Das KdF-Lager in Mayerling: „Ach, da ist es doch so herrlich!“

Seit 1989 befasse ich mich mit der Geschichte des niederösterreichischen Dorfes Mayerling – anfänglich wegen des rätselhaften Todes des Erzherzog Thronfolgers Rudolf am 30. Januar 1889 in seinem dortigen Jagdschloss. Jetzt aber habe ich den Fokus meiner Recherche auf die jüngere Dorfgeschichte gerichtet: Über den aus Mayerling deportieren und ermordeten Kaplan Friedrich Karas habe ich bereits berichtet. Heute widme ich mich dem KdF-Lager Mayerling; Basis dafür ist ein bislang unveröffentlichtes „Lagererlebnisbuch“ von Leopoldine „Poldi“ Hauck für den Zeitraum vom 28. März 1944 bis 1. April 1945.

Bachners Restauration in Mayerling. Foto: Mayerling-Sammlung Friedrich

Bachners Restauration in Mayerling. Foto: Mayerling-Sammlung Friedrich

Die NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF) war eine politische Organisation mit der Aufgabe, die Freizeit der deutschen Bevölkerung zu gestalten, aber auch zu überwachen und gleichzuschalten. Die Organisation mit Sitz in Berlin bestand von 1933 bis 1945, wobei die meisten Operationen mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 eingestellt wurden. In Mayerling wurde von 1938 bis 1945 das „Gasthaus Bachner“ durch die NS-Organisation (KdF-Kennnummer 129) genutzt.

Das Lagerbuch von Poldi Hauck.

Das Lagerbuch von Poldi Hauck.

Das Gebäude, im 17. Jahrhundert als Bauernhof errichtet, wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts als Gasthof geführt – 1889 unter dem Namen „Tourist“ von Karl Grandl, ab ca. 1891 von Anton Wurstbauer und ab 1921 durch Rosa Bachner. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Haus von Franz Bachner als „F. Bachner´s Touristenhaus“ mit „Terrassenkaffee und Hotelrestaurant“ sowie eigenem Fernsprechanschluss (Rufnummer 3) geführt. 1961 erfolgte ein erster Anbau, 1971 ein zweiter. Das Haus war wohl bis 1997 im Besitz der Familie Bachner, wurde dann kurze Zeit unter dem Namen „Restaurant Mayerling“ bis zum Tod des neuen Inhabers 2005 weitergeführt und zwischenzeitlich abgerissen. Weiterlesen

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Stolperstein: Karmel-Schwestern beten jetzt auch für Nazi-Opfer

Mayerling in Niederösterreich. Nachdem 1889 dort Kronprinz Rudolf tot aufgefunden wurde, baute man das Schloss zu einem Kloster um. 1941 wurde hier der katholische Priester Friedrich Karas verhaftet. Bild: Sammlung Lars Friedrich / mayerling-archiv.de

Mayerling in Niederösterreich. Nachdem 1889 dort Kronprinz Rudolf tot aufgefunden wurde, baute man das Schloss zu einem Kloster um. 1941 wurde hier der katholische Priester Friedrich Karas verhaftet. Bild: Sammlung Lars Friedrich / mayerling-archiv.de

Mayerling braucht einen Stolperstein! Am 8. Juli hatte ich  hier meine Idee niedergeschrieben, dass im niederösterreichischen Mayerling nicht nur an Kronprinz Rudolf erinnert werden sollte, sondern auch an den dort 1941 verhafteten und hingerichteten Geistlichen Rektor der Karmelkirche, Friedrich Karas. Ob Gunter Demnig den Stolperstein für Karas tatsächlich 2015 verlegen wird, steht noch nicht fest. Fest steht aber: Ab sofort beten die in Mayerling klausurierten Karmel-Schwestern nicht nur für Sisis-Sohn, der dort im Januar 1889 tot aufgefunden wurde, sondern auch für Friedrich Karas!

KURIER-Bericht vom 30. Juli 2014.

KURIER-Bericht vom 30. Juli 2014.

Nachdem mich Professor Georg Markus, „Geschichte mit Pfiff“- Kolumnist der österreichischen Tageszeitung KURIER, am Montag angerufen und mir einige Fragen zu Karas stellte hatte, sprach ich gestern noch einmal selbst mit der Priorin des Karmels, Mutter Maria Regina. Natürlich, so sagte sie mir, werde auch heute in Mayerling nicht nur für Kronprinz Rudolf gebetet, wie es Kaiser Franz Joseph im Stiftungsbrief des Klosters vor 114 Jahren verfügt hatte – seit vielen Jahren werde auch Rudolfs minderjährige Geliebte, Baroness Marie von Vetsera, in die Gebete der Ordensschwestern mit eingeschlossen. Georg Markus berichtet nun in seiner KURIER-Kolumne (leider noch nicht online abrufbar), ab sofort werde in Mayerling täglich auch für das Nazi- Opfer Friedrich Karas gebetet. Was auch stimme, wie mir die ehrwürdige Mutter Oberin bestätigt: „Wir beten ja für alle Menschen!“ Ob Stolperstein- Initiator Gunter Demnig jedoch 2015 auf dem Gelände des Karmels Mayerling einen Gedenkstein verlegen könne, weiß die Ordensschwestern noch nicht. „Vielleicht sind die Menschen überfordert, wenn Sie wegen des Kronprinzen nach Mayerling kommen, dort auf Ordensschwestern treffen und dann noch an das Schicksal des Kaplans erinnert werden“, ist ihre Sorge. Weiterlesen

