Roth, Anneke, Peiffer Watenphul: Neue Straßen ehren 3 Hattinger

Zum Weltfrauentag im März hatte ich schon einmal über weibliche Straßennamen in Hattingen geschrieben. Im Zuge von Neubauprojekten tut sich was in dieser Sache: die Stadtverwaltung wird im Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss am 17. November vorschlagen, im Bereich des neuen „Wohnparks Pottacker“ drei Stichstraßen nach Franziska Anneke, nach Emmy Roth und – hier fehlt dann leider wohl die dritte Frau aus Hattingen mit überregionaler Strahlkraft – nach Max Peiffer Watenphul zu benennen. Damit steigt die Zahl der Straßen, die in Hattingen nach Frauen benannt wurden, von 11 auf 13.

Emmy Roth, fotografiert von Wanda von Debschitz-Kunowski. Foto: wikipedia

Emmy Roth, fotografiert von Wanda von Debschitz-Kunowski. Foto: wikipedia

Den Vorschlag, eine Straße nach der in ihrer Geburtsstadt fast gänzlich vergessenen Gold- und Silberschmiedin Emmy Roth zu benennen, hatte die CDU-Stadtverordnete Christiane Nicolai Anfang September öffentlich gemacht und auch die Hattinger SPD fordert jetzt, Roth mit einer Benennung im öffentlichen Straßenraum zu würdigen: Die Sozialdemokraten möchten jedoch den neu gestalteten Platz am Bügeleisenhaus „Emmy-Roth-Platz“ nennen. Weiterlesen

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27. Januar: Holocaust-Gedenken muss nicht zwingend 8 € kosten

Seit 1996 wird der 27. Januar in Deutschland als ‪Gedenktag‬ für die Opfer des Nationalsozialismus begangen, 2005 wurde der Tag sogar von den Vereinten Nationen zum internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt.

2014: Stolperstein-Verlegung vor der "Krone" am Steinhagen. Foto: Lars Friedrich

2014: Stolperstein-Verlegung vor der „Krone“ am Steinhagen. Foto: Lars Friedrich

Hattingens Volkshochschule und der vhs-Förderverein möchten in diesem Jahr mit einem Klezmerkonzert an das jüdische Leben in Deutschland vor dem Holocaust erinnern und laden ein zu einem musikalischen Abend am Samstag, 30. Januar 2016, um 19 Uhr in den Veranstaltungsraum des Stadtmuseums nach Blankenstein. Wer sich daran stört, dass die städtische Gedenkveranstaltung mit Klezmermusik und jiddische Lieder 8 Euro Eintritt kosten, kann den Gedenktag aber auch nutzen, sich nahezu kostenfrei und individuell des Schicksals heimischer Holocaust-Opfer zu erinnern: auf dem Stolperstein-Rundgang durch Hattingen. Weiterlesen

Stolperstein: Karmel-Schwestern beten jetzt auch für Nazi-Opfer

Mayerling in Niederösterreich. Nachdem 1889 dort Kronprinz Rudolf tot aufgefunden wurde, baute man das Schloss zu einem Kloster um. 1941 wurde hier der katholische Priester Friedrich Karas verhaftet. Bild: Sammlung Lars Friedrich / mayerling-archiv.de

Mayerling in Niederösterreich. Nachdem 1889 dort Kronprinz Rudolf tot aufgefunden wurde, baute man das Schloss zu einem Kloster um. 1941 wurde hier der katholische Priester Friedrich Karas verhaftet. Bild: Sammlung Lars Friedrich / mayerling-archiv.de

Mayerling braucht einen Stolperstein! Am 8. Juli hatte ich  hier meine Idee niedergeschrieben, dass im niederösterreichischen Mayerling nicht nur an Kronprinz Rudolf erinnert werden sollte, sondern auch an den dort 1941 verhafteten und hingerichteten Geistlichen Rektor der Karmelkirche, Friedrich Karas. Ob Gunter Demnig den Stolperstein für Karas tatsächlich 2015 verlegen wird, steht noch nicht fest. Fest steht aber: Ab sofort beten die in Mayerling klausurierten Karmel-Schwestern nicht nur für Sisis-Sohn, der dort im Januar 1889 tot aufgefunden wurde, sondern auch für Friedrich Karas!

KURIER-Bericht vom 30. Juli 2014.

