Zwangsarbeitergräber nach 2 Jahren weiter ohne Grabsteine

Bereits im Juni 2014 hatte ich darüber berichtet, dass auf zwei Hattinger Friedhöfen insgesamt 62 Grabsteine für dort bestattete Zwangsarbeiter entsorgt wurden. Damals darauf angesprochen, wollte die Stadtverwaltung nach einer Lösung suchen.

Das Ehrenmal auf dem Kommunalfriedhof an der Waldstraße mit den Grabsteinen der dort beigeetzten Zwangsarbeiter vor dem Jahr 2002. Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

Das Ehrenmal auf dem Kommunalfriedhof an der Waldstraße mit den Grabsteinen der dort beigeetzten Zwangsarbeiter vor dem Jahr 2002. Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

Zur Erinnerung: Die Grabsteine, so teilte mir die Stadt damals auf Nachfrage mit, seien „ca. 2002“ nach einem Ortstermin mit einem Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge wohl aufgrund schlechter Lesbarkeit der Namen entfernt worden, um das Feld mit den Einzelgräbern in eine leicht zu pflegende Rasenfläche umzugestalten. Die Platten wurden damals hinter der Materialgarage des Friedhofs Waldstraße gestapelt und dort verlor sich ihre Spur… Weiterlesen

Advertisements

Als per Kleinanzeige der letzte Brief Rudolfs verkauft wurde…

„… Excellenc Hoyos, ich lasse ihn grüßen und bitten nicht zu telegraphieren;
er soll um einen Geistlichen nach Hl. Kreuz schicken, damit in der Nacht
gebetet wird. Die Baronin lässt Graf Hoyos auch grüßen; er soll nachdenken,
was er ihr beim Prinz Reuß über die Jagd in Mayerling gesagt hat.“

Auszug aus dem Abschiedsbrief des Kronprinzen Rudolf
an seinen Diener Johann Loschek
Habsburg-Lothringen´sches Familienarchiv, Wien

Rudolfs letzte Zeilen an seine Gattin (Signatur Autogr. 1121/35-3 | Samml.: Han (-> HAD), Inv.-Nr H 29/87 ) ÖNB

Rudolfs letzte Zeilen an seine Gattin (Signatur Autogr. 1121/35-3 | Samml.: Han (-> HAD), Inv.-Nr H 29/87 ) ÖNB

Jüngst wurden die Abschiedsbriefe der Baroness Mary Vetsera, die am 30. Januar 1889 zusammen mit dem österreichischen Kronprinzen Rudolf tot in dessen Jagdschloss in Mayerling aufgefunden wurde, im Tresor der Wiener Schoeller-Bank entdeckt, was nicht verwundert: Helene Vetsera hatte beim Bankhaus Schoeller & Co. nicht nur ein Wertpapierdepot der N.Ö. Eskompte Gesellschaft, sie setzte 1921 auch Richard von Schoeller als Testamentsvollstrecker ein. Über ihn gelangten 1925 nach dem Tod der Baronin die Dokumente wohl ins Bankhaus und entgingen der Vernichtung durch den früheren Leiter der Spanischen Hofreitschule, Graf Rudolf van der Straten-Ponthoz, der auf Bitten von Helenes Schwiegertochter Margit zahllose Familienpapiere verbrannte.

Aber nicht nur die Abschiedsbriefe der Baroness, auch die letzten bekannten Handschriften des Kronprinzen haben eine bewegte Geschichte. Zwar haben wir von 20 „letzten“ Mitteilungen des Kronprinzen mehr oder minder Kenntnis, doch sind faktisch aus der Hand des Erzherzogs nur vier Dokumente erhalten, die zu seinem Abschiedsbriefen zählen: der 1935 im Faksimile veröffentlichte Brief an Kronprinzessin Stephanie, ein 1958 faksimiliert veröffentlichter Brief plus Kodizill an Ladislaus Szögyény-Marich (wohl seit 1945 im Besitz der Familie Rothschild), ein Telegramm an Erzherzog Friedrich in der Handschriftensammlung der Szechényi-Nationalbibliothek Budapest und ein Brief an Kammerdiener Johann Loschek, der im Habsburg-Lothringen´schen Familienarchiv in Wien verwahrt wird. Darüber hinaus  belegten Briefe an Erzherzogin Marie Valerie, Baron Hirsch und an Maria „Mizi“ Caspar wurden bislang nicht aufgefunden.

