Zirkus auf der Industriebrache: Nur Tränklers bleiben uns treu

Wann war der letzte große Zirkus bei uns in der Stadt? Erinnere ich mich richtig, war das Mitte der 1980er Jahre – dort, wo heute der Hellweg-Baumarkt steht, gastierte damals der Circus Busch-Roland von Ingrid Geier-Busch.

Als geborener Hattinger musste ich selbst lange suchen, bis ich den Zirkus auf dem früheren Werksgelände von O&K fand... Foto: LRF/HATZ

Als geborener Hattinger musste ich selbst lange suchen, bis ich den Zirkus auf dem früheren Werksgelände von O&K fand, das jetzt von der Cording Real Estate Group GmbH verwaltet wird… Foto: Lars Friedrich

Und heute? Nur noch die Artistenfamilie Tränkler kommt mit ihrem Circus Antoni, der seit 47 Jahren sein Winterquartier in Witten hat, noch regelmäßig nach Hattingen. In diesem Jahr musste das Unternehmen aber erstmals an der Nierenhofer Straße ihre Zelte aufschlagen – nach dem Wegfall des Zirkusplatzes am Wildhagen durch den Neubau der Feuer- und Rettungswache und dem Aus für Zirkusse an der Werksstraße durch den Neubau eines Containerdorfes für Flüchtlinge wird Hattingen noch unattraktiver für Zirkusse.

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Die Fertighäuser an der Werksstraße werden 1,74 Mio. Euro kosten und 140 Bewohnern Platz bieten. Foto: Stadt Hattingen

Für Klaus Kaulis (Jahrgang 1948), beim damaligen Gastspiel des Großcircusses Rusch-Roland in Hattingen als Stallsprechmeister im Einsatz, ist der Wegfall von geeigneten Spielstätten nicht neu. Er verrät mir: „Der Trend ist unverkennbar.“ In Koblenz musste sich jüngst der Zirkus FlicFlac wegen Flüchtlings-Container einschränken. Auch Zirkusfreund Benny Schenk kennt das: „Das Problem gibt es überall. Gütersloh Festplatz wird bebaut, Oberhausen belegt durch Flüchtlinge, Lübeck belegt durch Flüchtlinge. Mühlheim an der Ruhr belegt durch Flüchtlinge. Das ist nur eine kleine Auswahl an Festplätzen“, schreibt er mir über Facebook.

„Das ist ja noch einzusehen“, sagt Kaulis, „aber es nutzen bestimmt viele Kommunen diese Situation aus, um die ungeliebten Circusse abzulehnen.“ An der Situation, glaubt der Zirkus-Experte, haben viele Unternehmen aber auch lange „daran gearbeitet“. Zirkusfreundin Isolde Baar bestätigt dies auf Facebook: „Diejenigen, die sich ohne entsprechende Genehmigung einfach auf Plätzen niederlassen oder nach Gastspielen nicht weiterreisen und wenn dann doch, eine Menge Unrat hinterlassen. Diese machen es den ehrlichen Unternehmen schwer, dann überhaupt noch Genehmigungen für Plätze zu bekommen.“

Und wie geht es in Hattingen weiter? „Wir bekommen ca. fünf Anfragen im Jahr“, schreibt mir Susanne Wegemann vom Presse- und Informationsbüro der Stadtverwaltung. Bereits im letzten Jahr habe die Verwaltung aber den Nachfragenden mitgeteilt, dass die Stadt selbst wegen der Baumaßnahme an der Werkstraße keine Fläche zur Verfügung habe und den Kontakt zur Cording Real Estate Group GmbH vermittelt, den Eigentümern des Areals an der Nierenhofer Straße. Zuvor war es so, dass die Stadt meist zu Ostern und im Herbst je ein Gastspiel genehmigte – je nach Flächenbedarf und Gastspeizeitraum. Susanne Wegemann: „Wir versuchen, diese Zeiten mit anderen Festen zu koordinieren, um Überschneidungen zu vermeiden.“ Ist das O&K-Gelände nun mittel- und langfristig der Standort für Zirkusunternehmen? Das frage ich mal den Eigentümern nach und aktualisiere den Beitrag, sobald ich Neues weiß.

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