27. Januar: Holocaust-Gedenken muss nicht zwingend 8 € kosten

Seit 1996 wird der 27. Januar in Deutschland als ‪Gedenktag‬ für die Opfer des Nationalsozialismus begangen, 2005 wurde der Tag sogar von den Vereinten Nationen zum internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt.

2014: Stolperstein-Verlegung vor der "Krone" am Steinhagen. Foto: Lars Friedrich

2014: Stolperstein-Verlegung vor der „Krone“ am Steinhagen. Foto: Lars Friedrich

Hattingens Volkshochschule und der vhs-Förderverein möchten in diesem Jahr mit einem Klezmerkonzert an das jüdische Leben in Deutschland vor dem Holocaust erinnern und laden ein zu einem musikalischen Abend am Samstag, 30. Januar 2016, um 19 Uhr in den Veranstaltungsraum des Stadtmuseums nach Blankenstein. Wer sich daran stört, dass die städtische Gedenkveranstaltung mit Klezmermusik und jiddische Lieder 8 Euro Eintritt kosten, kann den Gedenktag aber auch nutzen, sich nahezu kostenfrei und individuell des Schicksals heimischer Holocaust-Opfer zu erinnern: auf dem Stolperstein-Rundgang durch Hattingen.

19 Stolpersteine hat der Kölner Künstler Gunter Demnig bereits seit Dezember 2005 in der Innenstadt, in Welper und in Blankenstein verlegt. Die Initiative, an Hattinger Opfer des Nationalsozialismus durch die Verlegung der 10 x 10 Zentimeter großen Messingplatten zu erinnern, kam damals aus der Hattinger Bevölkerung.  Da aber die Stolpersteinen nur Raum für die wichtigsten Lebensdaten der jeweiligen NS-Opfer bieten, ist es ratsam, die von Stadtarchivar Thomas Weiß zusammengestellten Opferbiographien vorab zu lesen. Sie bezeugen: Ob Hausfrau, Bibelforscher, Klempner, 24-Jähriger, Künstlerin, Jude, Kaufmann, Homosexueller, Fabrikarbeiterin, katholischer Priester, Witwe oder Kind – es konnte jeden treffen. Archivar Weiß schreibt dazu: „Der Nazi-Terror schlug nicht nur in Auschwitz oder den anderen bekannten Vernichtungslagern zu, sondern fand seine Opfer auch vor der Haustür, bei uns in Hattingen.“

Gunter Demnig verlegt 2014 vier Stolpersteine am Eingang zur Altstadt. Foto: Lars Friedrich

Gunter Demnig verlegt 2014 vier Stolpersteine am Eingang zur Altstadt. Foto: Lars Friedrich

Nachdem 2005 in Hattingen die ersten elf Stolpersteine von Gunter Demnig verlegt wurden und vor zwei Jahren acht weitere folgten, hat das Stadtarchiv bereits eine Liste für eine dritte Verlegerunde angelegt; ich habe mich nach meinem ersten Kontakt mit Gunter Demnig im Juni 2014 spontan dazu bereiterklärt, in Hattingen die Patenschaft für einen Stolperstein zu übernehmen, damit heimische Euthanasieopfer nicht in Vergessenheit geraten. Zudem möchte ich mit einem Stolperstein in Niederösterreich an einen hingerichteten Priester erinnern.

klezmerplakat_Januar 2016Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag 2016:
Klezmer, jiddische Lieder und Tangos mit dem Duo Tangoyim
Samstag, 30. Januar 2016, 19 Uhr, Veranstaltungsraum des Stadtmuseums Blankenstein
Eintritt 8 Euro (Karten im Vorverkauf bei der vhs Hattingen, dem Stadtmuseum oder der Stadtbibliothek erhältlich)

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