Nikolaus und die Bari-Öhrchen: Auf der AIDAvita in der Adria (3)

Unter den Olivenbäumen schüttet Licht die Samen aus,
Mohn erscheint und flackert wieder,
fängt das Öl und brennt es nieder,
und das Licht geht nie mehr aus.
Ingeborg Bachmann
In Apulien, 1955

In diesen engen Gassen wird die Nationalpasta Apuliens hergestellt: Orecchiette da Bari. Foto: Lars Friedrich

In diesen engen Gassen wird die Nationalpasta Apuliens hergestellt: Orecchiette da Bari. Foto: Lars Friedrich

„Neapel sehen und sterben“ hat Johann Wolfgang von Goethe während seiner Italienreise formuliert. Ich sage: Bari sehen und wiederkommen! Die zweite Hafenstadt unserer Adria-Kreuzfahrt auf der AIDAvita hat mich sehr beeindruckt.

Häuser an der Piazza Federico II di Svevia gegenüber dem schwäbischen Castell. Foto: Lars Friedrich

Häuser an der Piazza Federico II di Svevia gegenüber dem schwäbischen Castell. Foto: Lars Friedrich

Hätte mich vorher jemand gefragt, ob ich Nudel von der Straße esse, hätte ich unwissend aber bestimmt verneint – nach diesem wunderschönen Tag in Bari, der 322.800 Einwohner zählenden Hauptstadt der Region Apulien (Puglia), sage ich aber auf jeden Fall „sì“, denn das Beste was einem in dieser bedeutenden Hafen- und Universitätsstadt passieren kann, sind Nudeln von der Straße mit Cime di Rape.

Die engen Gassen von Bari sind Wohnzimmer, Küche und Vorgarten zugleich. Foto: Lars Friedrich

Die engen Gassen von Bari sind Wohnzimmer, Küche und Vorgarten zugleich. Foto: Lars Friedrich

Was steckt dahinter? Zwischen der Piazza Ferrarese und Mercantile formen in vielen Gassen der Altstadt Frauen jeden Alters an jedem schönen Tag Orecchiette da Bari – Nudeln aus emola di grano duro (Hartweizengrieß) in der Form kleiner Ohren. Die Damen produzieren in erster Linie für den eigenen Kochtopf, doch beliefern sie auch die örtliche Gastronomie mit den Produkten der Nudelgassen. In der kleinen Bar „I Templari“ an der Piazza Federico II di Svevia probierten wir in unterschiedlichen Varianten für schmale 9 Euro die leckere Pasta, die vielleicht noch am Vortag in Sichtweite auf großen Brettern vor den Hauseingängen trockneten. Tipp: Neben der Bar gibt es auch noch eine empfehlenswerte Eisdiele, die selbstgemachtes Speiseeis zu unschlagbar günstigen Preisen anbietet! Weiterlesen

Werbeanzeigen

Kreuzfahrttagebuch: Am Freitag mehr über Bari und den Nikolaus

Heiliges Holz: Reste des Bootes, mit dem der Nikolaus geklaut wurde. Foto: Lars Friedrich

Heiliges Holz: Reste des Bootes, mit dem der Nikolaus geklaut wurde. Foto: Lars Friedrich

Und weiter geht es: Kommenden Freitag gibt es hier den dritten Teil meines Kreuzfahrttagesbuches: Wir besuchten mit der AIDAvita die süditalienische Nikolaus-Stadt Bari. Hier geht es zum ersten und zum zweiten Teil meines Reiseberichtes aus der Adria.

Mit Costa bei Sissi im Achillion: Auf der AIDAvita in der Adria (2)

Das Meer glich einem großen Stück lichtblauen Glases,
und darauf ruhten wie unbeweglich die kleinen Schiffchen
mit den weißen und roten Segeln.

Kaiserin Elisabeth von Österreich
Korfu, 8. April 1895

Die ehemalige venezianische Villa Braila bei Gastouri, die Kaiserin Elisabeth zum Achillion umgestalten ließ. Foto: Lars Friedrich

Die ehemalige venezianische Villa Braila bei Gastouri, die Kaiserin Elisabeth zum Achillion umgestalten ließ. Foto: Lars Friedrich

Im Oktober war ich das erste Mal in Griechenland – mit der AIDAvita liefen wir Korfu, mit einer Größe von 585.312 km²  die zweitgrößte der ionischen Inseln und die siebtgrößte Insel Griechenlands, an. Korfu war die erste Station auf unserer Adria-Reise (Korfu – Bari – Dubrovnik – Zadar – Vendig) und die einzige Stadt auf unserer Kreuzfahrt, zu der ich kaum Zugang gefunden habe.

