Der 8. April ist Welt-Roma-Tag

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich in den 1970er Jahren erstmals bewusst mit der Gruppe der Roma mehr oder weniger in Berührung kam. 1977 lief sonntags im Kinderprogramm die zehnteilige Jugendserie „Mond Mond Mond“ nach dem Buch von Ursula Wölfel. In der Geschichte geht es um die Roma-Mädchen Pimmi und Nauka, die ihre Familie verloren haben. Während sie hoffen, dass ihnen der Mond den Weg zeigt, helfen sie dem wunderlichen alten Panelon auf der Suche nach den roten Felsen. Besonders fasziniert hat mich damals, dass die Geschichte eigentlich ein Marionettentheaterstück war…

Flagge der Roma, angenommen auf dem Ersten Welt-Roma-Kongress am 8. April 1971, an den jährlich mit dem Internationalen Tag der Roma erinnert wird.

Flagge der Roma, angenommen auf dem Ersten Welt-Roma-Kongress am 8. April 1971, an den jährlich mit dem Internationalen Tag der Roma erinnert wird.

Welt-Roma-Tag

Warum ich dies schreibe? Ein aktueller Anlass: Der morgige Samstag wird in vielen Ländern als Welt-Roma-Tag gefeiert.  Am 8. April 1971 fand der erste Welt-Roma-Kongress in London statt. Auf dem Kongress sprachen sich die Delegierten für die Selbstbezeichnung „Roma“ anstelle von anderer diskriminierender Fremdbezeichnungen aus und einigten sich auf eine gemeinsame Flagge und Hymne. Heute leben Sinti und Roma auf allen Kontinenten, die meisten von ihnen in Europa. Hier stellen sie mit rund 12 Millionen Angehörigen die größte ethnisch-kulturelle Minderheit dar; nach aktuellen Schätzungen leben etwa 35.000 deutsche Sinti und Roma in Nordrhein-Westfalen. Doch nicht Roma und Sinti bestimmen das Bild dieser Minderheit in der Öffentlichkeit, sondern vorherrschende Klischees. Und Orte öffentlicher Aufklärung, Erklärung oder Erinnerung sind rar gesät. Und richtig viel weiß ich über die Roma heute auch noch nicht – leider.

Altstadtfestplakat-Harlekin

Am 2. August 2001 wurde der Öffentlichkeit im Staatlichen Museum Auschwitz eine ständige Ausstellung zum nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma übergeben. Gestaltet wurde die Ausstellung in Block 13 des ehemaligen Stammlagers von dem Grafiker Wieland Schmied, der bereits 1997 die Ausstellung im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg erstellte und den die Hattinger als „Vater“ des Altstadtfestplakat-Harlekins kennen. Weiterlesen

Wieder ein Mayerling-Buch: Aber der Herr D. ist nicht der Prinz M.

Heute also ist es mal wieder soweit: Pflichterinnerung an einen der dunkelsten Tage des österreichischen Kaiserhauses, denn am 30. Jänner 1889 starb im niederösterreichischen Mayerling der Erzherzog Kronprinz Rudolf, einziger Sohn von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Der Skandal: Neben dem toten Thronfolger fand man – ebenfalls tot – die erst 17-jährige Baronesse Marie von Vetsera. Dank ungeschickter Vertuschungs- und Geheimhaltungsaktivitäten zu dieser zweiten Leiche war schnell der Mythos Mayerling geboren, der auch 127 Jahre später noch immer Hobbyforscher und Fachautoren beschäftigt…

Das Buch "Mayerling 1889" mit einer meiner Leihgaben, einem Aschenbecher aus dem Jagdschloss des Kronprinzen. Foto: LRF

Das Buch „Mayerling 1889“ mit einer meiner Leihgaben, einem Aschenbecher aus dem Jagdschloss des Kronprinzen. Foto: LRF

Der Kunst- und Kulturhistoriker Dr. Hannes Etzlstorfer stellt in einem jetzt erschienenen Bildband zur Causa Mayerling nicht nur übersichtlich und informativ die bekannten Fakten und Hintergründe dar, die zur Tragödie von 1889 geführt haben. Als Kurator der Ausstellung auf dem Gelände des einstigen kronprinzlichen Privat-Schlosses in Mayerling hatte er auch Zugang zu Bild- und Archivmaterial, von dem vieles nun zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Weiterlesen

Neues zu Luther: 461 Tauben und ein verwachsener Gedenkstein

Bereits im Oktober des vergangenen Jahres habe ich mich in Hattingen auf Spurensuche begeben: Wo finden sich im Jahr des Reformationsjubiläums in unserer Stadt Erinnerungen an Martin Luther? Heute kann ich den Artikel aktualisieren: Zwei Station kommen zum Luther-Stadtplan neu hinzu.

