Kommse anne Bude: 2016 ist das Jahr der Trinkhallen und Kioske

Am Bickendorfer Büdche,
do käuf dä Jupp sing Brütche
beim Lisbeth en enem Tütche,
dat hät e lecker Schnütche.

Bläck Fööss

2016 ist das „Jahr der Trinkhalle“. Nicht nur die Buden im Ruhrgebiet, sondern die Kioske in ganz Deutschland sollen in diesem Jahr gefeiert werden. Und am 1. Tag der Trinkhallen am 20. August 2016 werden ruhrgebietsweit Buden und Kioske zu außergewöhnlichen Miniatur-Veranstaltungsorten.

Kiosk an der Marxstraße in Welper. Foto: Lars Friedrich

Kiosk an der Marxstraße in Welper. Foto: Lars Friedrich

Während die Bläck Fööss seit 2006 das Bickerndorfer Büdchen besingen und mit dem Hashtag #TagderTrinkhallen in Sozialen Netzwerken fleißig Fotos von Kiosken gesammelt werden (z.B. www.facebook.com/buedchen.in.koeln), wird im LWL Industriemuseum Henrichshütte in Hattingen zur bald startenden Wanderausstellung „Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum“ der Kult-Kiosk von Emmy Olschewski (1904 – 1998) aus der Schweriner Straße in Castrop-Rauxel wieder aufgebaut. Rund um diesen Festtag finden über das ganze Jahr verteilt zahlreiche Aktionen, Veranstaltungen und Touren statt: Unter anderem bietet der Bochumer Schauspieler Giampiero Peria „Kioskwallfahrten“ an, bei denen Teilnehmer die Welt einmal aus der Sicht der Kiosk-Luke betrachten können. Das Büdchen hat wohl was!

Emil Schocks Kiosk am Steinhagen - dort, wo heute das Voré-Stadttor steht. Foto: www.facebook.com/VintageHattingen

Emil Schocks Kiosk am Steinhagen – dort, wo heute das Voré-Stadttor steht. Foto: http://www.facebook.com/VintageHattingen

Heute hinter einer Dornröschenhecke versteckt: Zimmermanns Bude in Welper. Foto: Lars Friedrich

Heute hinter einer Dornröschenhecke versteckt: Zimmermanns Bude in Welper. Foto: Lars Friedrich

Wer hätte das gedacht? Die Entstehung der Trinkhallenkultur reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, wobei damals allerdings der Ausschank von Wasser im Vordergrund stand. Wohl seit dem 19. Jahrhundert wurden Trinkhallen zunehmend Teil der Stadtentwicklung in Europa und der Verkauf von Zeitungen, Getränken und Süßwaren rückte in den Vordergrund. Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich als Kind für meine Mutter an Emil Bathkes Bude Zigaretten und für mich an Zimmermanns Kiosk in der Käthe Kollwitz-Straße süße Leckmuscheln gekauft habe; beides war übrigens um Umtausch ausgeschlossen. Und sonntags, wenn ich mit meinem Vater spazieren war, kauften wir in Holthausen am Kiosk ein Stück Fleischwurst als Wegzehrung.

Die Trinkhalle Vorthmann an der Bruchstraße. Foto: www.facebook.com/VintageHattingen

Die Trinkhalle Vorthmann an der Bruchstraße. Foto: http://www.facebook.com/VintageHattingen

Heute gibt es schätzungsweise rund 15.000 Buden im Ruhrgebiet – die drei, an die ich mich gerne erinnere, aber nicht mehr. Heute müssen viele dieser Trinkhallen den harten Wettbewerb mit Discountern und Lebensmittelläden bestehen und der „Mythos Bude“ wird mit abnehmender Anzahl immer größer. Da finde ich die Initiative des „1.Kioskclub 06 gegründet im Museum am Ostwall e.V. (1.KC 06)“ toll, der ein virtuelles Kiosknetzwerk geschaffen hat. Diese Kioskplattform soll stetig wachsen und deshalb sende ich demnächst auch mal ein paar Bilder aus Hattingen dorthin ins Netz, um die Erforschung und Dokumentation der für die Großstädte wichtigen Trinkhallen zu unterstützen.

Auch keine Trinkhalle mehr: der Kiosk auf dem Haidchen. Foto: Lars Friedrich

Auch keine Trinkhalle mehr: der Kiosk auf dem Haidchen. Foto: Lars Friedrich

Literatur zum Thema

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