Im Berg zu Besuch: Ein Beitrag zur Blogparade #UNTERHAT

Im Vorgriff auf die nächste Sonderausstellung im Museum im Bügeleisenhaus im kommenden Jahr lädt der Heimatverein Hattingen zu einer Blogparade ein: 2015 dreht sich in dem Hattinger Museum alles um das Themas HATTINGEN UNTERTAGE. Mein Beitrag zur Blogparade #UNTERHAT trägt den Titel „Im Berg zu Besuch“.

Der Eingang zum Pfunderer Bergwerksstollen bei Villanders in Südtirol. Foto: Lars Friedrich

Der Eingang zum Pfunderer Bergwerksstollen bei Villanders in Südtirol. Foto: Lars Friedrich

Ich war im Berg zu Besuch – aber nicht in Hattingen, sondern in Südtirol. Im letzten Urlaub habe ich mir zwei Bergwerke angeschaut, die mich sehr beeindruckt haben: den Pfunderer Bergwerksstollen bei Villanders und die BergbauWelt Ridnaun Schneeberg. Was die beiden unterirdischen Locations vom Bergbau meiner Heimatregion NRW unterscheidet: die Knappen suchten in den Bergen nicht nach Kohle, sondern nach Erzen. Das war zwar nicht weniger ungesund und knochenbelastend als das Schürfen von Kohle, aber die unterirdischen Felsengänge mussten nicht abgestützt werden und schlagende Wetter drohten auch nicht.

Die BergbauWelt Ridnaun Schneeberg verfügt über die komplett erhaltene Produktionskette eines Bergwerks. Die Anlagen zum Abbau, Transport und zur Aufbereitung erstrecken sich vom Bereich auf etwa 1400 m bis auf 2700 m Höhe. Foto: Lars Friedrich

Die BergbauWelt Ridnaun Schneeberg verfügt über die komplett erhaltene Produktionskette eines Bergwerks. Die Anlagen zum Abbau, Transport und zur Aufbereitung erstrecken sich vom Bereich auf etwa 1400 m bis auf 2700 m Höhe. Foto: Lars Friedrich

Der erste Besuch unter Tage führte mich zunächst einmal auf einen Berg: Das Erzlager des Südtiroler Schneeberges zieht sich in einer Meereshöhe von 2.000 bis 2.500 Meter durch den Bergkamm, der das Ridnauntal vom Passeiertal trennt. Ganz so hoch war ich aber dann doch nicht, denn meine Visite galt der Erzaufbereitung auf 1.400 Metern in Ridnaun. Von dort fuhren die Knappen ab den 1960er Jahren mit einer Schwebebahn bis auf Höhe 2.000 und anschließend mit der Grubenbahn durch den Poschhausstollen zum Erzlager. Und hier wurde das gebrochene Gestein auch aufbereitet – ab 1925 wurden Silber, Blei und Zinkblende teilweise mit hochgiftigen Stoffen vom tauben Gestein getrennt. Die giftige Chemie für diesen Flotationsprozess (Phenole, Cyanide, Salze und Öle) wurden einfach in den Wildbach entsorgt…

Erzgebirge trifft Erzbergbau in Südtirol: das kleine Bergbaumuseum im Ridnauntal. Foto: Lars Friedrich

Erzgebirge trifft Erzbergbau in Südtirol: das kleine Bergbaumuseum im Ridnauntal. Foto: Lars Friedrich

Das Bergwerk gehörte zu einem der längst fördernden und höchstgelegenen Bergwerke im Alpenraum. Die allgemeine europäische Bergbaukrise erfasste jedoch auch den Schneeberg und die Schließung des Bergwerkes erfolgte im Mai 1985. Rund 800 Jahre Bergbau gingen damit zu Ende. Ein schönes kleines Museum und ein Besucherstollen lassen das Geheimnis des Schneebergs an einem Vormittag erfahren – wer mehr Zeit hat, bucht eine Fahrt bis zum Abbaugebiet und kann dann dort bis zu 10 Stunden unterwegs sein – auf und im Berg…

Die zweite Untertage-Location, die ich besucht habe, war der Pfunderer Bergwerksstollen auf 1.200 Metern bei Villanders, einem kleinen Ort im Eisacktal oberhalb von Klausen. Das Pfunderer Bergwerk bei Villanders war im Mittelalter eines der bedeutendsten Bergabbaugebiete Tirols. Nach seiner Stilllegung Anfang des 20. Jahrhunderts geriet es in Vergessenheit. Erst durch die Arbeit des Kultur- und Museumsvereines Villanders wurde das Bergwerk in den letzten Jahren renoviert und kann nun auch von der Öffentlichkeit besichtigt werden.

Hinweis auf das Silberbergwerk bei Villanders. Foto: Lars Friedrich

Hinweis auf das Silberbergwerk bei Villanders. Foto: Lars Friedrich

Das gesamte Stollensystem besitzt eine Länge von ungefähr 20 Kilometer Hauptstollen, die zwischen April und November gut behelmt besichtigt werden können. Besonders beeindruckt hat mich ein ca. 12 Meter langer Abschnitt im Elisabethstollen, in dem wir durch bis zu 30 Zentimeter lange Schimmelvorhänge gehen mussten – so etwas habe ich noch nie im meinem Leben gesehen (und gerochen). Der Bergwerksstollen von Villanders, in dem einst silberhältige Erze abgebaut wurden, ist von einem kleinen Parkplatz aus zu Fuß zu erreichen und – ebenso wie das Schaubergwerk im Ridnauntal – für Familien mit Kindern besonders geeignet, wenn niemand Platzangst hat.

Beeindruckend: ein unterirdischer Schimmel-Tunnel. Foto: Lars Friedrich

Beeindruckend: ein unterirdischer Schimmel-Tunnel. Foto: Lars Friedrich

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