Ach wie sind die Helden gefallen! Jüdische Soldaten im I. Weltkrieg

Zeitgenössischer Bericht von 1926 über die Einweihung des Gedenksteins der jüdischen Gemeinde Hattingen in der Synagoge an der Bahnhofstraße.

Zeitgenössischer Bericht von 1926 über die Einweihung des Gedenksteins der jüdischen Gemeinde Hattingen in der Synagoge an der Bahnhofstraße.

Unmittelbar nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges beschloss der Reichstag am 4. August 1914 einstimmig die nötigen Kredite zur Kriegsfinanzierung. Der Sitzung ging eine Rede Kaiser Wilhelms II. voraus, die mit der Formel „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche“ den Burgfrieden beim Kriegsausbruch symbolisierte. Für viele Juden in Deutschland war dies damals ein Hoffnungsschwimmer, denn durch ihren Einsatz im Feld erhofften sie sich eine gesellschaftliche Gleichstellung, die ihnen bisher verwehrt geblieben war.

10.000 Eiserne Kreuze 2.Klasse verliehen

Modell der Hattinger Synagoge am heutigen Synagogenplatz. Foto: Archiv Lars Friedrich

Modell der Hattinger Synagoge am heutigen Synagogenplatz. Foto: Archiv Lars Friedrich

Zum heutigen Volkstrauertag möchte ich an die im ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten aus Hattingen erinnern. Rund 100.000 Juden dienten in den deutschen Heeren, rund 80% von ihnen waren nachweislich an der Front – für ihre Tapferkeit zeugt die Vergabe von mehr als 10.000 Eisernen Kreuzen 2. Klasse und 1.500 der 1. Klasse. Über 12.000 der jüdischen Soldaten der deutschen Armee kehrten aus dem Krieg nicht zurück.

Die Hattinger Zeitung berichtete dazu am 9. September 1926: „Die Synagogengemeinde Hattingen zählte bei Ausbruch des Krieges 182 Seelen; insgesamt wurden eingezogen 40; davon waren 21 Frontsoldaten; gefallen sind 9, davon 6 aus der eigentlichen Gemeinde.*“ Aus der Synagogengemeinde Hattingen starben im Ersten Weltkrieg Adolf Gumbert, Leutnant Josef Gumperz (geb. 16.05.1882, gefallen 08.01.1916), Artur Levy (geb. 18.08.1899, gefallen 22.07.1918), Erich Löwenstein sowie Hermann und Walter Röttgen.

Gedenktafel in der Hattinger Synagoge

Den Gefallenen errichtete die Gemeinde am 8. September 1926 eine Gedenktafel in der Synagoge an der Bahnhofstraße. Wohl auch dieses Ehrenmal der jüdischen Soldaten, das bei den Novemberpogromen 1938 vernichtet wurde, war ein Ausdruck gewollter, aber nie erreichter Integration – durch den gemeinsamen Waffengang sollte diese bewiesen und anerkannt werden. Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllte.

* Siehe auch Thomas Weiß: „Diese Tränen werde ich nie vergessen…“ – Geschichte der Synagogengemeinde Hattingen“, Hattingen 2005.

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