KURIER-Bericht vom 30. Juli 2014.

Nachdem mich Professor Georg Markus, „Geschichte mit Pfiff“- Kolumnist der österreichischen Tageszeitung KURIER, am Montag angerufen und mir einige Fragen zu Karas stellte hatte, sprach ich gestern noch einmal selbst mit der Priorin des Karmels, Mutter Maria Regina. Natürlich, so sagte sie mir, werde auch heute in Mayerling nicht nur für Kronprinz Rudolf gebetet, wie es Kaiser Franz Joseph im Stiftungsbrief des Klosters vor 114 Jahren verfügt hatte – seit vielen Jahren werde auch Rudolfs minderjährige Geliebte, Baroness Marie von Vetsera, in die Gebete der Ordensschwestern mit eingeschlossen. Georg Markus berichtet nun in seiner KURIER-Kolumne (leider noch nicht online abrufbar), ab sofort werde in Mayerling täglich auch für das Nazi- Opfer Friedrich Karas gebetet. Was auch stimme, wie mir die ehrwürdige Mutter Oberin bestätigt: „Wir beten ja für alle Menschen!“ Ob Stolperstein- Initiator Gunter Demnig jedoch 2015 auf dem Gelände des Karmels Mayerling einen Gedenkstein verlegen könne, weiß die Ordensschwestern noch nicht. „Vielleicht sind die Menschen überfordert, wenn Sie wegen des Kronprinzen nach Mayerling kommen, dort auf Ordensschwestern treffen und dann noch an das Schicksal des Kaplans erinnert werden“, ist ihre Sorge. Weiterlesen

Aktion 14f13: Warum Mayerling auch einen Stolperstein braucht

Im niederösterreichischen Mayerling beten Karmel-Schwestern für Sissis Sohn, Kronprinz Rudolf, der dort 1889 starb. In Mayerling wirkte aber auch bis zu seiner Verhaftung und Vergasung in der NS-Tötungsanstalt Hartheim 1942 der katholische Kaplan Friedrich Karas. Auch an ihn sollte in Mayerling erinnert werden.

Friedrich Karas wurde 1942 Opfer der Euthanasieaktion "14f13". Foto: Wiener Stadt- und Landesarchiv

Friedrich Karas wurde 1942 Opfer der Euthanasieaktion „14f13“. Fotoserie aus der Erkennungsdienstlichen Kartei der Gestapo Wien/Wiener Stadt- und Landesarchiv

Fast 70 Jahre nach Kriegsende sollte sich meiner Meinung nach die niederösterreichische Gemeinde Alland auch ihrer NS-Geschichte stellen: In der Teilgemeinde Mayerling sollte deswegen nicht nur an den dort verstorbenen Kronprinzen Rudolf von Österreich erinnert werden, sondern auch an den Geistlichen Rektor der dortigen Karmelkirche, Friedrich Karas, der 1942 im Rahmen der so genannten „Aktion 14f13“ im oberösterreichischen Schloss Hartenstein ermordet wurde. Ich möchte erreichen, dass schon bald ein Stolperstein  –  ein zehn mal zehn Zentimeter großer Bodenstein mit gravierter Messingplatte  – des deutschen Künstlers Gunter Demnig vor dem Karmelitinnenkloster in Mayerling an den Geistlichen erinnert, der hier wirkte.  Er war der erste Priester unter den Anfang 1942 im Invalidenblock des KZ Dachau abgesonderten kranken Häftlingen, der im Rahmen des Euthanasieprogrammes abtransportiert und in der NS-Tötungsanstalt Hartheim bei Alkoven in der Nähe von Linz, Oberösterreich, vergast wurde(1).

Anfang Juni 2014 verlegte Gunter Demnig in Hattingen/Ruhr acht Stolpersteine. Foto: Lars Friedrich

Anfang Juni 2014 verlegte Gunter Demnig in Hattingen/Ruhr acht Stolpersteine. Foto: Lars Friedrich

