Mit der Taschenlampe auf der Suche nach Pferden und Fratzen

Pflanzen, Flüsse oder Berge sucht man vergebens.
Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger
Direktor Neanderthalmuseum

Höhlenbären haben ihre Krallen am unteren Rand dieser Mamuthdarstellung gewetzt. Foto: Lars Friedrich

Höhlenbären haben ihre Krallen am unteren Rand dieser Mamuthdarstellung gewetzt. Foto: Lars Friedrich

Das Stadtmuseum Hattingen zeigt bis zum Stadtmuseum aktuell 24. Januar 2016 die Ausstellung Bilder im Dunkeln – Höhlenkunst der Eiszeit. Mit der Präsentation der Fotosammlung Wendel ist nach Ötzi – der Mann aus dem Eis im Jahr 2011 zum zweiten Mal eine Prähistorik-Ausstellung aus dem Neanderthalmuseum Mettmann zu Gast in Blankenstein. Weiterlesen

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Im Berg zu Besuch: Ein Beitrag zur Blogparade #UNTERHAT

Im Vorgriff auf die nächste Sonderausstellung im Museum im Bügeleisenhaus im kommenden Jahr lädt der Heimatverein Hattingen zu einer Blogparade ein: 2015 dreht sich in dem Hattinger Museum alles um das Themas HATTINGEN UNTERTAGE. Mein Beitrag zur Blogparade #UNTERHAT trägt den Titel „Im Berg zu Besuch“.

Der Eingang zum Pfunderer Bergwerksstollen bei Villanders in Südtirol. Foto: Lars Friedrich

Der Eingang zum Pfunderer Bergwerksstollen bei Villanders in Südtirol. Foto: Lars Friedrich

Ich war im Berg zu Besuch – aber nicht in Hattingen, sondern in Südtirol. Im letzten Urlaub habe ich mir zwei Bergwerke angeschaut, die mich sehr beeindruckt haben: den Pfunderer Bergwerksstollen bei Villanders und die BergbauWelt Ridnaun Schneeberg. Was die beiden unterirdischen Locations vom Bergbau meiner Heimatregion NRW unterscheidet: die Knappen suchten in den Bergen nicht nach Kohle, sondern nach Erzen. Das war zwar nicht weniger ungesund und knochenbelastend als das Schürfen von Kohle, aber die unterirdischen Felsengänge mussten nicht abgestützt werden und schlagende Wetter drohten auch nicht.

Die BergbauWelt Ridnaun Schneeberg verfügt über die komplett erhaltene Produktionskette eines Bergwerks. Die Anlagen zum Abbau, Transport und zur Aufbereitung erstrecken sich vom Bereich auf etwa 1400 m bis auf 2700 m Höhe. Foto: Lars Friedrich

Die BergbauWelt Ridnaun Schneeberg verfügt über die komplett erhaltene Produktionskette eines Bergwerks. Die Anlagen zum Abbau, Transport und zur Aufbereitung erstrecken sich vom Bereich auf etwa 1400 m bis auf 2700 m Höhe. Foto: Lars Friedrich

Der erste Besuch unter Tage führte mich zunächst einmal auf einen Berg: Das Erzlager des Südtiroler Schneeberges zieht sich in einer Meereshöhe von 2.000 bis 2.500 Meter durch den Bergkamm, der das Ridnauntal vom Passeiertal trennt. Ganz so hoch war ich aber dann doch nicht, denn meine Visite galt der Erzaufbereitung auf 1.400 Metern in Ridnaun. Von dort fuhren die Knappen ab den 1960er Jahren mit einer Schwebebahn bis auf Höhe 2.000 und anschließend mit der Grubenbahn durch den Poschhausstollen zum Erzlager. Und hier wurde das gebrochene Gestein auch aufbereitet – ab 1925 wurden Silber, Blei und Zinkblende teilweise mit hochgiftigen Stoffen vom tauben Gestein getrennt. Die giftige Chemie für diesen Flotationsprozess (Phenole, Cyanide, Salze und Öle) wurden einfach in den Wildbach entsorgt… Weiterlesen

Stahl und Moral auf der Hütte: Leben retten, Leben auslöschen

Am 1. September 1939 – morgen vor 75 Jahren – begann mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Er kostete in sechs Jahren knapp 60 Millionen Menschen das Leben. Noch bis zum 9. November blickt das LWL- Industriemuseum Hattingen in einer Sonderausstellung auf die Geschichte der Hütte als Rüstungsbetrieb zurück. Moralische und technische Deutungen werden einander gegenüber gestellt. Als Ausstellungsobjekt habe ich dem Museum einen Metalllöffel zur Verfügung gestellt. Mein Vater hatte ihn in amerikanischer Gefangenschaft geschenkt bekommen.

