Auf der AIDAvita in der Adria (6): Stehkaffee & Marktchardonnay

Alle Städte sind gleich,
 nur Venedig ist ein bissl anders.
 Friedrich Torberg
„Die Tante Jolesch“

Die Basilica di San Giorgio Maggiore vis-a-vis dem Markusplatz. Foto: Lars Friedrich

Die Basilica di San Giorgio Maggiore vis-a-vis dem Markusplatz. Foto: Lars Friedrich

Turbulent: Der Touristen-Tag zwischen Museo Correr und Dogenpalast (links). Foto: Lars Friedrich

Turbulent: Der Touristen-Tag zwischen Museo Correr und Dogenpalast (links). Foto: Lars Friedrich

Wieder angekommen. Wieder angekommen in dem Hafen, in dem wir vor fünf Tagen unsere Kreuzfahrt auf der AIDAvita durch die Adria nach Korfu, Bari, Dubrovnik und Zadar begonnen haben – in Venedig am Terminal Passeggeri Isonzo 2. Diesmal ist das Wetter nicht so freundlich und die AIDA-Crew empfiehlt, nur kurz in die Stadt zu fahren. Das wir aber Zeit haben (der Rückflug geht erst am kommenden Tag) und hoffen, dass der Himmel noch aufreißt (einige Fotos hier sind nicht von den letzten, sondern vom ersten Tag in Venedig), entscheiden wir uns gegen den Vorschlag von Shore Operation Manager Claudia Dichmann und starten nicht Ratz Fatz zur Piazza San Marco, sondern ganz gemütlich und letztlich auch preiswerter in die Lagunenstadt – mit dem öffentlichen Linienboot von Alilaguna zahlen wir auf der Linie blau nur 15 Euro für die Hin- und Rückfahrt (online gebucht hätte das Ticket sogar nur 13 Euro gekostet) und sind so von den AIDA-Shuttlezeiten unabhängig.

In der Markusbasilika sind die oberen Wandzonen sowie die gesamte Decke mit Mosaiken mit Goldgrund bedeckt. Foto: Lars Friedrich

In der Markusbasilika sind die oberen Wandzonen sowie die gesamte Decke mit Mosaiken mit Goldgrund bedeckt. Foto: Lars Friedrich

Wir starten also mit dem Wasserbus am Kreuzfahrtterminal und sind nach zwei Zwischenstopps schnell, auf Grund der Wellen auf dem Canale della Giudecca und unserer Vorliebe für open air-Sitzplätze am Bug des Bootes aber auch etwas durchnässt, an der Haltestelle San Marco. Von hier aus bahnen wir uns unseren Weg durch die anwachsende Zahl von gleichgesinnten Touristen (obwohl es erst 9 Uhr am Morgen ist) zur Basilica di San Marco, einem architektonischen Juwel im venezianisch-byzantinischen Stil.

acqua alta auf dem Marcusplatz. Foto: Lars Friedrich

acqua alta auf dem Marcusplatz. Foto: Lars Friedrich

Aber wer hätte das gedacht? Das Meer drängt durch die zahllosen Gullis auf den Markusplatz (acqua alta ) und so führt der Weg ins Innere der vor goldenen und farbigen Mosaiksteinen nur so glänzenden Markusbasilika ganz abenteuerlich über schmale Stege. Mein Tipp: Für 5 Euro pro Person kann die Galerie (Loggia) im oberen Stockwerk besucht werden, auf der eine Kopie des goldüberzogenen vierer Pferdegespanns steht, das 1204 in Konstantinopel geraubt wurde. Von hier oben sind auch die weiteren Sehenswürdigkeiten des Markusplatzes auszumachen: das 83 Meter hohe Campanile gegenüber, der Palazzo Ducale, einst als politischer Mittelpunkt der Republik Venedig Sitz des Dogen, das Museo Correr und natürlich die Cafés Quadri und das Florian, vor denen eigene Orchester aufspielen und in denen der Kaffee auf der Terrasse gut und gerne 15 Euro kostet – pro Tasse. Tipp: Die Venezianer trinken im Stehen am Tresen einen Espresso – der kostet nur einen Bruchteil und man kann zudem noch die schönen Räumlichkeiten genießen.

Von 1798 bis 1815 standen die von Napoleon verschleppten Pferde von San Marco in Paris. Foto: Lars Friedrich

Von 1798 bis 1815 standen die von Napoleon verschleppten Pferde von San Marco in Paris. Foto: Lars Friedrich

Der Name Rialto leitet sich von italienisch Rivo alto‚ deutsch hohes Ufer, ab. Im Bild: die Rialto-Brücke. Foto: Lars Friedrich

Der Name Rialto leitet sich von italienisch Rivo alto‚ deutsch hohes Ufer, ab. Im Bild: die Rialto-Brücke. Foto: Lars Friedrich

 

