Mein Lieblingsbild des Monats

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Hogsmeade – Pappmodell für die Filmkulisse, aufgenommen in den Warner Bros. Studios Leavesden. Hogsmeade als einziger Ort in ganz Großbritannien, in dem ausschließlich Hexen und Zauberer leben. Aufgenommen: Frühjahr 2013.

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Bettelmönche stören den künftigen Bürgermeister…

Ich freue mich jetzt schon auf den 23. Juni, denn an diesem Dienstag wird Jan Zweyer ab 19 Uhr sein neues Buchprojekt „Das Haus der grauen Mönche“ in Hattingen vorstellen. Bei einer Premierenlesung im Festsaal des Alten Rathauses lässt der Herner Schriftsteller das mittelalterliche Ruhrgebiet lebendig werden. Das Besondere an dem über 1.200 Seiten starken Buch, das der Grafit-Verlag in drei abgeschlossenen Bänden mit den Titeln „Das Mündel“, „Freund und Feind“ (erscheint Oktober 2015) und „Im Dienst der Hanse“ (erscheint Februar 2016) herausbringen wird: es spielt teilweise in Hattingen.

Autor Jan Zweyer. Foto: Thomas Willemsen

Autor Jan Zweyer. Foto: Thomas Willemsen

Im ersten Band der mittelalterlichen Familiensaga stellt der Autor Jorge von Linden und seine Eltern vor, die einer Intrige zum Opfer fallen, welche Philip von der Schadeburg angezettelt hat, Hauptmann der Garde des Herzogs Johann II. von Kleve und Mark. Doch die Erziehung des siebenjährigen Waisenjungen im „Haus der grauen Mönche“ in Hattingen ruft Missgunst auf den Plan – sogar unter den Mönchen selbst. Und auch von anderer Seite droht Ungemach: Der Hattinger Bürger Hinerick van Enghusen strebt das Amt des Bürgermeisters an – und ihm sind die Bettelmönche vom Kirchplatz schon lange ein Dorn im Auge…

Das Cover des Mönche-Buches. Bild: Grafit-Verlag

Das Cover des Mönche-Buches. Bild: Grafit-Verlag

Dieses „Haus der grauen Mönche“, in dem Jorges Geschichte zu Teilen spielt, existierte noch bis ca. 1855, dann wurde es abgebrochen: Das nach 1424 errichtete, klosterartige Steingebäude auf Parzelle 288 des Urkatasters lag sehr wahrscheinlich hinter dem Haus Kirchplatz 6-8, das bis 1982 die Löwenapotheke beherbergte. Heimatforscher Heinrich Eversberg berichtet: „Über die seelsorgerische Tätigkeit der Mönche in Hattingen ist nichts bekannt. Man weiß nicht, ob sie gegen Ketzer vorgegangen sind und wann sie ihr Haus letztlich aufgaben.“

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Hattingens geheime Hingucker: Auf der Suche nach den Unorten

Die Hattinger Sehenswürdigkeiten sind allgemein bekannt: da wären die Altstadt, die Henrichshütte oder die Isenburg. Ich bin derzeit für ein eBook-Projekt auf der Suche nach Hattinger Unorten – also jenen Stellen in der Stadt, die auf den ersten Blick keine Touristenattraktion sind, die aber dennoch Spannendes zu erzählen haben. Drei geheime Hattinger Hingucker für Fortgeschrittene habe ich bereits gefunden. Wer kennt noch mehr?

Die Stadtverwaltung 2008 zum Hitler-Zitat: "Da es mit schwarzer Farbe überstrichen ist, wird es den Gästen der Stadt nicht auffallen." Foto: LRF/HAT

Die Stadtverwaltung 2008 zum Hitler-Zitat: „Da es mit schwarzer Farbe überstrichen ist, wird es den Gästen der Stadt nicht auffallen.“ Foto: LRF/HAT

Un-Ort Nr. 1: Obermarkt 13, ein Fachwerkhaus unter Denkmalschutz. Hier prangt seit einem Umbau im Jahre 1939 auf dem seither teilweise hervorstehenden Schwellenbalken, dem so genannten Oberrähm, ein Zitat von Adolf Hitler aus „Mein Kampf“, 1. Band, Kapitel 11: Volk und Rasse, Seite 317: „Wer leben will, der kämpfe also, und wer nicht streiten will in dieser Welt des ewigen Ringens, verdient das Leben nicht.“ Bis heute ist das schwarz gestrichene NS-Zitat, das viele Hattinger noch in seiner farbigen Ur-Fassung kennen, am einstigen „Kaufhaus Wegen“ gut zu erkennen.

