Im grünen Wald von Mayerling ein schöner Traum zu Ende ging

Mayerling und kein Ende? Das mag man bei einem Blick in die Neuerscheinungsliste der Verlage in diesem Herbst denken. Auch wenn seit dem mysteriösen Tod des österreichischen Kronprinzen Rudolf von Österreich in dem kleinen Dorf Mayerling im Wienerwald bereits 126 Jahre vergangen sind, ist dieses Nischenthema für Verlage und Autoren noch immer interessant. Allein in den letzten drei Monaten sind drei Bücher herausgekommen, die sich mit der Tragödie von Mayerling befassen. Ich habe mal reingeblättert…

3 Monate - 3 Bücher: Mayerling und der Tod des Kronprinzen Rudolf steht noch immer im Fokus von Autoren und Verlagen. Bild: Lars Friedrich

3 Monate – 3 Bücher: Mayerling und der Tod des Kronprinzen Rudolf steht noch immer im Fokus von Autoren und Verlagen. Bild: Lars Friedrich

Marlene Gabriel stellt in ihrem eBook Die Mayerling-Katastrophe in diesem September die Frage „War es so?“ und blickt – wie unzählige Autorinnen und Autoren vor ihr – auf die unterschiedlichen Versionen, die zur Sterbenacht kolportiert werden. Für sie bleiben nach 543 Grammatik-, Rechtschreib- und Interpunktionsfehler aus 83 Seiten (ja, ich schreibe auch nicht fehlerfrei, doch das ist für fast 10 Euro doch viel zu viel Flüchtigkeit) drei mögliche Todesarten übrig: Selbstmord aus Lebensüberdruss, eine missglückte Abtreibung der Gelebten und die eine nicht näher erläuterte Mordtheorie. Letztlich verirrt sich die Autorin, die wohl aus zehn guten Büchern ein schlechtes elftes zum Thema Mayerling abgeschrieben hat, wie schon Mayerling-Kenner Dr. Bernhard Eibisberger aus Granz zu Recht anmerkt, in Abschreibfehlern, historischen Ungenauigkeiten und verzichtet zudem auf eine fundierte Zusammenstellung von Quellen – da hätte ich auch auf das ganze Buch verzichten können!

In den letzten Jahren habe ich beobachtet, dass Sammelsurien zu einem Thema stark in der Mode sind – natürlich auch beim Thema Habsburg und Mayerling. Und wenn dann noch im Klappentext auf „unheimliche Begegnungen mit Sisi & Co.“ verwiesen werden kann, ist der Buchmarkt schon gerockt. Allerdings: Gabriele Hasmanns Buch Die spukenden Habsburger setzt sich wohlwollend von den „ich sammle mal, was man im Internet zu einem Thema findet und publiziere es“-Werken ab, denn die Autorin erzählt neben den geschichtlichen Hintergründen der Spukorte und ihren Habsburg-Bezug kleine Anekdoten über die aktuellen Spukereignisse. Was ich noch nicht wusste: Auch im Gasthof „Zum Alten Jagdschloss“ in Mayerling spielen sich mehrmals im Monat gruselige Szenen ab – zwischen 21 und 22 Uhr soll hier der Kronprinz poltern… Schöne Anekdoten, nett verpackt und gut zu lesen – allerdings kein reines Mayerling-Buch, denn auf den 205 Seiten kommen noch viele andere, interessante Schicksalsorte des Hauses Habsburg vor.

Letztlich wirklich empfehlen möchte ich das lange erwartete Werk Das Mayerling-Netz von Prof. Dr. Rudolf R. Novak, dem es nach über 125 Jahren tatsächlich gelungen ist, verborgene Zusammenhänge rund um die Causa Mayerling zu entdecken – und fesselnd und fundiert wiederzugeben. Der Badener Historiker, den ich auch privat kenne und sehr schätze, hat in langjähriger akribischer Forschungsarbeit Licht in das Dunkel der zum Teil sehr, sehr verworrenen Beziehungen der ins Drama von Mayerling eingebundenen Personen und Familien gebracht. Überraschend war teilweise auch für mich, wie es zur verhängnisvollen Verkettung von Menschen und Umständen kam, die schließlich in der schrecklichen Tat im Jagdschloss gipfelte, wieso unglaubliche Gerüchte und Vermutungen über Rudolfs Tod von der nahe gelegenen Stadt Baden ihren Ausgang nahmen und wer die Protagonisten dieser „Mayerlingfama“ waren. Viele Fotos, Stammbäume, ein ordentliches Quellenverzeichnis, ein gut gestaltetes Register und natürlich die bestens recherchierten Geschichten zur Geschichte werden aus diesem Buch, das fast 50 Jahre nach „Mayerling ohne Mythos“ von Prof. Fritz Judtmann erschienen ist, ein neues Standardwerk der Mayerling-Forschung machen.

Marlene Gabriel
Die Mayerling-Katastrophe: So war es – war es so?
Kindle Edition: 9,99 Euro
Verlag: neobooks Self-Publishing
ASIN: B00SWQ44F6
Meine Wertung: *

Gabriele Hasmann
Die spukenden Habsburger – Blaublütigen Geistern auf der Spur
Gebundene Ausgabe: 19,99 Euro
Kindle Edition: 16,99
Verlag: Ueberreuter
ISBN-13: 978-3800076284
Meine Wertung: ***

Rudolf Novak
Das Mayerling-Netz: Verborgene Zusammenhänge entdeckt
Broschiert: 19,90
Verlag: Berger & Söhne
ISBN-13: 978-3850287302
Meine Wertung: *****+

* Helmut Qualtinger und André Heller: „Im Grünen Wald Von Mayerling„, Straßensängerlied zum tragischen Tode des Kronprinz Rudolfs, 1979

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3 Gedanken zu “Im grünen Wald von Mayerling ein schöner Traum zu Ende ging

  1. Ich finde das Buch von Dr.Novak nicht gut. Allein im Register habe ich – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – über 150 Auslassungen zufällig entdeckt. Warum so viele Fehler im Text, wenn die Quellen angeführt werden? Warum wurden sie nicht benutzt? Viele zeitliche und faktische Fehler, mitunter Widersprüche auf derselben Seite. Viel Kolportage wurde verwendet. Sicher bringt das Buch einiges Neues, aber es ist ziemlich unerheblich.

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  2. Das wird bestimmt ein spannender Leseherbst: über das Novak-Buch habe ich ja schon von mehreren Seiten vielversprechendes gehört, und die Bücher von Gabriele Hasmann lese ich durchaus recht gern. Danke für diese Rezensionen, die haben mich nun noch neugieriger gemacht! Nur dieses ebook klingt nun nicht so, als ob man da wirklich etwas Neues erfahren könnte, aber vielleicht sollte ich mir da meine eigene Meinung bilden …

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