Blankenstein: Nur die Harten gehen auch in den Garten…

Die Tageszeitung pries unlängst einen Rundgang durch den Gethmannschen Garten in Blankenstein als „wild-romantische Entdeckungstour„. Das finde ich angesichts der konzeptlosen Ungepflegtheit von Wald und Wiese nicht, und der jetzige Zustand ist sicher nicht im Sinne des Gartenschöpfers Carl Friedrich Gethmann (1777-1865), der „mit Heiterkeit und mit offenem Blick für die Schönheit des realen Lebensraums eine ernsthafte Tüchtigkeit ans Werk (legte), die Natur und Kunst in einem goetheschen Sinne aneinander zu binden“, wie Benno Eichholz 1985 schreibt.

Früher war hier ein Trimm dich-Platz, heute ein Urwald. Foto: Lars Friedrich

Früher war hier ein Trimm dich-Platz, heute ein Urwald. Foto: Lars Friedrich

Der Tannenplatz im Norden des Gartens hatte früher den Namen "grünes Zimmer" - heute schimmern unter umgestürzten Bäumen noch die Treppen zur Tannenallee durch. Foto: LRF

Der Tannenplatz im Norden des Gartens hatte früher den Namen „grünes Zimmer“ – heute schimmern unter umgestürzten Bäumen noch die Treppen zur Tannenallee durch. Foto: LRF

Ortstermin am Sonntag im Garten: die „malerisch gelegenen Picknickbänken“, die in der WAZ gepriesen werden, finde ich bei meinem Rundgang durch den Blankensteiner Park erst einmal nicht – vielleicht liegen sie in jenem Teil des Gartens, den umgestürzte Bäume unpassierbar machen. Sturm Ella hat auch im Gethmannschen Garten gewütet, doch sieht man dem „zur Freude und Erholung seiner Mitbürger und aller Besucher des Städtchens Blankenstein“ angelegten und seit 2008 denkmalgeschützten Park auch an anderen Stellen an, wie wenig gepflegt er wird: Wildkräuter kapern den gewölbten Buchengang von 1837, jugendlicher Übermut zerstört Geländer an der Wilhelmshöhe, ungezügeltes Grün versperrt die Aussicht am Platz bei den steinernen Tischen. Gethmann´s Garten ist derzeit sicher eine nicht gespielte touristische Trumpfkarte.

Friedrich auf dem Friedrichsberg, zu dem seit ca. 1837 der heute ziemlich verwilderte Schneckengang führt. Foto: privat

Friedrich auf dem Friedrichsberg, zu dem seit ca. 1837 der heute ziemlich verwilderte Schneckengang führt. Foto: privat

Würden wohl die ehrenamtlich Aktiven des Heimatvereins Blankenstein nicht hin und wieder zu Astschere und Baumsäge greifen – der Blankensteiner Garten, dem die Stadt 2009 extra noch eine Erhaltungssatzung Garten gab, wäre heute in einem noch ärgeren Zustand. Erst im August letzten Jahres hatten Manfred Overrath und Wolfgang Hermes an den Steinernen Tischen, die 2012 gemeinsam mit der Stadt erneuert worden waren, abgerissene Hinweisschilder wieder montiert. Aber vom Erreichen der Ziele, die in der Gartensatzung erst vor fünf Jahren formuliert wurden, ist man weiter entfernt denn je: Weiterlesen

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