Besonders spannend ist der Weg des undatierten letzten Briefes, den Rudolf an seine Frau Stephanie geschrieben hatte. Weiterlesen

Hattingen gedenkt der Shoah העיר שלנו מנציחה את השואה

Wir alle wissen, dass das Leid, das Millionen Männern und Frauen zugefügt wurde,
nicht wieder gut gemacht werden kann. Die Überlebenden wollen,
dass ihr Leid
als Leid anerkannt und dass das Unrecht,
das ihnen angetan worden ist,
Unrecht genannt wird.
Johannes Rau
8. Bundespräsident Deutschlands

Detail vom jüdischen Friedhof an der Blankensteiner Straße. Foto: Lars Friedrich

Detail vom jüdischen Friedhof an der Blankensteiner Straße. Foto: Lars Friedrich

Am 9. November gedenkt die Welt der Shoah, dem zwischen 1941 und 1945 systematisch und mit industriellen Methoden durchgeführten Völkermord an bis zu 6,3 Millionen europäischen Juden in Nazideutschland. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gab es im gesamten Reich gewaltsame Übergriffe auf jüdische Mitbürger und deren Eigentum. In Hattingen wurde die jüdische Synagoge an der Bahnhofstraße von den Nationalsozialisten niedergebrannt, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden geplündert. Bürgermeister Dirk Glaser wird aus diesem Anlass am Montag, 9. November 2015, um 17 Uhr am Synagogenplatz mit Vertreterinnen und Vertretern des Integrationsrates und des Moschee-Vereins einen Kranz niederlegen. Ich möchte heute daran erinnern, dass auch jüdischen Friedhöfe am 9. November geschändet wurden. Weiterlesen

Texte wie brennende Kohle: Vor 50 Jahren starb O. Wohlgemuth

Wer kennt heute noch August Heinrich Gustav Otto Wohlgemuth? Fast scheint es, als habe seine Heimatstadt den Arbeiter- und Heimatdichter vergessen:  Ein kurzer Weg an der Nordstraße und sein Ehrengrab auf dem Kommunalfriedhof an der Waldstraße erinnern noch an den Bergmann, über dessen Texte der Literatur-Nobelpreisträger Gerhard Hauptmann (1862-1946) gesagt haben soll, der Hattinger habe eine Ausdrucksform gefunden, in der „etwas lodere wie brennende Kohle“.

Beisetzung von Otto Wohlgemuth am Mittwoch, den 18. August 1965, auf dem Kommunalfriedhof an der Waldstraße. Foto: Heimatverein

Beisetzung von Otto Wohlgemuth am Mittwoch, den 18. August 1965, auf dem Kommunalfriedhof an der Waldstraße. Foto: Heimatverein

Am Samstag, 15. August 2015, erinnert der Heimatverein Hattingen öffentlich an sein Ehrenmitglied Otto Wohlgemuth, der vor 50 Jahren im Bügeleisenhaus am Haldenplatz verstarb: Um 11.30 Uhr lege ich in meiner Funktion als Vereinsvorsitzender zusammen mit Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch an Wohlgemuths Ehrengrab auf dem Kommunalfriedhof einen Kranz nieder – ehemalige Knappen im Bergkittel halten, wie schon bei seiner Beisetzung, die Ehrenwache. Die kurze Gedenkveranstaltung ist öffentlich, Gäste sind willkommen.

Otto Wohlgemuths Geburtshaus an der Langenberger Straße 5. Foto: Werth/Sammlung Heimatverein

Otto Wohlgemuths Geburtshaus an der Langenberger Straße 5. Foto: Werth/Sammlung Heimatverein

Otto Wohlgemuth wurde am 30. März 1884 als sechstes von 13 Kindern einer Bergarbeiterfamilie in einem nicht mehr existierenden Fachwerkhaus an der Langenberger Straße in Hattingen geboren. Er verlebte seine Kinder- und Volksschulzeit in ärmlichsten Verhältnissen in Hattingen. 1898 zog die Familie ins benachbarte Linden um, wo Otto die Volksschule abschloss und eine Lehre als Former in der Wolffschen Eisengießerei begann. Bereits 1900 brach er die Lehre ab, um im besser bezahlten Bergbau auf der Zeche Friedlicher Nachbar zu arbeiten. Dies wurde für ihn in vielerlei Hinsicht ein prägender Lebensabschnitt: Er begann, eigene Erlebnisse in Wort und Bild auszudrücken. Parallel zu seiner Arbeit unter Tage schulte Wohlgemuth autodidaktisch seine dichterischen und künstlerischen Talente. Dies erschienihm als die einzige Möglichkeit, aus seiner Stellung heraus Zugang zum Bürgertum zu finden. Entsprechend dem bürgerlichen Bildungsideal setzte er sich mit klassischer Musik, Theater, Literatur und den großen Meistern der Kunst auseinander.