Gasse Nahe der Spiridon Kirche in Korfu-Stadt. Foto: Lars Friedrich

Gasse Nahe der Spiridon Kirche in Korfu-Stadt. Foto: Lars Friedrich

Kaiser Wilhelm ließ den heldenhaften Achilles aufstellen, um vom Hafen bereits seine Villa zu sehen. Foto: Lars Friedrich

Kaiser Wilhelm ließ den heldenhaften Achilles aufstellen, um vom Hafen bereits seine Villa zu sehen. Foto: Lars Friedrich

Schon vor Reiseantritt war für mich klar: wenn nach Korfu, dann auch ins Achillion – wegen Sissi! Schon 1888 hatte die österreichische Kaiserin Elisabeth in den Bergen nahe Gastouri, etwa sieben Kilometer südlich der Inselhauptstadt Korfu, in der Villa des Korfioten Petros Brailas-Armenis gewohnt und  Land und Klima schätzen gelernt. 1889 erwarb Kaiser Franz Joseph das alte Palais im venezianischen Stil, was aber wohl eine große finanzielle Belastung für den privaten Geldbeutel des Herrschers war. Das Gebäude wurde nach den Plänen des neapolitanischen Architekten Raffaele Carito im Stile der griechischen Architektur umbauen und sogar die Möbel wurden antiken Vorbildern nachempfunden. Letztlich stellte sie sich jedoch als sehr unbequem heraus und nur die für den Kaiser eingerichteten Räume wurden mit zeitgenössischen Möbeln ausgestattet. Doch der Kaiser besuchte seine Frau auf Korfu niemals und auch Sissis verlor bereits sechs Jahre nach Bauende 1891 ihr Interesse am Achillion. Nach Elisabeths Tod 1898 erbte Tochter Gisela das Anwesen und verkaufte es 1907 an den deutschen Kaiser Wilhelm II. (1859-1941), der bis 1914 fast jedes Frühjahr auf Korfu weilte und das Schloss zum Zentrum der europäischen Diplomatie werden ließ. Weiterlesen

Kreuzfahrttagebuch: Am Freitag mehr über die AIDA, Sissi & Korfu

Kaiserin Sissi vor dem Achillion auf Karfu. Foto: Lars Friedrich

Kaiserin Sissi vor dem Achillion auf Karfu. Foto: Lars Friedrich

Kommenden Freitag gibt es den zweiten Teil meines Kreuzfahrttagesbuches: Wir besuchten mit der AIDAvita die österreichische Kaiserin Sissi auf Korfu. Hier geht es zum ersten Teil meines Reiseberichtes aus der Adria.

Erkunden, entdecken, träumen: Auf der AIDAvita in der Adria (1)

Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die
Weltanschauung der Leute, welche die Welt
nicht angeschaut haben.

Alexander von Humboldt

Die AIDAvita am 9. Oktober im Hafen von Zadar/Kroatien. Foto: Lars Friedrich

Die AIDAvita am 9. Oktober im Hafen von Zadar/Kroatien. Foto: Lars Friedrich

Eine Kreuzfahrt ist nichts für mich, dachte ich: 1260 Rentner in 633 Kabinen und die große Abzocke bei den Nebenkosten. Nach sieben Nächten auf der AIDAvita weiß ich es besser –  Kreuzfahrten könnten mein neues Hobby werden! Und das liegt sicher nicht nur an der unter Kapitän Detlef Harms zurückgelegten Route durch die Adria  (Venedig – Korfu – Bari – Dubovnik – Zadar – Venedig). Schon vor dem Check-in am Marittima Testata Marmi di Venezia sorgte das strahlend weiße Schiff mit seinem Kussmund für ein Lächeln auf unseren Lippen und steigerte die Vorfreude auf das, was da noch kommen würde…

Der umlaufende Relingbereich auf Deck 6. Foto: Lars Friedrich

Der umlaufende Relingbereich auf Deck 6. Foto: Lars Friedrich

Vom 4. bis 11. Oktober waren meine Schwiegereltern, meine Frau, unsere beiden Kinder und ich auf der AIDAvita im adriatischen und nach Passage der Straße von Otranto im inonischen Meer unterwegs – auf der in Wismar gebauten und seither zweimal teilrenovierten AIDAvita, die 2002 in Warnemünde von Taufpatin Doris Schröder-Köpf ihren Namen erhielt. Vorweg: Das Alter sieht man dem Clubschiff (389 Personen Crew) nicht an – weder auf Deck, noch in den Kabinen. Wir hatten uns auf Empfehlung des DERPART Ruhrpress Reisebüros in Hattingen für eine 4-Bett- und eine 2-Bett-Kabine auf Deck 6 entschieden und somit nicht nur Aussichtsfenster, sondern auch fast einen Balkon – auf diesem Deck gibt es nämlich einen Außenbereich mit Reling, über dem sich die Tender- bzw. Rettungsboote befinden. Sorgte ich mich vor Beginn der Reise noch um die Enge in der knapp 15 m²  großen Meerblickkabine (2 Betten unten, 2 Betten oben), war dies in der Rückschau unbegründet – wir waren nur zur Nachtruhe in unseren schwimmenden (aber nie schwankenden) vier Wänden und hatten auch beim zu Bett-Gehen keine Platzangst. Weiterlesen