2014 ist in Mayerling in Niederösterreich ein Jubiläumsjahr, denn vor 125 Jahren hat Kaiser Franz Joseph I. das dortige Karmelitinnenkloster gestiftet. Freilich war der Anlass zur Klosterstiftung wenig zum jubeln: In Mayerling war am 30. Januar 1889 der einzige Sohn des österreich-ungarischen Kaisers und Königs und seiner Gattin Elisabeth, genannt Sisi, tot aufgefunden worden. Brisant: Neben dem verheirateten Erzherzog-Thronfolger fand man die Leiche seiner blutjungen Geliebten. Seither wird in Mayerling erinnert und gebetet: für die unglückliche Baroness Marie Alexandrine von Vetsera und den damaligen Hoffnungsträger der Doppelmonarchie, Rudolf von Österreich. Ab Oktober diesen Jahres soll ein modernes Besucherzentrum am Ort des Dramas von Mayerling dazu beitragen, diese geschichtsträchtige Stätte im Wienerwald als Ort des Gebetes zu erhalten. Ich unterstütze seit 1989 diesen Ansatz u.a. durch das Mayerling-Archiv, aber auch durch meine Bücher über Mayerling, die Dorfgeschichte und den Erzherzog-Thronfolger. Bei aller Sympathie für die Baroness und den Kronprinzen, deren Schicksal so eng mit der Ortsgeschichte verbunden ist, sollte in Mayerling nicht nur an die Opfer von 1889 erinnert werden. Ich wünsche mir, dass Mayerling auch zum Ort zeitgeschichtlichen Erinnerns wird und fordere einen Stolperstein für den 1941 dort verhafteten Geistlichen Rektor der Karmelkirche zum Heiligen Josef, den Priester Friedrich Karas. Weiterlesen

Umbau Bahnhofstraße: Erhaltet die alten Straßenbahnschienen!

Besser erhalten statt herausnehmen: die Straßenbahnschienen auf der Bahnhofstraße. Foto: privat

Besser erhalten statt herausnehmen: die Straßenbahnschienen auf der Bahnhofstraße. Foto: privat

Die Bahnhofstraße in Hattingen ist eine meiner Lieblingsstraßen in Hattingen: Kaum ein Straßenzug dokumentiert so deutlich wie diese Verbindungsachse von der Altstadt zum Bahnhof die Entwicklung unserer Stadt. Hier im Quartier ist das „Raus aus der Enge“ der mittelalterlichen Stadt, das „Hin zu Natur und Ruhr“ und das „Weg in die Welt“ noch immer erlebbar. Wenn auf Grund des Stadtentwicklungskonzeptes 2030 in diesem Bestand neu gebaut werden soll, dürfen meiner Meinung nach die historischen Straßenbahnschienen von 1907 nicht verschwinden, sondern müssen erhalten bleiben  – nicht aus wissenschaftlichem, technischen oder künstlerischem Grund, sondern wegen ihrer Bedeutung für die Geschichte von Wirtschaft und Verkehr und weil sie seit über einem Jahrhundert milieugeprägter Bestandteil dieses Straßenzuges sind. Außerdem scheint es wirtschaftlich nicht vertretbar, die original Schienen zu entfernen und durch Abbildungen im Pflaster aus fremdem Material nachzubilden.

Die Straßenbahn-Ausweiche vor dem Amtsgericht. Foto: Sammlung Jürgen Schröder/Hattingen

Die Straßenbahn-Ausweiche vor dem Amtsgericht. Foto: Sammlung Jürgen Schröder/Hattingen

Eines der Ziele des Hattinger Stadtentwicklungskonzeptes ist es, aus der Bahnhofstraße ein „attraktives Wohn-, Dienstleistungs- bzw. Arbeitsviertel als Auftakt in die Innenstadt unter Anknüpfung an die historische Bedeutung dieser Straße“ zu machen. „Dazu gehören wohnungsnahe Arbeitsplätze, Einkaufsmöglichkeiten für den Alltagsbedarf erreichbar auch für Ältere, eventuell ergänzt durch mobile Versorgungseinheiten sowie der Zuschnitt von Kinderbetreuungsangeboten auf die Bedarfe von berufstätigen Vätern und Müttern.“ So weit, so schön.

Dass bei der Umgestaltung der Bahnhofstraße, die wahlweise den Ruhrtalradwegradlern ein „Wegweiser“ in die Stadt oder der Altstadt ein „Tor zur Ruhr“ werden soll, auch die Straßenbahnschieben verschwinden, finde ich nicht richtig – zumal man diese heutzutage bei einem Umbau des Straßenprofils durch Verfüllung durchaus bündig in die neue Oberfläche einbinden und so auch für die Nachwelt erhalten kann. Weiterlesen