Stadtbildgestaltung im Dialog zu entwickeln ist der richtige Weg

Bürgermeisterin Goch hofft, dass das Projekt „Weiltor 2014“ viele Bürger anrege, „über die Bedeutung des Stadttor-Projekts für Hattingen nachzudenken“, hält aber im Gespräch mit der WAZ eine öffentliche Diskussionsveranstaltung über das Tor für nicht geboten. Am 11. September wird die Verwaltung der Stadt Hattingen nun den Mitgliedern des Kulturausschusses auf Antrag der F.D.P. über den Planungsstand des Kunststandortes Weiltor berichten und muss gemäß eines Beschlusses vom 4. Februar 2010 (Drucksache 28/2010) das weitere Vorgehen „rechtzeitig vor einer etwaigen Realisierung“ mit den Ausschussmitgliedern beraten.

Das neue Weiltor ist im Ursprungsentwurf von Augusti Roqué sechs Meter hoch und besteht aus zwei gebogenen lackierten Stahlblechen, die auf Scheiben ruhen.

Das neue Weiltor ist im Ursprungsentwurf von Augusti Roqué sechs Meter hoch und besteht aus zwei gebogenen lackierten Stahlblechen, die auf Scheiben ruhen.

Ich gehe am 11. September natürlich zur Ausschusssitzung ins Rathaus, denn nach wie vor plädiere ich dafür, über das fünfte Stadttor auf einer moderierten Veranstaltung öffentlich zu diskutieren und für den Kunststandort zu werben. 2010 hatte die Bürgermeisterin auf einer Städtebautagung in Hattingen auf die Frage „Wie erreichen Sie die Akzeptanz der Eigentümer für die gestalterischen Konzepte der Stadt?“ geantwortet: „Man muss vermitteln, dass das Stadtbild ein gemeinsames Projekt ist. Das kann die Stadtverwaltung alleine nicht erreichen. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen: in Quartiersgesprächen, im Stadtmarketingbereich, in Eigentümergesprächen. Und deshalb ist die Richtung, Gestaltung im Dialog zu entwickeln, genau der richtige Weg.“ Das sehe ich auch so und hoffe auf diesen Dialog mit den Bürgern, um Begeisterung und Akzeptanz für das Kunstwerk von Augusti Roqué zu schaffen! Im Vorfeld der Sitzung habe ich zusammengeschrieben, was in den vergangenen 15 Jahren in Sachen „Moderne Kunst an den 5 historischen Stadttoren“ alles geschehen ist.

Mai 2015: Walter Ollenik als damaliger Fachbereichsleiter Kultur und Künstler Urs Dickerhof am Holschentor. Foto: Lars Friedrich

Mai 2010: Walter Ollenik als damaliger Fachbereichsleiter Kultur und Künstler Urs Dickerhof am Holschentor. Foto: Lars Friedrich

Der Befestigungsvertrag von 1396 ermöglichte den Bau der ersten Hattinger Stadtbefestigung, einem Flechtzaun zwischen Eichenpfosten, einem Stadtgraben und einem Wall aus ausgehobenem Material. Erst zwischen 1586 und 1590 wurde die Stadtbefestigung in Bruchstein mit einer inneren Mauer und einer Außenmauer erneuert. Sieben Stadttürme krönten damals die Mauer zwischen den fünf Stadttoren, die die Wege aus den umliegenden Bauernschaften und die Eingänge der Fernhandelsstraße sicherten.

“Io bacio la mia arte – Ich küsse meine Kunst.” In Anwesenheit des italienischen Künstlers Marcello Morandini übergab Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch am 7.  Dezember 2010 das Zebra-Tor am Busbahnhof offiziell den Hattinger Bürgern. Foto: Archiv HATTINGEN EINS/Hesper

“Io bacio la mia arte – Ich küsse meine Kunst.” In Anwesenheit des italienischen Künstlers Marcello Morandini übergab Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch am 7. Dezember 2010 das Zebra-Tor am Busbahnhof offiziell den Hattinger Bürgern. Foto: Archiv HATTINGEN EINS/Hesper

Als um 1820 Hattingen über seine mittelalterlichen Grenzen hinauswuchs, wurde dieses steinerne Bollwerk weitgehend abgetragen. Im mittelalterlichen Stadtgrundriss sind die fünf Stadttorstandorte jedoch bis heute als Eingänge in die Altstadt erkennbar: das Bruchtor, das Weiltor, das Heggertor, das Holschentor und das Steinhagentor. Ende der 1990er Jahre entstand die Vision, alle Stadttore durch moderne Kunst neu zu definieren.

