Liebe Radfahrer, in der Hattinger Altstadt wird das Rad geschoben

Fronleichnam 2015 – sonnig, 21 Grad, blauer Himmel, verkaufsoffener Feiertag in Hattingen. An Tagen wie diesem weiß ich: Ich bin der Spielverderber, denn ich bin gegen Radfahrer in der Altstadt. Radtouristen als Wirtschaftsfaktor lasse ich nicht gelten, wenn sich diese Radtouristen nicht an Regeln halten und andere gefährden. Und zu diesen Regeln zählt in Hattingen: runter vom Rad, wer in die Fußgängerzone will.

Keine Ausnahme, eher Dauerzustand: Radler vor dem Museum am Haldenplatz. Archivfoto

Keine Ausnahme, eher Dauerzustand: Radler vor dem Museum am Haldenplatz. Archivfoto

Bis 2010 mahnte an den Hauptzugängen zur Fußgängerzone ein nicht-amtliches Schild „Vernünftige fahren hier nicht mit dem Rad, den anderen ist es verboten“. Doch aus städtebaulichen Gründen wurden die Tafeln abmontiert, um den „Schilderwald“ in der Innenstadt einzudämmen. Dass das heute genutzte Verkehrszeichen 242.1 in der Fußgängerzone vorschreibt, dass anderer als Fußgängerverkehr die Fußgängerzone nicht benutzen darf, scheinen nur wenige Radler zu wissen und fallen fallweise in ganzen Horden in der Großen Weilstraße und der Heggerstraße ein. Drei neue Schmunzelschilder „Vernünftige fahren hier nicht mit dem Rad…“ würden die Stadtkasse übrigens 1.200 Euro kosten…

Radler rasen den Haldenplatz runter. Archivfoto

Radler rasen den Haldenplatz runter. Archivfoto

Aber auch wenn sich in einer von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt durchgeführten Studie 82 Prozent der Befragten dafür aussprachen, dass „Städte und Gemeinden gezielt so umzugestalten, dass man kaum noch auf ein Auto angewiesen ist“ und das Fahrrad auf Strecken bis fünf Kilometer Länge schneller als das Auto sind, bedeutet das nicht automatisch, dass Radler alles dürfen, was sie wollen.

Radständer müssen besser ausgeschildert werden. Archivfoto

Radständer müssen besser ausgeschildert werden. Archivfoto

Nachdem ich nun vier Jahren lang immer mal wieder samstags und sonntags Aufsicht im Museum im Bügeleisenhaus am Haldenplatz hatte weiß ich aus eigenem Erleben: Immer wieder kommt es zu gefährlichen Momenten, wenn Museumsbesucher das Bügeleisenhaus verlassen und von links Radler den abschüssigen Haldenplatz hinunterfahren. Ab Sommerferienbeginn wollen wir vom Heimatverein als Hauseigentümer und Träger des Museums daher an allen Öffnungstagen nicht-amtliche Warnschilder aufstellen, die Radler zum freiwilligen Absteigen bewegen – ähnlich der zweisprachigen Ausschilderung am Eingang zum LWL Industriemuseum.

Keine Alternative: Rad am Rathaus abstellen. Archivfoto

Keine Alternative: Rad am Rathaus abstellen. Archivfoto

Was könnte die Stadt tun, um den Radfahrern aus nah und fern das Schieben oder gar den Verzicht aus Rad in der FuZo schmackhaft zu machen? Es könnten weitere überdachte, sichere Stellplätze wie an Roonstraße, an der Bahnhofstraße und am S-Bahnhof an den Eingängen zur Fußgängerzone errichten und auch ausschildern werden. Zudem sollte man auf Radfeste in der Fußgängerzone verzichten, bei denen die Stadt als Mitveranstalter sogar das Radfahren auf dem Steinhagenplatz billigend in Kauf nimmt. Man könnte aber auch auf der Internetseite der Stadt Hattingen und beim Stadtmarketing darauf hinweisen, dass Radtouristen willkommen sind – besonders, wenn sie ihren fahrbaren Untersatz in der Fußgängerzone schieben. Und man könnte auf die Gefahren hinwiesen, die bei Zusammenstößen von Mensch und Rad drohen – oder einfach mal an Tag wie diesem den rollenden Verkehr in der Fußgängerzone kontrollieren. Für all dies wird jedoch neben den bezifferbaren Investitionen nicht zuletzt planerischer Einsatz und politischer Willen benötigt – mal sehen, ob es den in Hattingen auch gibt.

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