Sie hielt nicht was der Hersteller versprach: Stadt schickt neue Telefonanlage wieder zurück

Ist es Ihnen schon aufgefallen? Nach 11 Jahren ist in der Telefonwarteschleife der Hattinger Stadtverwaltung nicht mehr die markante Stimme von Dirk Glaser zu hören. Das hängt mit der Modernisierung der 2006 angeschafften Alcatel-Telefonanlage im Rathaus zusammen.

Dirk Glaser lieh der Telefonanlage der Stadtverwaltung 11 Jahre lang seine Stimme.

Dirk Glaser lieh der Telefonanlage der Stadtverwaltung 11 Jahre lang seine Stimme.

Die IT-Abteilung der Stadt Hattingen hatte in 2015 eine neue Telefonanlage ausgeschrieben und für die Umsetzung in 2016 den Zuschlag erteilt. Indes: Die budgetierten 130.000 Euro für die neue Telefonanlage wurden gar nicht ausgegeben. Die bestellte und gelieferte Telefonanlage wurde jüngst an den Hersteller zurückgeschickt. Susanne Wegemann von der Pressestelle der Stadt verrät mir auf Nachfrage: „Die Anlage hat entgegen der expliziten Zusicherung des Auftragnehmers wesentliche Leistungsmerkmale nicht erfüllt.“ Weiterlesen

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Stadt gibt Zwangsarbeitern nach 14 Jahren ihre Identität zurück

Die neuen Grabplatten rund um das Ehrenmal auf dem Kommunalfriedhof an der Waldstraße. Foto: Lars Friedrich

Die neuen Grabplatten rund um das Ehrenmal auf dem Kommunalfriedhof an der Waldstraße. Foto: Lars Friedrich

Ebenso unbemerkt, wie vor 14 Jahren über 60 Grabsteine für in Hattingen ums Leben gekommene Zwangsarbeiter verschwanden, sind nun auf dem städtischen Freidhof an der Waldstraße auf den Gräbern der dort bestatteten 34 Zwangsarbeiter aus Russland, Polen und Frankreich neue Grabplatten verlegt worden. Weiterlesen

Kindheit im Mädchenkleid: Passt Rilke wirklich nicht zu Goethe?

Am Donnerstag, 24. November 2016, wird der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Hattingen u.a. über die Benennung einer Straße in der Hattinger Südstadt entscheiden. Eine von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Rilke-Straße hatte in der Vorwoche der Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss abgelehnt. Statt dessen stimmten SPD und Grüne mit 8 zu 6 Stimmen gegen CDU, FDP und Linke-Piraten für die von der Fraktion DIE LINKE vorgeschlagene Anna-Seghers-Straße.

Rilke auf dem Mäuerchen bei der Kapelle von Muzot, 1924. Foto: Fondation Rilke

Rilke auf dem Mäuerchen bei der Kapelle von Muzot, 1924. Foto: Fondation Rilke

Friedhelm Knippel, Fraktionsvorsitzender der Partei DIE LINKE, in der schriftlichen Begründung des Antrags: „Frau Dr. Anna Seghers ist Trägerin etlicher Preise und Ehrungen.“ Im Gegensatz zu Rilke seien die von den Linken vorgeschlagene Seghers und als Alternative der Schriftsteller Erich Kästner „Deutsche und ihre Namen sind eindeutig den Personen zugeordnet.“ Bei Rilke, so die Fraktion, wisse man nicht, ob Fußballer oder Bildhauer gemeint sei. Gegen Rilke spreche zudem, dass er „den Faschismus gut fand, Mussolini lobte und Gewalt und Freiheitsberaubung als Mittel ansah.“ Knippel, der im Bauausschuss beratendes Mitglied ohne Stimmrecht ist, weiter: „Geprägt sind seine Werke von der Auseinandersetzung mit seiner Mutter, die ihn in Mädchenkleider als Tochter erzog. Rilke passt kaum zu Namen wie Lessing, Schiller und Goethe.“ Weiterlesen

Ach wie sind die Helden gefallen! Jüdische Soldaten im I. Weltkrieg

Zeitgenössischer Bericht von 1926 über die Einweihung des Gedenksteins der jüdischen Gemeinde Hattingen in der Synagoge an der Bahnhofstraße.

