Der 37. Westfälische Hansetag findet 2020 in Hattingen statt

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Und so freue ich mich schon jetzt auf das Jahr 2020. In vier Jahren ist es nämlich soweit und Hattingen wird den 37. Westfälischen Hansetag ausrichten – mit  einem großen Hansemarkt und einem Delegiertentreffen der Vertreter der aktuell 48 westfälischen Hansestädte. Was nur wenige wissen: Im 15. und 16. Jahrhundert gehörte Hattingen der Hanse an und so hatte sich unsere Stadt bereits vor vier Jahren für diese Großveranstaltung beworben. Um den „Geist der Hanse“ besser zu verstehen, habe ich am Wochenende zusammen mit Bürgermeister Dirk Glaser und Georg Hartmann, dem Geschäftsführer von Hattingen Marketing, den 33. Westfälischen Hansetag in Wesel besucht.

Bürgermeister Dirk Glaser (links) und HATTINGEN MARKETING-Geschäftsführer Georg Hartmann mit dem historisch gewandeten Promo-Team aus Hattingen beim Weseler Hansetag. Foto: Lars Friedrich

Bürgermeister Dirk Glaser (links) und HATTINGEN MARKETING-Geschäftsführer Georg Hartmann mit dem historisch gewandeten Promo-Team aus Hattingen beim Weseler Hansetag. Foto: Lars Friedrich

HH, HB, HL, HRO, HST – Hamburg, Bremen, Lübeck, Rostock und Stralsund sind die Hansestädte, die heute jeder kennt. Doch kaum jemand weiß, dass es Kaufleute aus Westfalen waren, die auf ihren Handelszügen die in der Mitte des 12. Jahrhunderts gegründete Stadt Lübeck besiedelten und von dort über Riga und Nowgorod als Pioniere den russischen Handelsraum erschlossen. In ihrer Blütezeit waren fast 200 Städte in der Hanse (althochdeutsch: Hansa = Gruppe, Gemeinschaft)  locker zusammengeschlossen.

Kein großes Licht in der Hansepolitik

Das Westfälische Quartier der Hanse 1556 - 1621. Quelle: LWL verändert nach Gurk 2000

Das Westfälische Quartier der Hanse 1556 – 1621. Quelle: LWL verändert nach Gurk 2000

„Seit wann Hattingen dem Hansebund angehörte, lässt sich aus den bisher bekannten spärlichen Quellen nicht genau ermitteln“, weiß Stadtarchiv Thomas Weiß. Er hat für den Menüpunkt „Hansestadt Hattingen“ auf der Stadthomepage recherchiert: Erste Hinweise auf eine Zugehörigkeit gehen bis ins frühe 15. Jahrhundert zurück und auch wenn Hattingen keine herausragende Rolle in der großen Hansepolitik spielte, dürfte man erheblich von den hervorragenden Kontakten der Hanse zu den bedeutenden europäischen Wirtschaftszentren profitiert haben. Ab dem 15. Jahrhundert sind Kaufleute aus Hattingen und Blankenstein unter anderem in Lübeck, Danzig, Reval, Riga, Stockholm, Prag und Antwerpen zu finden. Markus Wieneke, Mitarbeiter der Geographische Kommission für Westfalen, hat zur Rolle Westfalens zur Zeit der Hanse geforscht: „In Westfalen war Dortmund lange Zeit die hansische Hauptstadt, bevor ab 1450 dieser Rang an das rheinländische Köln überging. Daneben standen Soest als älteste Stadt sowie Münster und Osnabrück als wichtigste Zentren, denen wiederum weitere Kategorien von Städten untergeordnet waren.“

Die Verbundenheit Wesels zur Hanse spiegelt sich im „Hanseband" wider, das sich durch die Fußgängerzone zieht. Es ist ein anthrazitfarbenes Steinband auf dem die Namen von 185 Städten abgebildet sind, die dem Hansebund der Neuzeit oder dem Westfälischen Hansebund angehören. Foto: lars Friedrich

Die Verbundenheit Wesels zur Hanse spiegelt sich im „Hanseband“ wider, das sich durch die Fußgängerzone zieht. Es ist ein anthrazitfarbenes Steinband auf dem die Namen von 185 Städten abgebildet sind, die dem Hansebund der Neuzeit oder dem Westfälischen Hansebund angehören. Foto: lars Friedrich

Wenngleich viele der westfälischen Bündnismitglieder nicht die Bedeutung der großen Handelszentren an den Küsten besaßen, so hatte Westfalen mit rund 80 der Hanse zugehörigen Städten als Region großen Einfluss auf wirtschaftspolitische Entscheidungen. Dies wird auch in der Mittelalter-Triologie von Jan Zweier deutlich, deren Band 1 „Das Haus der grauen Mönche“ in der Hansestadt Hattingen spielt.  Georg Hartmann: „Ich habe alle drei Bücher gerne gelesen und versuche, den Autor nochmals für eine Lesung nach Hattingen holen zu können.“

Hinweistafel schon 1589 angebracht

Schon 1589 soll an der Hattinger Stadtmauer eine Inschrift angebracht worden sein, worin Hattingen eine Hansestadt genannt wird und 1988 wurde erneut eine Gedenktafel an der restaurierten Stadtmauer befestigt, die bis heute an die hansische Vergangenheit erinnert. Der Beitritt der Stadt Hattingen zum Westfälischen Hansebund 1996 setzte diese Tradition fort und seit Juni 2015 gehört Hattingen – ebenso wie Boston in Lincolnshire (England) – sogar zur Internationalen Hanse.

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Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe, Vormann des Städtebundes DIE HANSE. Foto: LRF

Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe, Vormann des Städtebundes DIE HANSE. Foto: LRF

Beim diesjährigen Hansetag in Wesel, der passend zum 775-jährigen Jubiläum der Stadt am letzten Oktober-Wochenende gefeiert wurde, präsentierte sich Hattingen mit einem schmucken Infostand, an dem u.a. Stadtführer Uli Manske unsere Altstadt des Ruhrgebiets vorstellte und geduldig unzählige Fragen u.a. zum äußerst beliebten Weihnachtsmarkt beantwortete. Und egal ob bei den Arbeitskreis- Treffen,  bei der Delegiertenversammlung im Weseler Rathaus, auf der Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) als Vormann des Städtebundes DIE HANSE sprach, oder auf dem eigentlichen Hansemarkt in der wohl längsten Fußgängerzone in Nordrhein-Westfalen: überall spürte man den neuen Geist der grenzüberschreitenden Hanse, die im lockeren Verbund die Gedanken der europäischen Stadt wiederbelebt, das Bewusstsein der Hansestädte fördert und die Zusammenarbeit zwischen diesen Gemeinden weiteretwickelt. Von dieser Idee begeistert, werde ich im kommenden Jahr das Europäische Hansemuseum in Lübeck besuchen und sicher einige Anregungen für die geplante Hanse-Ausstellung 2020 im Museum im Bügeleisenhaus mitbringen. Ich freue mich auf jeden Fall auf „unseren“ Hansetag , der sicher das größe und bunteste Altstadtfest wird, das Hattingen je gefeiert hat…

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