Hattingens geheime Hingucker: Auf der Suche nach den Unorten

Die Hattinger Sehenswürdigkeiten sind allgemein bekannt: da wären die Altstadt, die Henrichshütte oder die Isenburg. Ich bin derzeit für ein eBook-Projekt auf der Suche nach Hattinger Unorten – also jenen Stellen in der Stadt, die auf den ersten Blick keine Touristenattraktion sind, die aber dennoch Spannendes zu erzählen haben. Drei geheime Hattinger Hingucker für Fortgeschrittene habe ich bereits gefunden. Wer kennt noch mehr?

Die Stadtverwaltung 2008 zum Hitler-Zitat: "Da es mit schwarzer Farbe überstrichen ist, wird es den Gästen der Stadt nicht auffallen." Foto: LRF/HAT

Die Stadtverwaltung 2008 zum Hitler-Zitat: „Da es mit schwarzer Farbe überstrichen ist, wird es den Gästen der Stadt nicht auffallen.“ Foto: LRF/HAT

Un-Ort Nr. 1: Obermarkt 13, ein Fachwerkhaus unter Denkmalschutz. Hier prangt seit einem Umbau im Jahre 1939 auf dem seither teilweise hervorstehenden Schwellenbalken, dem so genannten Oberrähm, ein Zitat von Adolf Hitler aus „Mein Kampf“, 1. Band, Kapitel 11: Volk und Rasse, Seite 317: „Wer leben will, der kämpfe also, und wer nicht streiten will in dieser Welt des ewigen Ringens, verdient das Leben nicht.“ Bis heute ist das schwarz gestrichene NS-Zitat, das viele Hattinger noch in seiner farbigen Ur-Fassung kennen, am einstigen „Kaufhaus Wegen“ gut zu erkennen.

Das Haus mit dem Zitat, das im Zusammenhang mit der späteren „Lebensraum im Osten“- Politik der Nationalsozialisten zu sehen ist, wurde Ende der 30-er Jahre des 20. Jahrhunderts von jenem Architekten umgebaut, der auch den Hattinger Hochbunker am Reschop plante: Georg Knaup. Damals wurde für eine bessere Verkehrsführung die östliche Hausecke zurück gesetzt und u. a. das Hitler-Zitat in farbigen Buchstaben in den Balken eingefügt. Eine Tafel, die den Balkenspruch erläutert, fehlt bis heute…

Un-Ort 2: Rathausplatz 1, das am 10. Dezember 1910 eingeweihte Hattinger Rathaus. Hier finden wir den Fassadenhinweis auf den Ratskeller – ein Restaurant, das es leider schon lange nicht mehr gibt. Der Ratskeller und sein beliebter Biergarten an der Ostseite des Rathauses wurde bis zum Beginn der 1960- er Jahre betrieben. Nachdem jedoch der Vorkriegs-Pächter in den 50- er Jahren nicht mehr zur Verfügung stand, gaben sich die Wirte fast im jährlichen Rhythmus die Klinke in die Hand.

Abgang zum Unort 2: der Ratskeller. Foto: LRF/HAT

Abgang zum Unort 2: der Ratskeller. Foto: LRF/HAT

Hermann Reiser, ehemaliger Fachbereichsleiter für Ratsangelegenheiten, Wahlen und Logistik der Stadt Hattingen, erinnerte sich auf Nachfrage: „Im Dezember 1962 stimmte der Hauptausschuß zu, dass der damals bereits geschlossene Ratskeller für Verwaltungszwecke genutzt werden könne.“ Lediglich das so genannte „Weinzimmer“ sollte als Sitzungsraum weiter zugänglich sein. Zunächst zog das Steueramt in die Kellergewölbe am Rathausplatz ein, Ende der 1960- er Jahre folgte Jugendpfleger Klaus Sager. Nach der kommunalen Neuordnung zu Beginn der 1970- er Jahre wurden die Ratskeller-Räume dann für die Hausdruckerei der Hattinger Stadtverwaltung umgestaltet, die auch heute noch hier zu finden ist.

Un-Ort 3: Eine unbebaute Fläche an der Alten Bismarckstraße – von 1819 bis 1905 der jüdische Friedhof unserer Stadt. In der städtischen Mutterrolle von 1818 sind „Die Juden“ als Eigentümer eines Gartens an der „Nockenstraße“ – heute Alte Bismarckstraße – verzeichnet. Dieser Garten diente spätestens ab 1819 als erster Friedhof der Gemeinde, bis 1907 die Straße verbreitert wurde. Die in die Straße hineinragenden zwei Gräberreihen mussten dafür mit Billigung der Synagogengemeinde auf den neuen Friedhof an der Blankensteiner Straße/Am Vickenbrinck verlegt werden. Die 62 Grabsteine dieses Friedhofs stammen aus der Zeit von 1894 bis 1940, 1981 fand die letzte jüdische Bestattung in Hattingen statt.

Der erste jüdische Friedhof Hattingens. Foto: LRF/HAT

Der erste jüdische Friedhof Hattingens. Foto: LRF/HAT

Weitere Vorschläge für Un-Orte in Hattingen gerne per Mail an friedrichlars@gmail.com

Übrigens – auch Franfurtt/Main hat tolle Unorte.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Hattingens geheime Hingucker: Auf der Suche nach den Unorten

  1. Die Inschrift habe ich auch schon einmal gesehen. Mir fiel auf, dass sie ja gar nicht farbig gefasst ist und beim Lesen des Textes wurde mir das auch klar warum. Aber es ist richtig, hier gehört eigentliche eine erklärende Tafel hin.
    Das mit dem jüdischen Friedhof ist interessant, normalerweise werden jüdische Gräber ja nicht verlegt, diese Genehmigung ist ungewöhnlich.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s