FlicFlac für die Familie: Weniger schräg und nur mäßig aufregend

Bürounterhaltung am 19. Dezember
Ich: „Gestern waren wir im Circus!“
Arbeitskollegin: „So mit Tieren?“
Ich: „Nein, bei FlicFlac“ ‚
Arbeitskollege: „Ach, die mit der Todeskugel?“

Die Astronauts in der Zelt-Galaxie. Foto: Lars Friedrich

Die Astronauts in der Zelt-Galaxie. Foto: Lars Friedrich

Natürlich ist der „Globe of Speed“ seit gut zehn Jahren das Markenzeichen des Circus FlicFlac. Inzwischen düsen bis zu zehn Piloten auf ihren 125ccm Maschinen mit rund 60 km/h durch die sechs Meter durchmessende Eisenkugel, drehen ihre Runden und rasante Loopings. Wäre das aber wirklich eine Todeskugel, würden José Pinillo (37), Chef der Truppe Pinillomotos, und seine 9 Mitstreiter kommenden Montag nicht ihre Öfen anwerfen, um live und vor Publikum ins Guinness Buch der Weltrekorde zu düsen. Aber der 4. Weihnachtszirkus im Revier auf dem Parkplatz E der Dortmunder Westfalenhallen ist in diesem Jahr unter der Abendregie von Thomas Merz auch mehr als „Rammstein“ und Motorcross: „Das ist unser Festtagsprogramm“, scherzt Geschäftsführer Thomas Schütte. War das FlicFlac-Motto bislang immer „höher, schneller, riskanter“, so kommt der Circus in Dortmund zum Weihnachtsfest fast schon als Zirkus für die ganze Familie daher – weniger schräg und nur mäßig aufregend, was mir bei der Premiere am 18. Dezember sehr gut gefallen hat.

Ruhrpott-Comedian Markus Krebs (Mitte) singt mit Stephanie Crutchfield und Teloy. Foto: Lars Friedrich

Ruhrpott-Comedian Markus Krebs (Mitte) singt mit Stephanie Crutchfield und Teloy. Foto: Lars Friedrich

Mit Dominic Lacasse, der menschlichen Flagge, oder Katya mit knisternder Luftakrobatik geht es meiner Meinung nach zwar zu ähnlich im Lufttraum unter der bis zu 18 Meter hohen Kuppel des 1.500 Personen-Zeltes zu, aber zumindest ist Staunen garantiert. Wie auch bei den Astronauts, die das Todesrad kapern. JustinCase bleibt da doch bescheidener: der australische Irrwisch kommt mit dem wohl kleinsten Radl der Welt daher und macht selbst vor einem brennenden Reifen keinen Halt. Rund geht’s auch bei Scating Nistorov – die Meister der Beschleunigung bringen auf Rollschuhen und hohen Schleudertouren sehr viel frischen Wind auf die Bühne. Das gilt auch für die Balagans, die noch einen Schleudergang drauflegen und sich meterhoch in die Luft katapultieren – so eine gut abgestimmte, kurzweilige Nummer am Schleuderbrett habe ich noch nie gesehen. Zu den Highlights des zweistündigen Programms mit 20-minütiger Pause rechne ich auch Handstand-Legende Anatoly Zalewsky. Der Ausnahme-Athlet aus Kiew bekam für seinen Tanz auf Händen bereits den Goldenen Clown des Internationalen Circusfestivals von Monte Carlo.

Die FlicFlac-Chefs Benno Kastein und Thomas Schütte geben Dortmund die Kugel. Foto: Lars Friedrich

Die FlicFlac-Chefs Benno Kastein und Thomas Schütte geben Dortmund die Kugel. Foto: Lars Friedrich

Mit den Blue Dragons aus Taiwan startet das Programm verhältnismäßig beschaulich, doch die Diabolo-Jongleure beweisen schon sehr schnell, dass sie zu Viert perfekt und punktgenau jonglieren können. Ob allerdings, wie Meike Schütte im Pressetext schreibt, Julia Rasshivkina eine Augenweide und eine Hulla Hoop-Legende ist, mag ich nicht beurteilen – da sah ich schön Schöneres. Diesen Sack gut choreografierter, bestens beleuchteter und musikalisch gut untermalter Nummern hütet Komiker Markus Krebs – mal derb, mal herzlich, aber nur selten unter der Gürtellinie, was ich sehr schätze. Nicht ohne Grund siegte der „Hocker Rocker“ beim Comedy Grand Prix 2011 und ist derzeit mit seinem aktuellen Programm in vielen Sälen und auf etlichen Kanälen ein gefragter Garant für gute Laune.

Gute Laune bekommt man übrigens auch im riesigen schwarz-gelben Vorzelt: Weder die Wurst (meine Empfehlung: Brat- statt Currywurst nehmen), noch Popcorn oder Mandeln sind überteuert, die mobilen sanitären Anlagen haben fast Restaurant-Standard und auch wenn Thomas Schütte mit dem Parkplatz hinter den Westfalenhallen (als ehemaliger Roncalli-Geschäftsführer stand er mit Bernhard Pauls kleinerem Zelt direkt vor der Westfalenhalle und damit neben der B1) nicht ganz so zufrieden ist: die Erreichbarkeit mit Bahn und Auto ist hier allemal besser als als an der lauten Bundesstraße.

Noch bis 4. Januar 2015 gastiert dieser Circus FlicFlac in Dortmund (ja, dieser, aber vier weitere FlicFlacs gastieren zeitgleich noch in Kassel, Bielefeld, Aachen und Nürnberg) – Karten kosten zwischen 19 und 49 Euro. Die Tickets gibt es im Ruhr Nachrichten Service Center, Silberstraße 21, in allen bekannten Vorverkaufsstellen und telefonisch unter (01806) 999 000 204 (0,20 EUR/Verbindung aus dt. Festnetz/max. 0,60 EUR/Verbindung aus dt. Mobilfunknetz) oder online.

  Und hier noch ein kurzes Video:

Advertisements

2 Gedanken zu “FlicFlac für die Familie: Weniger schräg und nur mäßig aufregend

  1. Ich habe erwartet, einen Artikel über Roncalli vorzufinden, weil Bernhard Paul indiziert ist. Seit Jahren warte ich darauf, daß B.P. in Wien wieder einmal selbst als Clown auftritt, Einige Jahre vergebens dort, dann extra nachgefragt – ohne Erfolg, obwohl er in Interviews immer betont, daß das seine eigentliche Profession ist. Daher seit 2 Jahren keine Karten mehr gekauft.
    Übrigens: weil oben die sanitären Anlagen erwähnt werden: bei Roncalli wünscht man dem Benutzer dabei „Viel Vergnügen“!

    Gefällt 1 Person

    • BP ist genannt, da sein GF FlicFlac auf die Reise schickt. Aber in der Tat: Bernhards Auftritte werden seltener, sind meist nur noch bei der Premiere real – und auch nur in der blauen Unit, die u.a. in diesem im September und Oktober wieder nach Wien kommt.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s