Wiedergefunden: Letzte Briefe der Baroness Marie von Vetsera

Ich freue mich: In Wien wurden jetzt drei Abschiedsbriefe der Baroness Mary Vetsera gefunden, die 1889 im niederösterreichischen Mayerling gemeinsam mit Sisis-Sohn, Kronprinz Rudolf, starb. Aber ich staune auch über den Fund in der Schoellerbank, denn erst im vergangenen Jahr hatte ich nach einem anonymen Hinweis auf das Legat dort nachgefragt. Seinerzeitige Antwort: Von den Vetseras haben wir hier nichts!

Abschiedsbrief von Mary Vetsera an ihre Mutter. Foto: Schoellerbank

Abschiedsbrief von Mary Vetsera an ihre Mutter. Foto: Schoellerbank

Im Safe der Schoellerbank wurde jetzt aber bei einer Archivrevision ein besonderes Verwahrstück entdeckt: Ein 1926 deponierter brauner Ledereinband enthielt eine Reihe von geschichtsträchtigen Dokumenten, die bis dato als vernichtet galten. Besonders bemerkenswert: die Abschiedsbriefe von Mary Vetsera aus Mayerling an die Mutter Helene, die Schwester Hanna und den Bruder Feri, die sich in einem Originalkuvert mit Siegeln des Kronprinzen Rudolf befanden.

Der Wortlaut dieser Abschiedsbriefe war bisher nur zum Teil aus der Denkschrift ihrer Mutter Helene und einem Artikel im „Figaro“ vom 8. Februar 1889 bekannt. Nach meiner Recherche befanden sich die drei Briefe ursprünglich in einem von Kronprinz Rudolf an Helene Vetsera handschriftlich adressierten und gesiegelten Umschlag in Mayerling und wurden von Graf Stockau überbracht; der Kaiser verlangte die Briefe nach einer ersten Durchsicht zurück, gab sie dann jedoch an Helene Vetsera zurück. Bislang wurde angenommen, die Briefe wären auf Wunsch von Helene Vetsera nach ihrem Tode 1925 durch Rudolf Graf van der Straten-Ponthoz Graf (geb. am 28.02.1877, gest. am 15.05.1961) vernichtet worden. Den nun aufgetauchten Originalen kommt daher ein ganz besonderer Stellenwert für die historische Forschung zu.

Der Einband enthält neben diesen drei Abschiedsbriefen eine Reihe von weiteren bedeutenden Dokumenten: den Taufschein von Maria Alexandrine Freiin von Vetsera, genannt Mary Vetsera, den Taufregisterauszug für ihre Schwester Johanna (Hanna) Vetsera, der die Hochzeitsdaten der Eltern enthält, den Totenschein in zweifacher Ausfertigung und einen langen, bislang unbekannten Brief von Hermine Tobis, der Klavierlehrerin Mary Vetseras, an Marys Schwester Hanna.

Diese historisch bemerkenswerten Dokumente rund um Mary Vetsera und ihren mysteriösen Tod kamen nun als Dauerleihgabe an die Österreichische Nationalbibliothek, wo sie derzeit konservatorisch versorgt, katalogisiert und digitalisiert werden. Ab August 2015 stehen sie der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung. In der für 2016 geplanten Ausstellung zum 100. Todestag Kaiser Franz Josephs werden ausgewählte Objekte im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek erstmals öffentlich gezeigt.

Hier die Abschiedsbriefe im Wortlaut:

Liebe Mutter –
Verzeih mir was ich gethan. –
Ich konnte der Liebe nicht wiederstehen. In Übereinstimmung mit Ihm will ich neben Ihm im Friedhof von Alland begraben sein. –
Ich bin glücklicher im Tod als im Leben. Deine
Mary

 

Mein lieber Feri –
Leider konnte ich Dich nicht mehr sehen. Leb wohl, ich werde von der – anderen Welt über Dich wachen weil ich Dich sehr lieb habe. –
Deine treue Schwester
Mary

 

Meine liebe Hanna –
Wenige Stunden vor meinen Tod will ich dir adieu sagen. Wir gehen beide selig in dass ungewisse Jenseits. Denk hie und da an mich Sei glücklich, und heirathe nur aus Liebe. Ich konnte es nicht thun und da ich der Liebe nicht wiederstehen konnte so gehe ich mit Ihm
Deine Mary
P.S. Vergiss nicht den Starl den Ring zu senden, ich lasse ihn grüssen und denke sein in treuer Freundschaft. Der Bratfisch hat uns gestern ideal vorgejodelt, ich habe ihm meine Uhr und Mondstein Ring geschenkt. Die Familie Hulka ist ganz unschuldig, ich habe alles aus freiem Willen und ohne Hilfe gethan. –
Sag dem Eder dass ich nicht singen kann nächsten Samstag. –
Meinen Schmuck vertheile ungefähr so wie du es am besten findest. –
Weine nicht um mich ich gehe fidel hinüber –
Den monsieur D. lass ich grüssen und lasse mich bei den Spatenbräu Rendezvous entschuldigen. – Es ist wunderschön hier draussen man denkt an Schwarzau. Der Philipp Coburg jagt heute hier leider ist die schöne Louise nicht mit. Denk an die Lebenslinie in meiner Hand! Jetzt nochmals leb wohl! Richtig lass die Tobisslin grüssen. Vergiss nicht alle Jahre am 13 Jänner und am Jahrestag eine Gardenia auf mein Grab zu senden und zu oder zu bringen Als letzten Wunsch einer Sterbenden bitte ich die mama für die Familie Hulka auch fernerhin zu sorgen, damit sie nicht durch meine Schuld leiden.
Mary Vetsera

Advertisements

Ein Gedanke zu “Wiedergefunden: Letzte Briefe der Baroness Marie von Vetsera

  1. Pingback: Brieven van Marie von Vetsera opgedoken | ieniemieniehabsburgmuis

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s