Das Haus mit dem Zitat, das im Zusammenhang mit der späteren „Lebensraum im Osten“- Politik der Nationalsozialisten zu sehen ist, wurde Ende der 30-er Jahre des 20. Jahrhunderts von jenem Architekten umgebaut, der auch den Hattinger Hochbunker am Reschop plante: Georg Knaup. Damals wurde für eine bessere Verkehrsführung die östliche Hausecke zurück gesetzt und u. a. das Hitler-Zitat in farbigen Buchstaben in den Balken eingefügt. Eine Tafel, die den Balkenspruch erläutert, fehlt bis heute…

Un-Ort 2: Rathausplatz 1, das am 10. Dezember 1910 eingeweihte Hattinger Rathaus. Hier finden wir den Fassadenhinweis auf den Ratskeller – ein Restaurant, das es leider schon lange nicht mehr gibt. Der Ratskeller und sein beliebter Biergarten an der Ostseite des Rathauses wurde bis zum Beginn der 1960- er Jahre betrieben. Nachdem jedoch der Vorkriegs-Pächter in den 50- er Jahren nicht mehr zur Verfügung stand, gaben sich die Wirte fast im jährlichen Rhythmus die Klinke in die Hand. Weiterlesen

Stolperstein: Karmel-Schwestern beten jetzt auch für Nazi-Opfer

Mayerling in Niederösterreich. Nachdem 1889 dort Kronprinz Rudolf tot aufgefunden wurde, baute man das Schloss zu einem Kloster um. 1941 wurde hier der katholische Priester Friedrich Karas verhaftet. Bild: Sammlung Lars Friedrich / mayerling-archiv.de

Mayerling in Niederösterreich. Nachdem 1889 dort Kronprinz Rudolf tot aufgefunden wurde, baute man das Schloss zu einem Kloster um. 1941 wurde hier der katholische Priester Friedrich Karas verhaftet. Bild: Sammlung Lars Friedrich / mayerling-archiv.de

Mayerling braucht einen Stolperstein! Am 8. Juli hatte ich  hier meine Idee niedergeschrieben, dass im niederösterreichischen Mayerling nicht nur an Kronprinz Rudolf erinnert werden sollte, sondern auch an den dort 1941 verhafteten und hingerichteten Geistlichen Rektor der Karmelkirche, Friedrich Karas. Ob Gunter Demnig den Stolperstein für Karas tatsächlich 2015 verlegen wird, steht noch nicht fest. Fest steht aber: Ab sofort beten die in Mayerling klausurierten Karmel-Schwestern nicht nur für Sisis-Sohn, der dort im Januar 1889 tot aufgefunden wurde, sondern auch für Friedrich Karas!

KURIER-Bericht vom 30. Juli 2014.

KURIER-Bericht vom 30. Juli 2014.

Nachdem mich Professor Georg Markus, „Geschichte mit Pfiff“- Kolumnist der österreichischen Tageszeitung KURIER, am Montag angerufen und mir einige Fragen zu Karas stellte hatte, sprach ich gestern noch einmal selbst mit der Priorin des Karmels, Mutter Maria Regina. Natürlich, so sagte sie mir, werde auch heute in Mayerling nicht nur für Kronprinz Rudolf gebetet, wie es Kaiser Franz Joseph im Stiftungsbrief des Klosters vor 114 Jahren verfügt hatte – seit vielen Jahren werde auch Rudolfs minderjährige Geliebte, Baroness Marie von Vetsera, in die Gebete der Ordensschwestern mit eingeschlossen. Georg Markus berichtet nun in seiner KURIER-Kolumne (leider noch nicht online abrufbar), ab sofort werde in Mayerling täglich auch für das Nazi- Opfer Friedrich Karas gebetet. Was auch stimme, wie mir die ehrwürdige Mutter Oberin bestätigt: „Wir beten ja für alle Menschen!“ Ob Stolperstein- Initiator Gunter Demnig jedoch 2015 auf dem Gelände des Karmels Mayerling einen Gedenkstein verlegen könne, weiß die Ordensschwestern noch nicht. „Vielleicht sind die Menschen überfordert, wenn Sie wegen des Kronprinzen nach Mayerling kommen, dort auf Ordensschwestern treffen und dann noch an das Schicksal des Kaplans erinnert werden“, ist ihre Sorge. Weiterlesen