Stahl rettet Leben, Stahl zerstört Leben - zwei Exponate der Ausstellung "Stahl und Moral" in Hattingen. Foto: Lars Friedrich

Stahl rettet Leben, Stahl zerstört Leben – zwei Exponate der Ausstellung „Stahl und Moral“ in Hattingen. Foto: Lars Friedrich

Mein Vater Kurt Friedrich (1926 – 2005) geriet zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Frankreich in Kriegsgefangenschaft. Dem 19jährigen PG (Prisonnier de Guerre) schenkte in Bazancourt an der Marne ein US-Soldat einen Metalllöffel, so dass er wenigstens die dünne Wassersuppe halbwegs zivilisiert essen konnte (so hat er es erzählt). Dieser Löffel wird nun am Eingang zur Sonderausstellung „Stahl und Moral“ auf der Hütte gezeigt, wo mein Vater nach der Gefangenschaft als technischer Zeichner tätig war. Weiterlesen

Sonderausstellungen preiswerter Stadt stellt Museumskonzept vor

Am 15. Dezember 2011 gab der Rat der Stadt Hattingen unserem Stadtmuseum eine neue Entgeltordnung: Der Eintritt zur Dauerausstellung sollte zukünftig frei sein, und für die Wechselausstellungen wurde ein Entgelt von 4 Euro festgesetzt. Hintergrund der damaligen Entscheidung: die interkommunalen Zusammenarbeit zwischen dem Märkischen Museum Witten und dem Stadtmuseum Hattingen und die „hohe Wertigkeit der Kooperationsausstellungen“. Nun wird die Museumsehe beendet und der Zutritt zu Sonderausstellungen soll zum 1. März 2015 auch wieder 2 Euro kosten.

Das Stadtmuseum Hattingen setzt künftig auf lokale Vernetzung. Foto: Lars Friedrich

Das Stadtmuseum Hattingen setzt künftig auf lokale Vernetzung. Foto: Lars Friedrich

„Free admission“ steht am Eingang des British Museum in London – so wie an den meisten Museen der britischen Hauptstadt. Und auch die meisten Gedenkstätten, regionale und historische Museen sowie Sammlungen unserer Hauptstadt gewähren generell freien Eintritt. In Hattingen gilt das seit 1. Februar 2012 für den Zugang zur stadtgeschichtlichen Dauerausstellung im Blankensteiner Museum. Doch für einen Besuch einer Sonderausstellung wurden seit der Zusammenarbeit mit dem Wittener Museum 4 Euro fällig. Das will die Verwaltung ändern und schlägt wieder 2 Euro vor, denn: „Hinsichtlich der Auswirkung auf die Einnahmesituation des Stadtmuseums wird davon ausgegangen, dass der negative Trend durch die Änderung der Entgeltordnung und der Öffnung des Museums für ein breiteres Publikum nicht nur gestoppt werden kann, sondern sich die Einnahmesituation positiv entwickelt.“ Führungen sollen künftig 30 statt bisher 25 Euro kosten.

Ein Blick in die Dauerausstellung des Stadtmuseums. Foto: Lars Friedrich

Ein Blick in die Dauerausstellung des Stadtmuseums. Foto: Lars Friedrich

Die „Öffnung des Museums für ein breites Publikum“ soll, so die Verwaltung im neuen Museumskonzept, die derzeitige Museumspädagogin des Hauses als neue Museumsleiterin vorantreiben, unterstützt von Honorarkräften. Sie sollen gemeinsam neue Ausstellungsmöglichkeiten erschließen: Kunsthochschulen könnten Abschlussarbeiten präsentieren, im „Jungen Museum“ sollen die Kunst-Leistungskurse der Hattinger Schulen ausstellen und Wettbewerben mit regionalen Künstlerinnen und Künstlern könnten Arbeiten hervorbringen, die (ausgewählt durch eine externe Jury) in einer Ausstellung präsentiert werden können. Weiterlesen

