Natur statt Beton: Grundschule soll im grünen Dorfkern bleiben

Unter den Kindergarten- und Grundschuleltern in Holthausen geht derzeit die Sorge um den Grundschulstandort „Am Hagen“ um: Bereits seit Monaten hält sich in dem Hattinger Stadtteil (5.878 Einwohner) das Gerücht, dass die am 16. August 1971 eingeweihte städtische Grundschule umziehen müsse – vom grünen Standort mitten im Dorf raus ins Schulzentrum. Dort werden zum 31. Juli 2016 die Räume der Marie-Curie-Realschule freigezogen.

Protestplakate der Elterninitiative zum Erhalt der Grundschule Holthausen am derzeitigen Standort finden sich in ganz Holthausen. Foto: Lars Friedrich

Protestplakate der Elterninitiative zum Erhalt der Grundschule Holthausen am derzeitigen Standort finden sich in ganz Holthausen. Foto: Lars Friedrich

Doch viele Eltern aus Holthausen wollen die Naturoase unterhalb der Helios-Klinik nicht gegen den im August 1978 eingeweihten Betonklotz an der Lindstockstraße tauschen – obwohl die Grundschule derzeit laut Medienberichten mit maroden Klettergerüsten, ruiniertem Schulhof-Asphalt, veralteten Klassenräumen und unzureichenden Betreuungsräumen auch nicht gut darsteht. Dem Vernehmen nach soll die GGS Holthausen daher auch auf einer Liste möglicher Schließ-Schulen stehen, die gerade in den Fraktionen herumgereicht wird. Eine Elterninitiative fordert deshalb: „Unsere Grundschule im Grünen soll bleiben!“ Julia Hartbecke, Daniela Kaminski und Claudia Gräbener von der Schulpflegschaft der GGS Holthausen: „Letzte Woche haben wir uns mit den Elternvertretern der Grundschule und der Kindergärten getroffen, um konkrete Maßnahmen gegen den möglichen Umzug unserer Grundschule ins Schulzentrum zu planen. Lasst uns lieber jetzt eine Stunde Zeit für unsere Kinder nehmen, als zukünftig zum Schulzentrum zu laufen.“

Prüft: Dezernentin Beate Schiffer. Bild: Archiv

Prüft: Dezernentin Beate Schiffer. Bild: Archiv

Ich habe Beate Schiffer, die als Dezernentin im Verwaltungsvorstand auch die Schulentwicklung verantwortet, auf die Sorgen der Eltern angesprochen. Die Politikerin bestätigte mir, dass sich die Stadt Hattingen zur Zeit in einem integrierten Planungsprozess befindet, der alle Kindertageseinrichtungen und Schulen in Hattingen in den Blick nimmt. Schiffer: „Eine umfassende Planung ist für die Stadt Hattingen wichtig, um zukunftsfähige Erziehungs- und Bildungsstandorte zu gestalten.“ Konkret bedeute dies, dass „der gesellschaftliche Wandel, einhergehend mit demografischen Entwicklungen und veränderten familiären Anforderungen in öffentlichen Kindertageseinrichtungen und Schulen, die umfassende und grundsätzliche Prüfung aller Standorte einfordert.“

Bald Grundschulstandort? Das Schulzentrum Holthausen. Foto: LRF

Bald Grundschulstandort? Das Schulzentrum Holthausen. Foto: LRF

Natürlich wollte ich auch wissen, ob und wann ein Umzug ansteht. Beate Schiffer: „Der Prüfungsprozess dauert noch etwas an. Sobald Ergebnisse vorliegen, wird hierüber in öffentlichen Ratsgremien informiert.“ Dem will die Holthauser Grundschuleltern-Initiative vorgreifen und schon in der nächsten Schulausschusssitzung am Mittwoch, 6. Mai, im großen Sitzungssaal des Hattinger Rathauses (Beginn: 17 Uhr) in einer Bürgeranfrage ihrer Sorge Gehör verschaffen. Die Elternvertreterinnen: „Wir wollen dort unseren Unmut ausdrücken, ein Zeichen setzen, für unsere Kinder kämpfen, einen geschützten Raum für unsere Kinder einfordern und den Standort in der Mitte Holthausens sichern.“ Beate Schiffer gibt sich Gesprächsbereit, zumal der Verwaltungsvorstand kommenden Montag – so mutmaßen die Holthauser Elternvertreter – auch über die Schul-Thematik sprechen könnte. Doch die Dezernentin hält auf meine Nachfrage fest: „Die Plakataushänger haben bisher keinen Kontakt zu den Fachabteilungen der Verwaltung gesucht.“