Der von der Luther-Eiche überwachsene Gedenkstein an der Ev. Kirche in Niederwenigern. Foto: Lars Friedrich

Der von der Luther-Eiche überwachsene Gedenkstein an der Ev. Kirche in Niederwenigern. Foto: Lars Friedrich

Ulrich Bäumer hat mich auf die Luther-Eiche im Stadtteil Niederwenigern hingewiesen. Direkt gegenüber dem Eingang der Evangelischen Kirche steht dort eine prächtige Eiche, die 1883 anlässlich des 400-jährigen Geburtstages von Martin Luther (10.11.1483) gepflanzt wurde. Kurios: Der Erinnerungsstein am Fuße des Baumes ist schon zum Teil vom Stamm der Eiche überwachsen, seine Inschrift nur noch zum Teil lesbar. Weiterlesen

Kapelle, Glocke, Fenster, Straße: Hattingen und Dr. Martin Luther

Am 31. Oktober 2016 wird in Berlin bundesweit das Reformationsjubiläum mit einem Festgottesdienst in der Marienkirche und einem anschließenden Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt eröffnet. Bereits ab dem kommenden Samstag, 29. Oktober, zeigt das Museum im Bügeleisenhaus in Hattingen die für Religionskurse ebenso wie für Kirchengruppen sicher interessante Ausstellung „#HereIstand. Martin Luther, die Reformation und die Folgen“. Mit Hilfe moderner Infografiken, gestaltet durch die Berliner Agentur Golden Section Graphics GmbH, zeigt und erklärt die Ausstellung die wichtigsten Stationen der Reformationsgeschichte und ihre Auswirkungen bis heute.

Playmobil-Luther vor Luther-Kapelle. Zur Ausstellung im Museum im Bügeleisenhaus wird ab dem 3. November 2016 eine fast lebensgroße XXL-Playmobilfigur des Reformators am Haldenplatz stehen. Foto: Lars Friedrich/Hattingen

Playmobil-Luther vor Luther-Kapelle. Zur Ausstellung im Museum im Bügeleisenhaus wird ab dem 3. November 2016 eine fast lebensgroße XXL-Playmobilfigur des Reformators am Haldenplatz stehen. Foto: Lars Friedrich/Hattingen

Dr. Martin Luther und Hattingen? Das ist kein abendfüllendes Thema. Zwar hat sich die Reformation ab etwa 1580 im ganzen Hattinger Land allmählich durchgesetzt (nur in Blankenstein und Niederwenigern bleiben weiterhin katholische Gemeinden bestehen) und die Abhängigkeiten zum Kloster Deutz werden nach und nach abgebaut, doch heute erinnert in unserer Stadt nur Weniges an den Reformator. Für die Sonderausstellung „Here I stand“ im Museum im Bügeleisenhaus habe ich mir mal „Luther in Hattingen“ angeschaut.

Um die an den Sozialdemokraten Bebel erinnernde Straße verschwinden zu lassen benannten die Nazis diese in "Im Reschop" um - und nannten den bisherigen Reschop kurzerhand Martin-Luther-Straße. Karte (ca. 1937): Stadtarchiv Hattingen

Um die an den Sozialdemokraten Bebel erinnernde Straße verschwinden zu lassen benannten die Nazis diese in „Im Reschop“ um – und nannten den bisherigen Reschop kurzerhand Martin-Luther-Straße. Karte (ca. 1937): Stadtarchiv Hattingen

Die Martin-Luther-Straße. Durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 12. April 1933 wurde die 1922 so gewidmete Straße „Im Reschop“ zur Martin-Luther-Straße – gleichzeitig benannte die nationalsozialistische Stadtverwaltung die alte Bebelstraße in „Im Reschop“ um. In das Jahr der Machtergreifung 1933 fiel nämlich der 450. Geburtstag Luthers. Schon 1923 hatte Hitler beim Parteitag der NSDAP Luther zum Vorbild für sein Führerprinzip stilisiert: Der Reformator habe seinen Kampf gegen „eine Welt von Feinden“ damals ohne jede Stütze gewagt. Und in seinem Buch „Mein Kampf“ erwähnte Hitler Luther neben Friedrich dem Großen und Richard Wagner als „großen Reformatoren“. Weiterlesen

Zwangsarbeitergräber nach 2 Jahren weiter ohne Grabsteine

Bereits im Juni 2014 hatte ich darüber berichtet, dass auf zwei Hattinger Friedhöfen insgesamt 62 Grabsteine für dort bestattete Zwangsarbeiter entsorgt wurden. Damals darauf angesprochen, wollte die Stadtverwaltung nach einer Lösung suchen.

Das Ehrenmal auf dem Kommunalfriedhof an der Waldstraße mit den Grabsteinen der dort beigeetzten Zwangsarbeiter vor dem Jahr 2002. Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

Das Ehrenmal auf dem Kommunalfriedhof an der Waldstraße mit den Grabsteinen der dort beigeetzten Zwangsarbeiter vor dem Jahr 2002. Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

Zur Erinnerung: Die Grabsteine, so teilte mir die Stadt damals auf Nachfrage mit, seien „ca. 2002“ nach einem Ortstermin mit einem Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge wohl aufgrund schlechter Lesbarkeit der Namen entfernt worden, um das Feld mit den Einzelgräbern in eine leicht zu pflegende Rasenfläche umzugestalten. Die Platten wurden damals hinter der Materialgarage des Friedhofs Waldstraße gestapelt und dort verlor sich ihre Spur… Weiterlesen