Den Rialto-Markt sollte man vormittags besuchen . Foto: Lars Friedrich

Den Rialto-Markt sollte man vormittags besuchen . Foto: Lars Friedrich

Weiter geht es nun über Brücken und durch heimelige Gassen zur Rialto-Brücke – kaum passierbar vor lauter Besuchern die sich darüber ärgern, dass Baugerüste entlang des Canale Grande den Ausblick auf einige der 900 venezianischen Paläste fast unmöglich machen. Wir drängeln uns dennoch rüber nach San Polo, biegen aber gleich hinter der Brücke nach rechts ab und kommen zum Mercato di Rialto, einer Melange aus überdachtem Fischmarkt und offenen Ost- und Gemüseständen, kleinen Ladenlokalen und fliegenden Händlern. Von unserem ersten Venedig-Besuch 2001 hatten wir diesen Platz noch gut in Erinnerung und der Abstecher hierher hat sich auch diesmal gelohnt: jeden Samstag kann man nämlich zwischen 12 und 15 Uhr an einem eiligst aufgebauten Stand einen großen Teller frisch zubereiteter Meeresfrüchte plus einem Glas kalten Chardonnay für 10 Euro kosten – das ist für Venedig nicht nur super preiswert, das war auch sehr, sehr lecker.

80 Euro kosten derzeit 30 Minuten Gondelfahrt durch Venedig, bei Nacht 100 Euro. Foto: Lars Friedrich

80 Euro kosten derzeit 30 Minuten Gondelfahrt durch Venedig, bei Nacht 100 Euro. Foto: Lars Friedrich

Kanalkreuzung nahe dem Teatro La Fenice, dem Opernhaus von Venedig. Foto: Lars Friedrich

Kanalkreuzung nahe dem Teatro La Fenice, dem Opernhaus von Venedig. Foto: Lars Friedrich

Was sollte man sonst in Venedig noch gesehen haben? Alles andere! Aber auf jeden Fall die grandiose Barock-Kirche Santa Maria della Salute, die dem Markusplatz gegenüber liegt, und natürlich die Basilica di San Giorgio Maggiore. Die Kirche liegt auf einer von nur 11 Mönchen ständig bewohnten Insel im Canale di San Marco, und beherbergt seit 1109 die Reliquien des heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers der Christenheit. So wurde die Kirche neben dem Grab des Evangelisten Markus in der Markusbasilika zu einem der wichtigen Pilgerziele in der Lagunenstadt. Hierher sollte man übrigens auch pilgern, wenn man nicht mit dem Kreuzfahrtschiff durch den Giudecca-Kanal geschleppt wird und einen Blick „von oben“ auf die Skyline von San Marco werfen kann – die Rundumsicht vom Campanile des Klosters ist grandios; die Fahrt mit dem Aufzug auf den Turm kostet zwar 5 Euro, aber die lohnen sich auf jeden Fall, zumal man in Venedig auch für sinnlosere Sachen schon mehr Euro ausgeben kann…

Detail an der Markusbasilika. Foto: Lars Friedrich

Detail an der Markusbasilika. Foto: Lars Friedrich

Über unseren Stopp in Venedig könnte ich noch ewig schreiben – aber das mache ich nicht. Jeder Besucher wird in dieser Stadt der 105 Kirchen, 177 Kanäle, 400 Brücken und 3.000 labyrinthisch sich verzweigenden Gassen seine ganz eigenen Herzensziele finden – in Castello, Cannaregio, Santa Elena oder Santa Croce ebenso wie im Dorsoduro- oder im Giudecca-Viertel. Zuletzt noch ein Tipp von meinem Freund Ralf für alle Fans von Kaiserin Elisabeth, deren Appartements übrigens schon seit 2012 im Kaiser-Flügel des Museo Correr besichtigt werden können: trinkt einen Grappa auf die Kaiserin in der Trattoria Antica Carbonera nahe dem Rialto-Markt, in der die Einrichtung der kaiserlichen Yacht Miramar verbaut wurden und noch ganz viel K&K-Glanz verströmt.

Schieben sich die Ozeanriesen durch den Kanal, ist San Giorgio Maggiore vom Markusplatz aus nicht mehr zu sehen. Foto: Lars Friedrich

Schieben sich die Ozeanriesen durch den Kanal, ist San Giorgio Maggiore vom Markusplatz aus nicht mehr zu sehen. Foto: Lars Friedrich

Zum Schluss nun noch etwas Anderes, das aber jeder Kreuzfahrer in Venedig bedenken sollte: Umweltschützer fordern seit Langem, dass Kreuzfahrtschiffe die Stadt nicht mehr ansteuern dürfen. Ozeanriesen, die eine bestimmte Größe überschreiten, künftig schon jetzt nicht mehr die Route nahe dem Markus-Platz nutzen und auch der Giudecca-Kanal ist für Ozeanriesen mit einem Gewicht von mehr als 40.000 Tonnen tabu. In venedig wird diskutiert, grundsätzlich die Vorbeifahrt zu verbieten. Ich halte dies für sehr sinnvoll, auch wenn dann künftig die wohl schönsten Blicke über die Piazza San Marco wegfallen – aber irgendetwas wollen und sollen unsere Kinder ja auch noch sehen dürfen, so lange es steht…

Masken, Masken, Masken: Auslage am Markusplatz. Foto: Lars Friedrich

Masken, Masken, Masken: Auslage am Markusplatz. Foto: Lars Friedrich

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