Nachtrag vom 6. Mai 2015: Und dies ist der Text der Bürgeranfrage, die von den besorgten Eltern am heutigen Mittwoch im Schulausschuss der Stadt Hattingen gestellt wurde:

„Der Schulentwicklungsplan beschäftigt so manche diese Tage. So saßen Vertreter Ihres Ausschusses vor 2 Tagen in einer nicht öffentlichen Sitzung und haben hierüber beraten, vielleicht sogar eine Empfehlung für Ihr Gremium und den Rat formuliert.

Wir wissen, dass die Stadt aufgrund sinkender Kinderzahlen die Hattinger Schullandschaft daran anpassen möchte oder finanziell sogar muss. Wir wissen auch, dass eventuelle Maßnahmen immer die Kinder und deren Eltern treffen werden. Verlierer wird es somit auf jeden Fall geben und sowohl die Schulverwaltung, Schulausschuss als auch der Rat werden sich mit den Reaktionen der Eltern auseinandersetzen müssen.

Wir glauben auch, dass Frau Schiffer und Ihr Team im Rahmen der Schulentwicklungsplanung hierbei eine sehr schwierige Aufgaben zu bewältigen haben. Bisher hat es in Holthausen immer konstruktive Lösungen gegeben, was die Belange der Schule, Betreuung und Kinder und Eltern betraf.

Jetzt haben wir Eltern seitens der Verwaltung aber auch von verschiedenen Politikern gehört, dass aufgrund einer Option des Schulentwicklungsplanes unsere OGS Holthausen in das Schulzentrum (leerstehende Realschule) wechseln soll. Damit wäre angeblich die Raumproblematik unserer Schule gelöst.

Ferner halten sich Spekulationen, das jetzige Areal der OGS in der Mitte von Holthausen gewinnbringend veräußert werden soll.

Groß ist das Schulzentrum in der Tat, da es in den 70er Jahren für 2000 Jugendliche geplant war. Jedoch nicht für Grundschüler im Alter von 5 bis 10 Jahren.

Unsere Grundschüler sind in der Mehrzahl Betreuungskinder, die dort bis zu 10 Stunden täglich, 5 Tage in der Woche ihre Kindheit und Schulzeit verbringen. Wir haben seit Jahren über 100 dieser Ganztagskinder, die bisher eine geborgene, beschützte und naturreiche Umgebung genießen/vorgefunden haben – ohne Beton!

Die Gegebenheiten des Schulzentrums entsprechen nun wirklich nicht dem Entwicklungsstand von Grundschülern. Dafür wurde das Schulzentrum schließlich auch nicht konzipiert.

Julia Hartbecke, Daniela Kaminski

Hattingen, 6. Mai 2015

Bürgeranfrage

Sehr geehrte Mitglieder des Ausschusses,

wir sind gegen einen Umzug der OGS Holthausen in das Schulzentrum, denn wir wollen:

  • eine kindgerechte Schulzeit für unsere Grundschulkinder, welche auf dem Schulzentrum nicht möglich ist
  • einen geschützten Raum in dem sie leben, lernen und spielen können
  • eine Grundschule ohne große Zäune oder Mauern
  • das kleine Kinder zu kleinen Kindern gehören und nicht zu Jugendlichen!
  • dass die Belange der Kinder über denen der Finanzpolitik stehen sollen!

Gegen einen solchen Umzug setzen wir uns vehement ein und werden alles in unserer Macht stehende tun, um den Standort am Hagen für unsere Kleinen zu sichern unter dem Motto NATUR PUR GEGEN BETON.

Unsere Bürgeranfrage lautet daher:

  1. Ist der Umzug der Offene Ganztags-Grundschule Holthausen in das Schulzentrum tatsächlich geplant?
  2. Sind eventuell andere Maßnahmen in Bezug auf die OGS Holthausen geplant, die einen Umzug oder Schließung der Grundschule abzielen?
  3. Plant die Stadt die Veräußerung des Grundstückes auf dem jetzigen Areal der OGS Holthausen?
  4. Wird der Schulausschuss dieser/n Planung/en (1. bis 3.) zustimmen bzw. als Empfehlung an den Stadtrat weitergeben?“
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