Die Keltenwelt am Glauberg

Der Wetteraukreis in Hessen war für mich nie mehr als einer von vielen Landkreisen entlang der Autobahn 45, die man auf dem Weg in den Süden durchfährt. Auf meiner Museumstour war ich neulich im Ronneburger Hügelland zu Besuch im Forschungszentrum Keltenwelt am Glauberg und wurde positiv überrascht.

Der Glauberg ist ein ganz besonderer Ort, der bereits in der Jungsteinzeit von Menschen besiedelt wurde. Im Bild: ein inszenierter Grabhügel. Foto: Lars Friedrich

Der Glauberg ist ein ganz besonderer Ort, der bereits in der Jungsteinzeit von Menschen besiedelt wurde. Im Bild: ein inszenierter Grabhügel. Foto: Lars Friedrich

Schaukästen, Hörnieschen und Schubladen mit Sonderinformationen: der Ausstellungsraum. Foto: LRF

Schaukästen, Hörnieschen und Schubladen mit Sonderinformationen: der Ausstellungsraum. Foto: LRF

Das 2011 eröffnete Museum (Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen) ist Teil der Keltenwelt Glauberg, zu der ein Forschungzzentrum und ein weitläufiger archäologischer Park zählen. Im Park befinden sich ein rekonstruierter Grabhügel, Wall-Grabensysteme und Wehranlagen aus frühkeltischer Zeit. Park und Panoramawanderweg rund um die benachbarte staufische Reichsburg sind kostenfrei, der Eintritt ins barrierefreie Museum beträgt für Familien (2 Erwachsene mit Kindern) 14 Euro.

Das Glauberg-Plateau ist mit dem Auto schnell und bequem in wenigen Minuten über die Autobahnabfahrt 39/Altenstadt zu erreichen. Wer mit der Niddertalbahn von Frankfurt nach Glauburg-Glauberg anreist, muss vom dortigen Haltepunkt zu Fuß auf einem gut beschilderten Spazierweg 60 Minuten bergauf wandern. Gut, dass man sich dann in der modernen Museumsgastronomie (Cola 2 Euro, Mettwurst plus belegtes Schinkenbrötchen 4 Euro) erfrischen und stärken kann.

Fußlos, aber dennoch monemantal: der Fürst vom Glauberg. Foto: Lars Friedrich

Fußlos, aber dennoch monemantal: der Fürst vom Glauberg. Foto: Lars Friedrich

Zentrales Ausstellungsobjekt des Museums ist die überlebensgroße Sandsteinfigur des Keltenfürsten vom Glauberg (hat keine Füße, ist aber immerhin noch 1,84 Meter groß), die durch sorgfältig ausgeführte, detailreiche Kleidung und Bewaffnung besticht und sich so von vergleichbaren Statuen deutlich unterscheidet.

Die rekonsturierte Wallanlage. Foto: LRF

Die rekonsturierte Wallanlage. Foto: LRF

Nachdem schon die Nazis auf dem Plateau gegraben hatten, fanden 1994 hessische Archäologen im Innern eines Kreisgrabens ein mit reichen Beigaben ausgestattetes Fürstengrab. 1995 wurde das zweite Fürstengrab geborgen und 1996 wurde im Kreisgraben die Sandsteinfigur geborgen. Die wertvollen Grabbeigaben wie z.B. ein prachtvoller Halsring aus Gold bezeugen, dass es sich bei den Verstorbenen um führende Angehörige des auf dem Glauberg in der Frühlatènezeit ansässigen Herrschergeschlechts handelt.

Viele multimediale Installationen und eine fiktive Begleitgeschichte im Comicstil entführen die Museumsbesucher in die Zeit der Kelten und stellen das frühe Volk jenseits des zeitgenössischen Keltentums in Musik, Brauchtum und Mode vor. Neben den Originalfunden vom Glauberg ist aber auch das Museum selbst ein Hingucker – das Aachener kadawittfeldarchitektur-Büro der Architekten um Klaus Kada und Gerhard Wittfeld entwarf bereits 2006 für einen Wettbewerb den geometrischen Baukörper des Museumsgebäudes, dessen Panoramafenster exakt auf den rekonstruierten keltischen Grabhügel 1 ausgerichtet ist, quasi ein Museum als Fernrohr in die Vergangenheit.

Das architektornische Fernrohr in die Vergangenheit - das Museum der LKeltenwelt Glauberg. Foto: Lars Friedrich

Das architektornische Fernrohr in die Vergangenheit – das Museum der Leltenwelt Glauberg. Foto: Lars Friedrich

Hier geht es zur Webseite des Museums.
Hier geht es zum Museum auf Facebook.

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