30 Jahre Schüleraustausch mit Ungarn: A jövőben biztosított

IMAG0934

Am Dienstag, 12. Mai, ließen deutsche und ungarische Schüler auf dem Pausenhof des Holthauser Gymnasiums Ballons in Landesfarben steigen. Foto: LRF

1985 rief der Holthauser Gymnasiallehrer Dr. Antal Nadi den ersten internationalen Schüleraustausch einer NRW- Schule mit einem ungarischen Gymnasium ins Leben und ich erinnere mich immer noch gerne an unsere gemeinsame Schülerreise hinter den Eisernen Vorhang. Aktueller Anlass für meinen Rückblick: Zurzeit besuchen 27 ungarische Schülerinnen und Schüler ihre Hattinger Austauschschüler am Gymnasium Holthausen – letzten Freitag waren sie im Movie Park, kommenden Mittwoch sind sie im Landtag und treffen sich in Düsseldorfer mit dem ungarischen Generalkonsul. Unser 14-tägiger Besuch im Jedlik Ányos Gimnázium im Budapester Stadtteil Csepel vor 30 Jahren war aber auch schon damals sehr abwechslungsreich und spannend…

Diese Diashow benötigt JavaScript.

„In Deutschland erstmalig, im Erlebnis einmalig“: Der erste deutsch-ungarische Schüleraustausch 1985.

Die Ideen zum Schüleraustausch wurde 1984 geboren: Damals wollte sich Dr. Nadi die Studienabschluss-Arbeit eines ungarischen Freundes ansehen und erfuhr durch Zufall, dass ein Gymnasium in Budapest eine deutsche Patenschule suchte. Und so reisen seit 1985 jährlich – seit 2007 mit einem Direktflug von Budapest nach Dortmund – Schüler aus Hattingen an die Donau und betreuen im Gegenzug Gäste aus Budapest. Unsere 34 Schüler starke Gruppe fuhr am 7. April 1985 noch mit dem Reisebus nach Budapest, war 22 Stunden unterwegs und wir wohnten zwei Wochen lang in einem leerstehenden Kindergarten auf der Donauinsel Csepel. Warum Csepel? Sowohl dort als auch in Hattingen dominierte damals die Stahlindustrie – schöne Parallelen, die es jedoch schon lange nicht mehr gibt. Mit einem Schmunzeln denke ich an unsere Unterkunft zurück, die ja von den Tischen bis zu den Toiletten auf die Größe von Kindergartenkindern abgestimmt war. Auch an meine Gasteltern erinnere ich mich gerne, auch wenn ich mich mit Händen und Füßen verständigen musste. Am Wochenende konnte ich bei ihnen übernachten und gemeinsam fuhren wir zum Donauknie und in die Puszta – eine Piroschka hatte ich aber trotz aller Bemühungen nicht entdeckt… Leider bracht nach dem Gegenbesuch bei uns in Hattingen der Kontakt zu meinem Austauschschüler András Körösi ab – er zog um und ich verlor seine Adresse.

2010: Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch und Austausch- Initiator Antal Nadi (vorne rechts) mit den Schülerinnen und Schülern des Budapester Gymnasiums. Foto: Lars Friedrich

2010: Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch und Austausch- Initiator Antal Nadi (vorne rechts) mit den Schülerinnen und Schülern des Budapester Gymnasiums. Foto: Lars Friedrich

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Erlebnis gleich am ersten oder zweiten Tag in Budapest: Gegenüber der Schule gab es damals einen kleinen Kiosk, an dem wir 17jährigen in der ersten Schulpause unbedingt einen Kaffee kaufen wollten – wahrscheinlich war die erste Nacht im Kindergarten etwas kürzer. Mit einem Wörterbuch bewaffnet, versuchten wir, das koffeinhalte Heißgetränke zu erwerben, dass uns die geschätzt 80jährige Verkäuferin dann zahnlos lächelnd mit einem „Hier, für euch“ in reinstem Hochdeutsch servierte. Die Freude, in der Ferne die Muttersprache zu hören, war bei uns allen groß. Im August 1985 kamen die Ungarn dann nach Hattingen – gemeinsam besuchten wir Köln und Bonn, das Bergbaumuseum und die Villa Hügel und grillten am Kemnader See, worüber am 26. August sogar die Aktuelle Stunden des WDR-Fernsehens berichtete. Und ins Radio schafften wir es damals auch: Am 16. August waren Dr. Nadi, seine ungarische Kollegin Varga, Austausschüler Szilárd Matrai und ich bei Klaus-Jürgen Haller im WDR-Mittagsmagazin zu Gast.

Die deutsch-ungarischen Austauschschüler 2013. Foto: JAG

Die deutsch-ungarischen Austauschschüler 2013. Foto: JAG

„Unser deutsch-ungarischer Schüleraustausch richtet sich heute an Schüler der Klassen 7 bis 9,“ verrät mir Karlpeter Schmitz, den ich am Freitag telefonisch im MoviePark Bottrop erreichte. Zusammen mit Angelika Pratke, die den Austausch koordiniert, und zwei weiteren Kollegen „bändigte“ er zwischen Freefall-Tower und Avatar Air Glider die 54 Schüler aus Holthausen und Csepel. „In diesem Jahr war das Interesse so groß, dass wir 16 Schüler abweisen mussten.“ Vor fünf Jahren sah das noch anders aus – beim Empfang zum 25. Austausch-Jubiläum mit nur 19 Ungarn bei Bürgermeisterin Dagmar Goch verriet mit Antal Nadi, der seit 2003 im Ruhestand ist: „Deutsch als Fremdsprache ist seit dem Ende des Eisernen Vorhangs in Ungarn nicht mehr so populär wie noch 1985. Mit der Weiterführung des Schüleraustausches hoffen die ungarischen Pädagogen, bei ihren Schülern die Begeisterung für die deutsche Sprache wach zu halten. “ Das scheint im 30. Jahr wieder zu klappen – und am Dienstag lassen die Schüler um 11 Uhr auf dem Pausenhof des Holthauser Gymnasiums schwarze, rote, gelbe, weiße und grüne Luftballons steigen: A jövőben biztosított!

23. November 1984: Direktor Bela Zanati und Lehrer Dr. Bela Magyar bestätigen dem Gymnasium Holthausen die künftige Zusammenarbeit und laden die ersten Hattinger Schüler für April 1985 nach Ungarn ein. Repro: Lars Friedrich

23. November 1984: Direktor Bela Zanati und Lehrer Dr. Bela Magyar bestätigen dem Gymnasium Holthausen die künftige Zusammenarbeit und laden die ersten Hattinger Schüler für April 1985 nach Ungarn ein. Repro: Lars Friedrich

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s