Wohlgemuth im Bügeleisenhaus. Sein Lehnstuhl wird derzeit in der Bergbnau-Ausstellung gezeigt. Foto: Heimatverein

Wohlgemuth im Bügeleisenhaus. Sein Lehnstuhl wird derzeit in der Bergbnau-Ausstellung gezeigt. Foto: Heimatverein

Wohlgemuth arbeitete bis 1923 als Bergmann, nur kurz unterbrochen von einer Tätigkeit als Bürogehilfe. 1923 gab er den Beruf des Bergmanns endgültig auf und fand in Gelsenkirchen-Buer eine Anstellung als Bibliothekar in der Stadtbibliothek. Am 1. Juni 1929 wurde er offizieller Leiter der Volksbücherei Gelsenkirchen. Seine  umfassende und anstrengende Tätigkeit für die Bibliothek, in der er auch Vorträge, Lesungen und Kunstausstellungen organisierte,ließ seine literarische Tätigkeit  vorübergehend in den Hintergrund treten. 

Das dichterische Gesamtwerk Otto Wohlgemuths umfasst Prosa und Lyrik. Dabei überwiegt der Anteil der aus eigenen Erlebnissen entstandenen Bergmannsgedichte bei weitem. Anschaulich und zuweilen pathetisch beschrieb der Bergmann in seinen Gedichten und kurzen Erzählungen die Gefahren und extremen Arbeitsbedingungen, denen die unter Tage tätigen Männer Tag für Tag ausgesetzt waren. Wohlgemuth wusste seine Leser besonders dadurch zu beeindrucken, dass er die Sprache der Bergleute kannte und sprach. Weiterlesen

Wiedergefunden: Letzte Briefe der Baroness Marie von Vetsera

Ich freue mich: In Wien wurden jetzt drei Abschiedsbriefe der Baroness Mary Vetsera gefunden, die 1889 im niederösterreichischen Mayerling gemeinsam mit Sisis-Sohn, Kronprinz Rudolf, starb. Aber ich staune auch über den Fund in der Schoellerbank, denn erst im vergangenen Jahr hatte ich nach einem anonymen Hinweis auf das Legat dort nachgefragt. Seinerzeitige Antwort: Von den Vetseras haben wir hier nichts!

Abschiedsbrief von Mary Vetsera an ihre Mutter. Foto: Schoellerbank

Abschiedsbrief von Mary Vetsera an ihre Mutter. Foto: Schoellerbank

Im Safe der Schoellerbank wurde jetzt aber bei einer Archivrevision ein besonderes Verwahrstück entdeckt: Ein 1926 deponierter brauner Ledereinband enthielt eine Reihe von geschichtsträchtigen Dokumenten, die bis dato als vernichtet galten. Besonders bemerkenswert: die Abschiedsbriefe von Mary Vetsera aus Mayerling an die Mutter Helene, die Schwester Hanna und den Bruder Feri, die sich in einem Originalkuvert mit Siegeln des Kronprinzen Rudolf befanden.

Der Wortlaut dieser Abschiedsbriefe war bisher nur zum Teil aus der Denkschrift ihrer Mutter Helene und einem Artikel im „Figaro“ vom 8. Februar 1889 bekannt. Nach meiner Recherche befanden sich die drei Briefe ursprünglich in einem von Kronprinz Rudolf an Helene Vetsera handschriftlich adressierten und gesiegelten Umschlag in Mayerling und wurden von Graf Stockau überbracht; der Kaiser verlangte die Briefe nach einer ersten Durchsicht zurück, gab sie dann jedoch an Helene Vetsera zurück. Bislang wurde angenommen, die Briefe wären auf Wunsch von Helene Vetsera nach ihrem Tode 1925 durch Rudolf Graf van der Straten-Ponthoz Graf (geb. am 28.02.1877, gest. am 15.05.1961) vernichtet worden. Den nun aufgetauchten Originalen kommt daher ein ganz besonderer Stellenwert für die historische Forschung zu. Weiterlesen