Weltkriegsbeginn 1914: Dem Anlass gedacht, nicht der Opfer

Attentat von Sarajevo, Zeitungsillustration von 1914 (c) SKB

Attentat von Sarajevo, Zeitungsillustration von 1914 (c) SKB

Am 28. Juni 1914 fielen in Sarajevo die tödlichen Schüsse auf den Thronfolger Österreich-Ungarns. 100 Jahren danach ist dies Anlass genug für  viele Museen, den Weg in den Ersten Weltkrieg und das Leben der Menschen an den Fronten darzustellen. Aus der Fülle der Ausstellungen im In- und Ausland zum Thema 100 Jahre Erster Weltkrieg möchte ich neben der Online-Ausstellung der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. besonders die Ausstellung „Stahl und Moral“ im LWL Industriemuseum Hattingen, die die Geschichte der Rüstungsproduktion der Henrichshütte über zwei Weltkriege bis in die Nachkriegszeit verfolgt und die Ausstellung „Weltenbrand – Hagen 1914“ im Osthaus Museum, die den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs bis in die Gegenwart nachspürt, hervorheben.

Ich möchte aber auch auf die kleine Sonderausstellung des Heimatvereins Hattingen in seinem Museum im Bügeleisenhaus (MiBEH) zu Kriegs- und Kriegerdenkmälern hinweisen, für die ich fast 80 Erinnerungsorte für die Gefallenen von den sogenannten Einigungskriegen (1866 und 1870/71) bis zu den beiden Weltkriegen recherchiert und dokumentiert habe. Neben den Gedenktafeln und Mahnmalen auf Hattinger Stadtgebiet bebildert die Ausstellung auch die kommunalen Kriegsgräberanlagen sowie die Grabstätten für die zivilen Opfer der Kriege und die hier umgekommenen Zwangsarbeiter. Wichtig war mir zu zeigen, welche Erinnerungsorte heute nicht mehr bestehen – und aus welchen Gründen (so fern diese noch zu recherchieren waren).

Das Denkmal von 1866 auf dem Hattinger Kirchplatz. Foto: Jürgen Schröder

Das Denkmal von 1866 auf dem Hattinger Kirchplatz. Foto: Jürgen Schröder

Das am 18. Oktober 1913 im Schulenbergwald unterhalb des Bismarckturms eingeweihte Völkerschlachtdenkmal, das gleichzeitig das 25-jährige Regierungsjubiläum von Kaiser Wilhelm II. bejubelte, wurde bereits im September 1917 wieder eingeschmolzen, als während des Ersten Weltkriegs kriegswichtiges Metall für Kanonen benötigt wurde – ein heute noch nachvollziehbarer Grund. Anders liegt der Fall der Demontage des Kriegerdenkmal vor dem Bürgermeisterbüro bei der denkmalgerechten Innensanierung des Hattinger Rathauses am 24. November 2004: Der damalige Verwaltungsvorstand war der Meinung von Bündnis 90/ Die Grünen gefolgt, das Denkmal sei Ausdruck „imperialen deutschen Größenwahns“ und müsse daher entfernt werden – die Zerstörung der Tafeln, von denen heute Bruchstücke im MiBEH zu sehen sind, wurde billigend in Kauf genommen. Aber warum wurde im Februar 1969 das Königgrätzdenkmal für zwölf Gefallene von 1866 auf dem Kirchplatz abgebaut? Das umgebende Blumenbeet wurde in den 1980er Jahren abgetragen, als der Kirchplatz immer öfter als Festplatz für zahlreiche Veranstaltungen genutzt wurde. Warum die Erinnerungstafeln zunächst im Erdgeschoss des Alten Rathauses und später im Hochbunker am Reschop eingelagert wurden, konnte mir niemand mehr sagen. Weiterlesen