Fakten statt Heile-Welt-Bilder: Stadt sollte zur Haushaltssperre auch online besser informieren

Nachdem heute die WAZ im Lokalteil auflistet, wo die Stadtverwaltung auf Grund des Drei-Millionen-Euro-Lochs im Sozialetat künftig sparen muss, fehlen mir noch wichtige Informationen zu den Auswirkungen des Sparplanes. Warum nutzen zum Beispiel Bürgermeister Dirk Glaser (nennt keine Abonnentenzahl im Steckbrief) und die Stadt Hattingen (1.719 Abonnenten*) nicht ihren Facebook-Auftritt (oder alternativ die Stadthomepage hattingen.de) und erklären uns dort, wie sich die Haushaltssperre für die Bürger im Alltag  auswirken wird/ könnte?**

Screenshot WAZ Hattingen, Samstag, 08.07.2017

Screenshot WAZ Hattingen, Samstag, 08.07.2017

Was bedeuten 15.500 Euro weniger für Kulturveranstaltungen, 15.500 weniger fürs Stadtmuseum, 13.000 weniger für Sportförderung oder 2.400 Euro weniger für die Freiwilligenagentur? Stattdessen stellt die Stadt auf Facebook fast ausschließlich Fotos Marke „Heile Welt“ mit dem belanglosen Text „Guten Morgen Hattingen!“ ins Netz. So wird meiner Meinung nach das Online-Potential nicht ausgenutzt.

Aber auch SPD Hattingen (302 Abonnenten*), Grüne Hattingen (150 Abonnenten*) und FDP Hattingen (98 Abonnenten*) lassen auf ihren Facebook-Fanseiten bisher nichts zur Haushaltssperre und deren Auswirkungen verlauten. Nur die Linke-Piraten Hattingen (88 Abonnenten*) und die CDU Hattingen (233 Abonnenten*) hatten schon früh das Thema Haushaltssperre auf FB aufgegriffen – allerdings ohne konkrete Hinweise auf die Auswirkungen (ich hoffe, zwischen #Ehefüralle, lustigem Paddeln auf der Ruhr und Papierverzicht in der Verwaltung auf den jeweiligen Facebookseiten nichts überlesen zu haben).

Die Stadt Witten (1.790 Abonnenten*) und ihre Bürgermeisterin Sonja Leidemann (886 Abonnenten*) und Herdeckes Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster (nennt keine Abonnentenzahl im Steckbrief) scheinen zumindest online näher am Bürger zu sein – dort kann man schon seit vielen Wochen verfolgen, wie Kommunen und Mandatsträger die sozialen Medien zur Bürgerinformation clever einsetzen.

Wer jetzt meint, die Kommunikation über die sozialen Medien sei hier völlig überbewertet, kann sicher gerne der Stadtverwaltung die Frage stellen, warum sie nicht zu einer klassisch-analogen Informationsveranstaltung einlädt, um dort auf Augenhöhe mit den Bürgern zum Beispiel über die jetzt gestrichene Wertschätzung durch Blumensträuße für betagte Senioren zu sprechen? Hier könnte der Bürgermeister auch gleich mit seiner angekündigten Spendensammlung starten. Von mir bekommt er am kommenden Montag auf jeden Fall 150 Euro für die ersten Blumensträuße. Versprochen!

* Die Zahlen der Abonnenten basieren auf den Angaben auf den jeweiligen Facebook Profil- oder Fanseiten am Samstag, 8. Juli 2017, 12.00 Uhr.
** Seit dem 12.07.2017 informiert die Stadt auf der Homepage sowie auf Facebook mit dem nachstehend verlinkten Videobeitrag über die Haushaltslage.

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