Zwangsarbeitergräber nach 2 Jahren weiter ohne Grabsteine

Bereits im Juni 2014 hatte ich darüber berichtet, dass auf zwei Hattinger Friedhöfen insgesamt 62 Grabsteine für dort bestattete Zwangsarbeiter entsorgt wurden. Damals darauf angesprochen, wollte die Stadtverwaltung nach einer Lösung suchen.

Das Ehrenmal auf dem Kommunalfriedhof an der Waldstraße mit den Grabsteinen der dort beigeetzten Zwangsarbeiter vor dem Jahr 2002. Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

Das Ehrenmal auf dem Kommunalfriedhof an der Waldstraße mit den Grabsteinen der dort beigeetzten Zwangsarbeiter vor dem Jahr 2002. Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

Zur Erinnerung: Die Grabsteine, so teilte mir die Stadt damals auf Nachfrage mit, seien „ca. 2002“ nach einem Ortstermin mit einem Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge wohl aufgrund schlechter Lesbarkeit der Namen entfernt worden, um das Feld mit den Einzelgräbern in eine leicht zu pflegende Rasenfläche umzugestalten. Die Platten wurden damals hinter der Materialgarage des Friedhofs Waldstraße gestapelt und dort verlor sich ihre Spur…

Die Grabsteine für Zwangsarbeiter auf dem katholischen Friedhof an der Blankensteiner Straße. Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

Die Grabsteine für Zwangsarbeiter auf dem katholischen Friedhof an der Blankensteiner Straße. Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

Nach über zwei Jahren habe ich jetzt noch einmal nachgebohrt und wollte von der Stadt wissen, warum auf den Friedhöfen an der Waldstraße (hier gibt es 34 Gräbern für Zwangssarbeiter aus Russland, Polen und Frankreich) und an der Blankensteiner Straße (28 Gedenktafeln für Zwangsarbeiter) noch immer keine neuen Grabsteine aufgestellt wurden? Jana Golus aus der Pressestelle der Stadt Hattingen hat für mich recherchiert und stellt fest: „Leider hat die Umsetzung der Maßnahme erhebliche Zeit in Anspruch genommen.“ Der Hintergrund für die zeitliche Verzögerung: Zwischen dem Sterberegister und den Unterlagen im Stadtarchiv wurden umfangreiche Abgleiche gemacht, um die genaue Schreibweise der Namen sicherzustellen.

„Zudem wurde mit der Bezirksregierung Arnsberg über eine finanzielle Unterstützung zum Erstellen der neuen Grabplatten verhandelt“, weiß Jana Golus. Die Hintergrundgespräche indes waren erfolgreich und zwischenzeitlich wurden entsprechende Mittel bereitgestellt, so dass nach Freigabe der Haushaltsmittel in diesem Jahr auch die Ausschreibung der Arbeiten durchgeführt wurde.

„Der aktuelle Stand der Maßnahme ist, dass der Auftrag für die Fertigung und Lieferung der Grabplatten auf dem kommunalen Friedhof Waldstraße erteilt wurde“, so Golus. Die Lieferung der Grabplatten sei nun für November zugesagt. „In den Wintermonaten werden die Namen in die Grabplatten eingeschlagen, sodass Anfang des Jahres, sobald das Wetter es zulässt, die neuen Grabplatten aufgelegt werden können.“

Im Dezember 2002 fotografierte Susanne Geertsen das Grab einer unbekannten Ostarvbeiterin auf dem kommunalen Friedhof an der Waldstraße. Foto: StAG/ Zwangsarbeit in Hattingen, LWL 2003

Im Dezember 2002 fotografierte Susanne Geertsen das Grab einer unbekannten Ostarvbeiterin auf dem kommunalen Friedhof an der Waldstraße. Foto: StAG/ Zwangsarbeit in Hattingen, LWL 2003

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