Aktion 14f13: Warum Mayerling auch einen Stolperstein braucht

Im niederösterreichischen Mayerling beten Karmel-Schwestern für Sissis Sohn, Kronprinz Rudolf, der dort 1889 starb. In Mayerling wirkte aber auch bis zu seiner Verhaftung und Vergasung in der NS-Tötungsanstalt Hartheim 1942 der katholische Kaplan Friedrich Karas. Auch an ihn sollte in Mayerling erinnert werden.

Friedrich Karas wurde 1942 Opfer der Euthanasieaktion "14f13". Foto: Wiener Stadt- und Landesarchiv

Friedrich Karas wurde 1942 Opfer der Euthanasieaktion „14f13“. Fotoserie aus der Erkennungsdienstlichen Kartei der Gestapo Wien/Wiener Stadt- und Landesarchiv

Fast 70 Jahre nach Kriegsende sollte sich meiner Meinung nach die niederösterreichische Gemeinde Alland auch ihrer NS-Geschichte stellen: In der Teilgemeinde Mayerling sollte deswegen nicht nur an den dort verstorbenen Kronprinzen Rudolf von Österreich erinnert werden, sondern auch an den Geistlichen Rektor der dortigen Karmelkirche, Friedrich Karas, der 1942 im Rahmen der so genannten „Aktion 14f13“ im oberösterreichischen Schloss Hartenstein ermordet wurde. Ich möchte erreichen, dass schon bald ein Stolperstein  –  ein zehn mal zehn Zentimeter großer Bodenstein mit gravierter Messingplatte  – des deutschen Künstlers Gunter Demnig vor dem Karmelitinnenkloster in Mayerling an den Geistlichen erinnert, der hier wirkte.  Er war der erste Priester unter den Anfang 1942 im Invalidenblock des KZ Dachau abgesonderten kranken Häftlingen, der im Rahmen des Euthanasieprogrammes abtransportiert und in der NS-Tötungsanstalt Hartheim bei Alkoven in der Nähe von Linz, Oberösterreich, vergast wurde(1).

Anfang Juni 2014 verlegte Gunter Demnig in Hattingen/Ruhr acht Stolpersteine. Foto: Lars Friedrich

Anfang Juni 2014 verlegte Gunter Demnig in Hattingen/Ruhr acht Stolpersteine. Foto: Lars Friedrich

2014 ist in Mayerling in Niederösterreich ein Jubiläumsjahr, denn vor 125 Jahren hat Kaiser Franz Joseph I. das dortige Karmelitinnenkloster gestiftet. Freilich war der Anlass zur Klosterstiftung wenig zum jubeln: In Mayerling war am 30. Januar 1889 der einzige Sohn des österreich-ungarischen Kaisers und Königs und seiner Gattin Elisabeth, genannt Sisi, tot aufgefunden worden. Brisant: Neben dem verheirateten Erzherzog-Thronfolger fand man die Leiche seiner blutjungen Geliebten. Seither wird in Mayerling erinnert und gebetet: für die unglückliche Baroness Marie Alexandrine von Vetsera und den damaligen Hoffnungsträger der Doppelmonarchie, Rudolf von Österreich. Ab Oktober diesen Jahres soll ein modernes Besucherzentrum am Ort des Dramas von Mayerling dazu beitragen, diese geschichtsträchtige Stätte im Wienerwald als Ort des Gebetes zu erhalten. Ich unterstütze seit 1989 diesen Ansatz u.a. durch das Mayerling-Archiv, aber auch durch meine Bücher über Mayerling, die Dorfgeschichte und den Erzherzog-Thronfolger. Bei aller Sympathie für die Baroness und den Kronprinzen, deren Schicksal so eng mit der Ortsgeschichte verbunden ist, sollte in Mayerling nicht nur an die Opfer von 1889 erinnert werden. Ich wünsche mir, dass Mayerling auch zum Ort zeitgeschichtlichen Erinnerns wird und fordere einen Stolperstein für den 1941 dort verhafteten Geistlichen Rektor der Karmelkirche zum Heiligen Josef, den Priester Friedrich Karas. Weiterlesen