Die Stiftung für Kunst, Kultur und Denkmalpflege der Sparkasse Hattingen hatte daher im Jahre 1999 in Abstimmung mit dem damaligen Direktor des Museums Bochum, Dr. Peter Spielmann, und dem Hattinger Künstler Bernhard Matthes europaweit einen Wettbewerb ausgeschrieben, die historischen Stadttore mit Kunstwerken neu zu markieren.

Ausgewählt wurde als Pilotstandort das Steinhagentor. In einer Ausstellung der Sparkassenstiftung wurden die Entwürfe präsentiert und öffentlich diskutiert:

Stadttor Voré, Ettlingen

La Porta Aperta, Marcello Morandini, Varese, Italien
Kosten der späteren Umsetzung: 150.000 Euro

Engel ante portas, Urs Dickerhof, Biel, Schweiz
Kosten der späteren Umsetzung: 60.000 Euro

Tor Agusti Roqué, Barcelona, Spanien.

Die Wahl für das Steinhagentor fiel auf den Entwurf von Voré (eigentlich Erhard Volker). Allerdings wurde festgehalten, dass die Entwürfe gleichwertig waren und für die anderen Stadttore in Frage kommen. Am 12. April 2000 wurde das Gesamtprojekt dem Kulturausschuss vorgestellt und stieß auch dort auf einhellige Zustimmung. Noch im gleichen Jahr wurde das Steinhagentor, finanziert durch die Sparkassenstiftung und den Sponsor HWG, beauftragt. Das Kunstwerk aus ibbenbürener Sandstein wurde in der Werkstatt von Voré und das Stahlelement in den Hattinger Metalllehrwerkstätten hergestellt und am 26. Mai 2003 der Öffentlichkeit übergeben.

Stadttor-Streiter Burghard Thimm im Rathaus. Das Shirt gibt es unter http://basta.spreadshirt.de/ zu kaufen. Foto: Martin Rösner

Stadttor-Streiter Burghard Thimm im Rathaus. Das Shirt gibt es unter http://basta.spreadshirt.de/ zu kaufen. Foto: Martin Rösner

Am 11. Juni 2008 teilte die Verwaltung dem Kulturausschuss mit, dass die Arbeit „La porta aperta“ von Morandini als eines der Hattinger Projekte für den Landeswettbewerb „StandortInnenstadt.NRW“ eingereicht wurde. Durch den Wettbewerb, den Kulturhauptstadt 2010-Etat und Sponsorengelder (u.a. 15.000 Euro vom Verkehrsverein Hattingen) wurde es 2010 dann möglich, das eigentlich für den Reschop Carré-Platz vorgesehene Tor von Morandini neben dem Busbahnhof zu realisieren. Parallel dazu hatte die Stiftung der Sparkasse Hattingen das Projekt am Holschentor von Urs Dickerhof finanziert. Das Heggertor war bereits 1995 mit dem „Wächter“, der 1993 vor dem Alten Rathaus aufgestellt wurde, durch die Sparkasse Hattingen realisiert worden.

Ich vergaß bislang die Kosten aufzuführen, die unsere Stadt jedes Jahr mit den Kunsttoren hat:

Die Reinigung des Wächters von 1995 (Eigentum der Stadt Hattingen) kostet alle 3 Jahre 750 Euro und 250 Euro jährlich Beleuchtungskosten.
Das Voré-Tor von 2003 (Eigentum Sparkassen-Stiftung) wird alle 4 Jahre für 1.600 Euro gereinigt und hat jährlich 400 Euro Lichtkosten.
Das Morandini-Tor von 2010 (Eigentum Stadt Hattingen) wird alle 2 Jahre für 800 Euro gereinigt und braucht ebenfalls Strom für 400 Euro pro Jahr.
Das Dickerhof-Tor von 2010 (Eigentum Sparkassen-Stiftung) wird alle 3 Jahre für 600 Euro gereinigt und kostet 300 Euro Lichtgeld im Jahr.

Alle Reinigungen werden nur bei Bedarf durchgeführt.

Übrigens: Das #Basta-Stattor-Shirt, das Burghard Thimm in der letzten Ratssitzung trug, gibt es unter http://basta.spreadshirt.de/ zu kaufen.

 

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