Salzsplitter“ präsentieren an den Außenwänden Original-Funde und wissenschaftliche Information. Im Inneren erwartet die Besucher ein „Stimmungsraum“. Foto: LRF/HAT

Bei der Ausstellungseröffnung am Freitag, 22. August, mit Gösser-BierAlmdudler und Salzbrezeln, habe ich einen ersten schönen Eindruck von der Wanderausstellung bekommen, die nach der Premiere im MARQ – Archäologischen Museum in Alicante jetzt in Herne den Platz der auf 2016 verschobenen Vietnam-Schau einnimmt. Fest steht für mich: Diese Ausstellung, die zur Themenwelt UNTERTAGE (dies ist DAS Ausstellungsthema 2015 im Museum im Bügeleisenhaus in Hattingen) passt, werde ich abseits des Eröffnungsrummels sicher noch einmal besuchen – Glückauf!

Sonderausstellung „Das weiße Gold der Kelten – Schätze aus dem Salz“ vom 23. August bis 25. Januar 2015 im LWL-Museum für Archäologie in Herne.
LWL-Museum für Archäologie
 Europaplatz 1
 44623 Herne
Telefon 02323 94628-0

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