Archäologiemuseum in Herne zeigt das weiße Gold der Kelten

Für die Steinzeitausstellung 2012 im Museum im Bügeleisenhaus hatte ich das Keltenmuseum auf dem hessischen Glauberg und das Naturhistorische Museum Wien besucht und meine Erinnerung an die Salzburger Landesausstellung „Die Kelten in Mitteleuropa“ 1980 im Keltenmuseum Hallein aufgefrischt. Aber nach der ausgezeichneten Landesausstellung „Die Welt der Kelten“ im Landesmuseum Württemberg 2012/2013 dachte ich, dass es so schnell keine neuen Ausstellungen über die Kelten geben würde. Weit gefehlt: Das LWL- Archäologiemuseum Herne zeigt bis mindestens 25. Januar 2015 die sehenswerte Wanderausstellung „Das weiße Gold der Kelten – Schätze aus dem Salz„.

Tragsack aus Rinderhaut, 13. Jh. v. Chr.  und Kappe aus Hallstatt. Foto: Lars Friedrich

Tragsack aus Rinderhaut, 13. Jh. v. Chr. und Kappe aus Hallstatt. Foto: Lars Friedrich

1577 sowie 1616 und 1734 wurden im Salzkammergut in den Gruben des Hallstätter Salzbergwerkes drei mumifizierte prähistorische Bergmänner gefunden. Die Geschichte vom „Mann im Salz“ faszinierte mich bereits als Kind. Da die drei mumifizierten Kelten statt in die Laboren der Wissenschaft ziemlich schnell auf den Friedhof der heute 327 Einwohner zählenden Gemeinde wanderten, konnte ich mir die Bergleute nur in meiner Fantasie vorstellen. Dank der Ausstellung in Herne, die 250 teilweise erstmals in Deutschland gezeigte Objekte aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien präsentiert (dort werden bis Frühjahr 2015 die Prähistorik-Säle renoviert und die Schauobjekte stehen zur Verfügung), kenne ich nun auch das Toilettenpapier jener Bergleute aus Oberösterreich – die Blätter der Pestwurz. Nach den sensationellen Funden aus dem Gräberfeld von Hallstatt (seit den ersten Ausgrabungen im 19. Jahrhundert sind dort 1.500 Gräber freigelegt worden, Tausende weiterer schlummern noch im Boden) erhielt diese Kulturepoche (8. bis 4. Jh. v. Chr.) übrigens den Namen „Hallstattkultur“.

Rund 200.000 Euro hat das Archäologiemuseum die Wiener Wanderausstellung "Das weiße Gold der Kelten - Schätze aus dem Salz" gekostet. Foto: LRF/HAT

Rund 200.000 Euro hat das Archäologiemuseum die Wiener Wanderausstellung „Das weiße Gold der Kelten – Schätze aus dem Salz“ gekostet. Foto: LRF/HAT

Die hölzerne Treppe, mit der die Bergleute in die Tiefe der Schächte in Hallstatt vordrangen, ist eines der ungewöhnlichsten Ausstellungsstücke in Herne. 2003 in einem Hohlraum in 100 Metern Tiefe entdeckt, musste die Stiege unter großem Zeitdruck geborgen werden, da der Druck der umgebenden Bergmassen die Kammer zu zerstören drohte. Aus technischer Sicht ist die Stiege (ihr Holz wurde Holz zwischen 1344 und 1343 v. Chr. geschlagen) eine Meisterleistung. „Sie lässt sich nach einem Baukastensystem in Einzelteile zerlegen und damit problemlos transportieren“, ist Museumsleiter Dr. Josef Mühlenbrock begeistert, der sich bei seinem Sommerurlaub in der UNESCO-Welterbestätte im Juni untertage den Originalfundort in Österreich angeschaut hatte. In Herne sind Teile der Stiege im Original und die gesamte Treppe als begehbare Rekonstruktion zu sehen. Weiterlesen