Zeitgenössischer Bericht von 1926 über die Einweihung des Gedenksteins der jüdischen Gemeinde Hattingen in der Synagoge an der Bahnhofstraße.

Unmittelbar nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges beschloss der Reichstag am 4. August 1914 einstimmig die nötigen Kredite zur Kriegsfinanzierung. Der Sitzung ging eine Rede Kaiser Wilhelms II. voraus, die mit der Formel „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche“ den Burgfrieden beim Kriegsausbruch symbolisierte. Für viele Juden in Deutschland war dies damals ein Hoffnungsschwimmer, denn durch ihren Einsatz im Feld erhofften sie sich eine gesellschaftliche Gleichstellung, die ihnen bisher verwehrt geblieben war.

10.000 Eiserne Kreuze 2.Klasse verliehen

Modell der Hattinger Synagoge am heutigen Synagogenplatz. Foto: Archiv Lars Friedrich

Modell der Hattinger Synagoge am heutigen Synagogenplatz. Foto: Archiv Lars Friedrich

Zum heutigen Volkstrauertag möchte ich an die im ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten aus Hattingen erinnern. Rund 100.000 Juden dienten in den deutschen Heeren, rund 80% von ihnen waren nachweislich an der Front – für ihre Tapferkeit zeugt die Vergabe von mehr als 10.000 Eisernen Kreuzen 2. Klasse und 1.500 der 1. Klasse. Über 12.000 der jüdischen Soldaten der deutschen Armee kehrten aus dem Krieg nicht zurück. Weiterlesen

Bügeleisenhaus: Ausstellung erinnert an jüdische Eigentümer

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in Deutschland Synagogen zerstört und geschändet, jüdische Geschäfte und Wohnhäuser verwüstet. Jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger wurden misshandelt, ermordet und zu zehntausenden in Konzentrationslager verschleppt. So erging es auch Selma Cahn, die am am 7. Juli 1886 im Bügeleisenhaus das Licht der Welt erblickte.

Selma Abraham. Foto: Yad Vashem

Selma Abraham. Foto: Yad Vashem

Alfred Abraham. Foto: Yad Vashem

Alfred Abraham. Foto: Yad Vashem

Schon im Zusammenhang mit der Ausstellung “Hattingen hat jüdisches Leben – Religion im Alltag” im Herbst 2013 war es dem Heimatverein Hattingen/Ruhr gelungen, den letzten jüdischen Besitzern des Bügeleisenhauses ein Gesicht zu geben: Im Yad Vashem Archiv konnten Portraits von Selma Abraham, geborene Cahn, und ihres Mannes, Alfred Abraham, recherchiert werden, die  in der Sonderausstellung FACHWERK.1611 zur Geschichte des Bügeleisenhauses und seiner Bewohner zu sehen sind.

Amalie und Nathan Cahn. Foto: Stadtarchiv Hattingen

Amalie und Nathan Cahn. Foto: Stadtarchiv Hattingen

Porträts aus dem Yad Vashem Archiv

Selma Cahn und ihre Zwillingsschwester Johanna erblickten am 7. Juli 1886 als Töchter des jüdischen Metzgerehepaares Norbert ursprünglich Nathan Cahn (16.11.1846-26.03.1933) und Amalie, geborene Schmidt (30.05.1847-18.07.1940) im Haus Haldenplatz 340 (damalige Hauszählung) das Licht der Welt. Das Haus war seit dem 1. November 1856 im Besitz der Familie der Mutter: Selmas Großvater, Salomon Schmidt, hatte das Haus von dem Tuchmacher Franz Sintern erworben, umgebaut und im Erdgeschoss eine Metzgerei mit Privatschlachtraum, Wurstküche und Ladenlokal eingerichtet. Weiterlesen