Advent: Türen, Tore, Durchblicke

Gold geht durch alle Türen,
ausgenommen durch die Himmelstüre.

Deutsches Sprichwort

Tor zur ehemals venezianischen Villa Braila bei Gastouri, die Kaiserin Elisabeth zum Achillion umgestalten ließ. Foto: Lars Friedrich

Tor zur ehemals venezianischen Villa Braila bei Gastouri, die Kaiserin Elisabeth zum Achillion umgestalten ließ. Foto: Lars Friedrich

1888 hatte die österreichische Kaiserin Elisabeth in den Bergen nahe Gastouri auf Korfu, etwa sieben Kilometer südlich der Inselhauptstadt, in der Villa des Korfioten Petros Brailas-Armenis gewohnt und Land und Klima schätzen gelernt. 1889 erwarb Kaiser Franz Joseph das Palais und ließ es nach den Plänen des neapolitanischen Architekten Raffaele Carito im Stile der griechischen Architektur umbauen. Sissi verlor jedoch schon sechs Jahre nach Bauende 1891 ihr Interesse am Achillion. Nach ihrem Tod 1898 erbte Tochter Gisela das Anwesen und verkaufte es 1907 an den deutschen Kaiser Wilhelm II. (1859-1941), der bis 1914 fast jedes Frühjahr auf Korfu weilte und das Schloss zum Zentrum der europäischen Diplomatie werden ließ. Seit Ende des ersten Weltkrieges ist das Achillion griechisches Eigentum und kann seit 1962 als Museum besichtigt werden.

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Aktion 14f13: Warum Mayerling auch einen Stolperstein braucht

Im niederösterreichischen Mayerling beten Karmel-Schwestern für Sissis Sohn, Kronprinz Rudolf, der dort 1889 starb. In Mayerling wirkte aber auch bis zu seiner Verhaftung und Vergasung in der NS-Tötungsanstalt Hartheim 1942 der katholische Kaplan Friedrich Karas. Auch an ihn sollte in Mayerling erinnert werden.

Friedrich Karas wurde 1942 Opfer der Euthanasieaktion "14f13". Foto: Wiener Stadt- und Landesarchiv

Friedrich Karas wurde 1942 Opfer der Euthanasieaktion „14f13“. Fotoserie aus der Erkennungsdienstlichen Kartei der Gestapo Wien/Wiener Stadt- und Landesarchiv

Fast 70 Jahre nach Kriegsende sollte sich meiner Meinung nach die niederösterreichische Gemeinde Alland auch ihrer NS-Geschichte stellen: In der Teilgemeinde Mayerling sollte deswegen nicht nur an den dort verstorbenen Kronprinzen Rudolf von Österreich erinnert werden, sondern auch an den Geistlichen Rektor der dortigen Karmelkirche, Friedrich Karas, der 1942 im Rahmen der so genannten „Aktion 14f13“ im oberösterreichischen Schloss Hartenstein ermordet wurde. Ich möchte erreichen, dass schon bald ein Stolperstein  –  ein zehn mal zehn Zentimeter großer Bodenstein mit gravierter Messingplatte  – des deutschen Künstlers Gunter Demnig vor dem Karmelitinnenkloster in Mayerling an den Geistlichen erinnert, der hier wirkte.  Er war der erste Priester unter den Anfang 1942 im Invalidenblock des KZ Dachau abgesonderten kranken Häftlingen, der im Rahmen des Euthanasieprogrammes abtransportiert und in der NS-Tötungsanstalt Hartheim bei Alkoven in der Nähe von Linz, Oberösterreich, vergast wurde(1).

Anfang Juni 2014 verlegte Gunter Demnig in Hattingen/Ruhr acht Stolpersteine. Foto: Lars Friedrich

Anfang Juni 2014 verlegte Gunter Demnig in Hattingen/Ruhr acht Stolpersteine. Foto: Lars Friedrich

2014 ist in Mayerling in Niederösterreich ein Jubiläumsjahr, denn vor 125 Jahren hat Kaiser Franz Joseph I. das dortige Karmelitinnenkloster gestiftet. Freilich war der Anlass zur Klosterstiftung wenig zum jubeln: In Mayerling war am 30. Januar 1889 der einzige Sohn des österreich-ungarischen Kaisers und Königs und seiner Gattin Elisabeth, genannt Sisi, tot aufgefunden worden. Brisant: Neben dem verheirateten Erzherzog-Thronfolger fand man die Leiche seiner blutjungen Geliebten. Seither wird in Mayerling erinnert und gebetet: für die unglückliche Baroness Marie Alexandrine von Vetsera und den damaligen Hoffnungsträger der Doppelmonarchie, Rudolf von Österreich. Ab Oktober diesen Jahres soll ein modernes Besucherzentrum am Ort des Dramas von Mayerling dazu beitragen, diese geschichtsträchtige Stätte im Wienerwald als Ort des Gebetes zu erhalten. Ich unterstütze seit 1989 diesen Ansatz u.a. durch das Mayerling-Archiv, aber auch durch meine Bücher über Mayerling, die Dorfgeschichte und den Erzherzog-Thronfolger. Bei aller Sympathie für die Baroness und den Kronprinzen, deren Schicksal so eng mit der Ortsgeschichte verbunden ist, sollte in Mayerling nicht nur an die Opfer von 1889 erinnert werden. Ich wünsche mir, dass Mayerling auch zum Ort zeitgeschichtlichen Erinnerns wird und fordere einen Stolperstein für den 1941 dort verhafteten Geistlichen Rektor der Karmelkirche zum Heiligen Josef, den Priester Friedrich Karas. Weiterlesen