Enthüllt: Warum ich kein Bäcker, Indianer oder gar Clown wurde

Senf statt Salto: Um zwei Monate in Wien zu recherchieren, ging ich zum Zirkus. Foto: Hardy Klahold

Senf statt Salto: Um zwei Monate in Wien zu recherchieren, ging ich zum Zirkus. Foto: Hardy Klahold

Meine liebe Bekannte, die Hagener Autorin Birgit Ebbert, sammelt Kindheitsträume. Ungefragt blogge ich hier mal eine willkürliche Auswahl aus meinen vielen Kindheitsträumen – und was daraus geworden ist.

bäcker

Mein Bäcker-Ich.

Ich werden Bäcker, weil…
Irgendwann in der Grundschule hatten wir einmal die  Gelegenheit, einen ortsansässigen Bäcker in seiner Backstube zu besuchen. Die frischen Brötchen, das duftende Brot, die tollen Torten – all das muss mich so begeistert haben, dass ich darauf hin unbedingt Bäcker werden wollte. Zu Fasching hatte ich dann auch prompt ein Bäckerkostüm an und meine Mutter hatte einen extra harten Kuchen gebacken, den ich zum Kostüm tragen durfte.

Als ich allerdings erfuhr, wie früh Bäcker morgens (oder besser: nachts) aufstehen müssen, war dieser Kindheitstraum für mich ausgeträumt. Ob es nur mir so ging? Leider gibt es nun bei uns in der Stadt nur noch knapp eine Handvoll Bäcker mit eigener Backstube – alle anderen wurden von gesichtslosen Backshops mit  vorgefertigten Teigrohlingen verdrängt…

indianer

Mein Indianer-Ich.

Ich werde Indianer, weil…
Schlafen Indianer in der Regel wesentlich länger als Bäcker? In der Grundschule war ich der Meinung, dass dies der Fall sein müsste, denn Winnetou machte auf mich stets einen ausgeschlafenen Eindruck. Also beschloss ich, Indianer zu werden – ohne groß zu wissen, was Indianer den ganzen Tag über machen und wie und wo sie das Geld zum (Über-) Leben sich verdienen. Mit einem entsprechenden Kostüm zu Karneval war ich meinem Berufswunsch dann auch sehr schnell schon sehr nahe gekommen.

Ein Besuch im Karl May-Museum in Radebeul noch zu DDR-Zeiten ließ auch diesen Grundschul-Traum wie eine Seifenblase platze: Ich kam mit der festen Überzeugung aus dem Wild-West-Blockhaus „Villa Bärenfett“ wieder heraus, dass Indianer heutzutage den ganzen Tag in Vitrinen sitzen oder stehen und sich von Museumsbesuchern angaffen lassen – so wie der imposante Dakota-Häuptling und seine 15 Leidensgenossen hinter Glas.

Ich werde Clown, weil…
Ja, der Zirkus – das war doch was: 2 Mal für 5 Minuten als Clown am Tag in der Manege stehen und dann den Herrgott einen guten Hirten sein lassen. Dieser Kindheitstraum schien vielversprechend zu sein – Applaus und Freizeit, was will man mehr? Ich hab es nie ausprobiert, als Bäcker zu arbeiten oder Indianer zu sein – aber: Ich war beim Zirkus. Auf Tournee. Und auch in der Manege. Aber: Eigentlich nicht, weil ich Clown geworben bin. Ich wollte meinem Hobby folgen und mal einige Wochen am Stück im Österreichischen Staatsarchiv nach Kronprinz Rudolf forschen. Schon als Redakteur in Lüdenscheid bin ich hin und wieder im Zirkus aufgetreten – im Rahmen von Reportage-Recherchen zum Beispiel bei  Gerd Siemoneit-Barum. Da habe ich wohl die Manegenluft so stark geschnuppert, dass ich alsbald meinen Journalisten-Job kündigte und bei Roncalli als Grillmeister angeheuert habe. Eine Saison lang habe ich aus einem historischen Löwenkäfig heraus Grillwurst verkauft – und konnte zwei Monate lang in Wien Archivordner wälzen. Später war ich dann noch als Pressesprecher auf Tournee und habe auch ab und an bei Tagen der offenen Manege eben dort gestanden und moderiert.

Heute bin ich nicht mehr beim Zirkus (die Familie war der Grund für die Sesshaftigkeit und gegen das Tourneeleben) – dafür aber jedes Jahr bei den Karl May-Festspielen in Elspe und schaue dort den Indianer zu. Beim Schatz im Silbersee meinte dann eines meiner Kinder, das wolle es später auch machen – als Indianer 2 Mal 5 Minuten auf der Bühne stehen und sonst ausschlafen. Manche Kindheitsträume scheinen vererbbar zu sein…

PS
Habe ich mir einen Kindheitstraum erfüllen können? Ja, annähernd: Ich ging schon immer gerne ins Museum – diese Leidenschaft haben meine tollen Eltern schon früh in mir geweckt. Heute leite ich ehrenamtlich ein Museum und würde das auch gerne im Hauptberuf machen – aber für 10 Jahre als Praktikant und 15 Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Wartestellung auf einen Museumsjob zu sein, bin ich nun zu alt…

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